Donnersbergkreis „Der Chorgesang wird nicht aussterben“

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Herr Lacmann, die Sängervereinigung Winnweiler braucht neue Mitglieder. Seit einiger Zeit befasst sich sogar die interne Arbeitsgemeinschaft „Mitgliederwerbung“ mit diesem Thema. Was kann man denn konkret gegen das sinkende Interesse tun?

Zunächst einmal geht es bei uns momentan vor allem um den Männerchor. Wie viele andere Vereine, so sehen natürlich auch wir ein nachlassendes Interesse vor allem bei der Jugend. Aber während sich unser Frauenchor gut hält und der neue gemischte Chor Tonika erfolgreich gestartet ist, haben wir momentan Schwierigkeiten, die Reihen bei den Männern zu schließen. Zurzeit sind es etwa 30 aktive Sänger und es werden jedes Jahr weniger. Noch vor zehn Jahren lag die Zahl der aktiven Mitglieder bei etwa 35 Personen. Dass Handlungsbedarf besteht, das zeigt sich schon am Durchschnittsalter bei den Sängern. Es liegt aktuell bei etwa 68 Jahren. Wenn man einmal von den Fangesängen in Fußballstadien absieht, dürfte das Interesse am Singen unter jungen Männern heutzutage eher gering sein. Gibt es überhaupt eine realistische Chance, dass der Männerchor weiterhin bestehen kann? Wir sind realistisch. Es geht es uns mitnichten darum, möglichst viele Jugendliche oder junge Erwachsene in unsere Reihen aufzunehmen. Es wäre ein Erfolg, wenn sich neue Mitglieder im Alter zwischen 50 und 60 Jahre fänden. Wenn sich junge Männer für einen Verein interessieren, dann geht es meist um Sport. Erst mit fortschreitendem Alter rücken Aspekte wie Musik oder Tanz in den Vordergrund. Wir wollen indes auch neue weibliche Mitglieder anwerben. Nur sieht es bei den Männern momentan etwas schwieriger aus. Und auf welche Weise lassen sich neue Mitglieder werben? Die beste Werbung sind sicher gelungene Auftritte unserer Chöre. Um neue Mitglieder zu werben, möchten wir Informationen über uns noch stärker in Umlauf bringen. Dazu haben wir nun in einem ersten Schritt Flyer gedruckt, die alle wesentlichen Informationen enthalten. Um diese aber auch erfolgreich in Umlauf zu bringen, haben wir mit Haustürbesuchen begonnen, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Wir versprechen uns viel vom direkten Kontakt mit den Menschen. Mit Verlaub Herr Lacmann: Bei Haustürbesuchen denkt man zunächst an die Werbung religiöser Sekten oder an die Anbiederung von Politikern im Hinblick auf eine anstehende Wahl. Wieso diese Methode? Wir hatten schon früher Broschüren gedruckt – immerhin 700 – und in Briefkästen eingeworfen, die Resonanz war eher bescheiden. Ein einziges neues Mitglied wurde durch die Aktion auf uns aufmerksam. Daher halten wir Gespräche für sinnvoll. Wir drängen uns ja nicht auf. Wenn jemand direkte Informationen möchte, können wir aber direkt antworten. Ein Gespräch ist nachhaltiger, als eine Broschüre, die sich schnell wegwerfen lässt. Hinzu kommt, dass wir uns bei den Besuchen vor allem auf die Neubaugebiete konzentrieren wollen. Denn die Aktivität in einem Verein dürften gerade zur Integration in die Gemeinde beitragen. Da wir auch in er Zeit leben, in der die Menschen mobiler sind und immer wieder neue Nachbarn bei uns leben, ist dieses Argument nicht von der Hand zu weisen. Doch es gibt abseits pragmatischer Überlegungen noch andere Argumente für das Singen. Zum Beispiel? Singen ist gesund und befreit von negativen Gefühlen. Wissenschaftlerhaben nachgewiesen, dass Singen sogar das Immunsystem stärken kann. Eine Besonderheit bei der Chorarbeit scheint mir auch der soziale Aspekt zu sein. Musik verbindet Menschen. Mit dem Singen ist es sehr ähnlich. Das stellen wir im Alltagsleben unserer verschiedenen Chöre immer wieder fest. Mühelos lassen sich in einem Chor neue soziale Kontakte knüpfen, Bekanntschaften oder auch Freundschaften schließen. Und das ist nicht nur für Neubürger interessant. Sie haben allerdings in den vergangenen Jahren auch ihr Konzept überarbeitet. Die Sängervereinigung trägt zwar immer noch Volkslieder und klassische Männerchorliteratur vor; gleichzeitig haben Sie ihr Repertoire aber um Songs aus der Pop- und Rockmusik erweitert. Auch Gospel oder bekannte Filmmelodien stehen seit einiger Zeit auf der Agenda. Veränderung ist also auch wichtig? So ist es. Das beste Beispiel dafür ist vielleicht die Gründung unseres neuen gemischten Chores zum Jahresbeginn, der aus einem Chorprojekt aus dem Jahr 2011 hervorging. Der Chor trägt den Namen „Tonika“ und ist mittlerweile neben dem ursprünglichen Männerchor und dem bereits seit 26 Jahren bestehenden Frauenchor unser drittes Gesangsensemble. Manche andere Vereinigungen hätten dazu vielleicht nicht die Notwendigkeit gesehen, zumal der Frauenchor in den vergangenen Jahren erfreulicherweise zulegen konnte. Hier haben wir aktuell immerhin 57 Mitglieder. Aber wir versuchen auch schon früh gegenzusteuern. Dass dies funktionieren kann, das zeigt eben das Beispiel des gemischten Chors. Bei der ersten Probe erschienen 58 interessierte Sänger und Sängerinnen. Obwohl darunter etwa 20 Mitglieder bestehender Chöre waren – so etwas macht Mut. Würden Sie mit anderen Chören zusammenarbeiten, um den Mitgliederschwund auszugleichen? Warum nicht? Chorgemeinschaften mit anderen Männerchören können durchaus sinnvoll sein. Dafür sind wir aufgeschlossen. Es geht ja letztendlich darum, eine Tradition aufrechtzuerhalten. Dabei geht es nicht um einen Selbstzweck, sondern auch um einen gesellschaftlichen Aspekt. Wenn wir für andere Menschen singen, können wir positive Gefühle wecken. Im Umkehrschluss ist das auch für uns eine Freude. Ich singe seit 30 Jahren und ich weiß, wie gut sich ein schlechter Tag dadurch wieder in das Gegenteil wenden lässt. Ich habe den Eindruck, dass ein solches Ventil gut wäre in einer Gesellschaft, in der Stress zum Alltag gehört und die Muße für gemeinschaftliche Aktivitäten zunehmend ins Hintertreffen zu geraten droht. Sie gehen also davon aus, dass immer gesungen wird? Ich denke jedenfalls nicht davon aus, dass der Chorgesang ausstirbt. Er wird sich bestimmt weiterhin verändern. Aber das ist auch gut so. Gerade in der Musik haben wir in den vergangenen Jahrzehnten sehr viel Veränderungen erlebt. Dem muss man Rechnung tragen. (stwo)

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