Bolanden / Eisenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Der Eisenberger Kleinkunstverein „neuer landweg“ feiert seinen 40. Geburtstag

Bühnenzauber zum 40. Jubiläum des Vereins „neuer landweg“: Das Ensemble „Baues Haus“ mit Pianistin Amrei Wipfler .
Bühnenzauber zum 40. Jubiläum des Vereins »neuer landweg«: Das Ensemble »Baues Haus« mit Pianistin Amrei Wipfler .

Mit einem bunten Bühnenzauber hat der Eisenberger Kleinkunstverein „neuer landweg“ in Bolanden sein 40. Jubiläum gefeiert. Drei Kabarettisten und ein Ensemble regten zum Nachdenken an und ließen die Besucher schmunzeln. Eine gelungene Geburtstagsfeier.

Dass etwas Besonderes anliegt, wird den Besuchern des Blauen Hauses in Bolanden schon gleich hinter der Kasse klar: Denn am Samstagabend werden sie von Vorstandsmitgliedern des Eisenberger Vereins „neuer landweg“ mit Sekt und Häppchen begrüßt. Außerdem ist Teneka Beckers aus Mainz gekommen, die Geschäftsführerin des Kultursommers Rheinland-Pfalz.

Sie gratuliert zum 40. Geburtstag des Kleinkunstfördervereins und betont: „Wir sind froh, dass Sie schon so lange so tolle Arbeit machen.“ Dann erzählt sie, dass der erste Antrag auf Zuschüsse 1996 abgelehnt wurde, der Verein aber seither stets Mittel des Kultursommers und/oder des Landes erhalten habe. Dabei seien die Antragsteller bescheiden geblieben, lobt sie. „Normalerweise wird klein angefangen und dann wächst die jeweilige Institution kontinuierlich – nicht so beim ,neuen landweg““, berichtet Beckers. Dieser stütze sich auf viele Ehrenamtliche, die mit anpackten, und auf Kooperationen wie die mit dem Blauen Haus.

Ein Blick zurück

Das fünfköpfige Ensemble des Bolander Vereins hat zuvor die Historie Revue passieren lassen: In einem von der Pianistin Amrei Wipfler begleiteten Rapp. Gedichtet wurden die Zeilen von Judith Schattner-Noe, Gründungsmitglied des „neuen landwegs“. Letzterer sei von den Betreibern der Eisenberger Kult-Kneipe Ulenspiegel – Reiner Spieß, Roland Hochstätter, Hardy Hagenburger und dem inzwischen verstorbenen Friedel Ecker – ins Leben gerufen worden. Die Idee dazu sei entstanden, weil die vier zunehmend Verlust mit ihrem Lokal gemacht hätten.

Zum Vorsitzenden sei damals Manfred Asel gewählt worden, der den Verein genauso lange geleitet hat wie zum jetzigen Zeitpunkt sein Nachfolger Michael Werner-Scheid. „Es haben noch einige, vom ,neuen landweg“ organisierte Veranstaltungen im Ulenspiegel stattgefunden, bevor dieser 1984 für immer schließen musste“, so Schattner-Noe.

Nach dem Blick auf die Geschichte folgt ein kritischer auf die Politik und die gesellschaftlichen Veränderungen. Das Quintett nimmt den Rechtsruck aufs Korn und fordert auf, gefälligst „deutsche Zitronen“ zu kaufen. Schwungvoll interpretiert werden auch Lieder wie der 1938 veröffentlichte Schlager „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“ von Gustaf Gründgens und „Wenn uns nur die Liebe bleibt“ von Klaus Hoffmann. Dabei stehen die Sänger – Ruth Leyendecker, Reinhold Krämer, Hans Reinhardt, Judith Schattner-Noe und Eva Mittrücker-Suchomelli – in Mülltonnen.

Die seien ein Relikt aus der Corona-Zeit, als man sich nicht so nahe kommen durfte, erläutert Mittrücker-Suchomelli. Sie hoffe sehr, dass die Freundschaft zwischen dem Blauen Haus und dem ,neuen landweg“ noch viele weitere Jahrzehnte bestehen bleibe. Werner-Scheid kann beruhigen: „Unserem Verein geht es dank der Förderungen und Spenden finanziell gut und der Vorstand will weitermachen.“ Die Schlussfolgerung „Insofern bleiben wir Ihnen noch erhalten“ erntet eine Menge Applaus.

„Bekloppter als alle anderen“ zu sein, rät der Comedian Frank Fischer. Es gebe Tage, da seien nur komische Leute unterwegs, regt sich der vielfach ausgezeichnete Kleinkünstler auf. „Ich könnte kein Verkäufer sein, weil ich nicht den ganzen Tag die Kunden ernst nehmen könnte“, stellt er klar. Sei er doch neulich in einem Café sehr lange angestarrt worden und dann habe einer der intensiv Guckenden allen Ernstes zu ihm gesagt: „Sie sind doch der Schauspieler. Der, der kürzlich verstorben ist.“

Facebook und Co. seien ein Sammelsurium für Psychos. Bewundernswert ist Fischers Sprachtalent. Mit enormer Leichtigkeit mimt der 51-jährige Komiker jeden erdenklichen Dialekt und schleudert dem Publikum auch Fantasie-Mundart entgegen. Das habe ihm einst bei der Kommunikation mit einem Mann am Empfang eines bayerischen Hotels geholfen, den er zunächst nicht verstanden habe, erzählt Fischer. Nachdem er ihm in kreativem Dialekt geantwortet habe, sei dieser auf Englisch umgeschwenkt.

Einblicke aus dem Kanzleramt

Welche Einblicke die Klofrau im Kanzleramt hat, teilt die Schauspielerin, Publizistin und Chanson-Interpretin Sandra Kreisler unter rasanter und witziger Klavierbegleitung von Andreas Kohl mit. Sie wisse genau, wer stehe und wer sitze. An Ideale glaube sie nicht, sondern nur an Sauberkeit. „Kanzler kommen, Kanzler gehen – die Scheiße bleibt die Gleiche“, wird sie deutlich. Wer da länger bleiben wolle, „schweigt und ist bestechlich“. Ihr Vater Georg Kreisler habe schon in den frühen 1980er-Jahren gewusst, „dass wir einen Olaf Scholz kriegen werden“, greift sie mit ihrer ausgezeichneten, kräftigen und dunklen Stimme das von ihm komponierte Lied „Die kleinen Männer mit der riesengroßen Macht“ auf. Wenn früher ein Politiker gelogen habe, dann sei sein Rücktritt erwartet worden. „Heute erwartet man, dass er lügt“, so die 62-Jährige, die feststellt, dass der Inhalt von Aussagen oder Liedern oft keine Rolle spielt: „Wenn man es gut vorträgt, merkt es keine Sau. Die Masse ist ja meistens gar nicht allzu schlau.“

Fastnacht als Kulturschock

Unter „genetisch bedingtem Muskelschwund“ leidet Liza Kos, die mit versteinerter Mine am Mikrofon steht. „Ich freue mich sehr, hier sein zu müssen“, sagt sie und ergänzt: „Mein Gesicht scheint darüber nicht informiert zu sein.“ In ihrem Heimatland lächle man eher selten, dann aber ehrlich, erklärt die gebürtige Moskauerin. Sie trainiere das Lächeln aber, sagt die 43-Jährige und schiebt ihre Wangen hin und her, bis sie schließlich lächelt. Auf ihrer Balalaika – die allerdings wie eine Gitarre aussieht, weil sie schon lange hier „gut intrigiert“ sei – spielt sie ein „Stimmungslied“: Sie stimmt die Saiten. Auch sie selbst sei „gut intrigiert“, denn sie sei „deutscher als Waltraud, ich esse sogar Sauerkraut und entwickle Sympathie sogar zur Bürokratie“. Sie pfeift die Nationalhymne ihrer Wahlheimat und legt von einer Sekunde auf die andere ihren russischen Akzent ab. Wegen Ahmed, ihres ersten Freundes hierzulande, habe sie vier Jahre lang Kopftuch getragen, aber der größte Kulturschock für sie sei eine Karnevalssitzung gewesen.

Albern wie die Büttenreden zu Fastnacht oft sind, war der Bühnenzauber anlässlich des Vereinsjubiläums nicht. Es war eine durchaus niveauvolle, gelungene, sehr abwechslungsreiche Darbietung. Bei vielen kritischen Bemerkungen zu Politik und Gesellschaft konnte man sich das Schmunzeln nicht verkneifen.

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