Falkenstein RHEINPFALZ Plus Artikel Demmerle ist (fast) sein eigener Chef

Volker Demmerle ist gerne für seine Heimatgemeinde und die Menschen dort im Einsatz.
Volker Demmerle ist gerne für seine Heimatgemeinde und die Menschen dort im Einsatz.

Volker Demmerle hat gleich zwei Verbindungen zu seiner Heimatgemeinde Falkenstein. Er ist seit 13 Jahren Ortsbürgermeister, und seit zwei Jahren tut er als Gemeindearbeiter Dienst. Arbeitsanweisungen bekommt Demmerle also nicht. Tun und lassen was er will, kann er dennoch nicht.

Die Geschichte beginnt damit, dass der Gemeindearbeiter von Falkenstein erkrankte und schon bald absehbar war, dass er lange ausfallen würde. „Wir machten uns im Gemeinderat Gedanken, wie die Lücke gefüllt werden könnte“, erinnert sich Demmerle. Die Stelle wurde ausgeschrieben.

„Das Ergebnis war gleich Null, es gab keinen Bewerber“, so der Ortsbürgermeister. „Also standen wir weiterhin ohne helfende Hand da.“ Es musste gehandelt werden, das Gras wuchs in den Grünanlagen, die Straßenrinnen vor den gemeindlichen Grundstücken mussten gekehrt werden und es fielen immer mehr kleinere Reparaturen an.

Arbeitszeit reduziert

„Mir war die Dringlichkeit bewusst und es gab keinen Lichtblick am Himmel“, schildert er die damalige Situation. Dann kam ihm eine Idee, die er allerdings erst mit seiner Gattin besprechen wollte. Der Gemeindearbeiter hat eine wöchentliche Arbeitszeit von 19,5 Stunden. Die könnte er auch leisten, so seine Idee, wenn er in der Firma, in der er Teilhaber war, seine Arbeitszeit reduzieren würde. „Die Familie stand hinter mir und so informierte ich die Ratsmitglieder.“

Von Juli 2020 an teilte Demmerle seine Arbeitskraft auf: Vor Ort war er als Gemeindearbeiter im Einsatz und dazu in Winnweiler in einem Elektrounternehmen, das er mit aufgebaut hat und in dem er in der Geschäftsführung tätig war. „Das hat recht gut funktioniert und ich war froh, dass ich diesen Schritt gegangen bin“, sagt er heute. Er ging letztlich sogar noch einen Schritt weiter und gab vor einem Jahr seine Stellung im Elektrounternehmen ganz auf. „Ich habe meine Anteile verkauft und bin jetzt nur noch Gemeindearbeiter“, sagt Demmerle. Zusätzlich zum Ehrenamt als Ortsbürgermeister versteht sich.

Es gibt immer was zu tun

Wenn er dann mal nicht am Schreibtisch des Gemeindeoberhauptes sitzt, ist er irgendwo im Ort unterwegs. „Es gibt immer was zu tun“, bestätigt der 61-Jährige. Gerade in den Sommermonaten hat er seine Sollstunden schnell erfüllt. Das Gras muss schließlich gemäht werden, und in Falkenstein ist das gar nicht so einfach. „Wir haben keinen Aufsitzmäher, und an manchen Stellen kann auch der selbstfahrende Rasenmäher nicht eingesetzt werden“, schildert Demmerle die Situation. Die steilen Hänge bringen solche Gerätschaften an Grenzen, und oftmals sind es wegen der Begradigung auch nur kleine Flächen die zu pflegen sind. „Da hilft dann nur der Freischneider“, berichtet er über seine Tätigkeiten.

Der Friedhof mit Leichenhalle, die öffentlichen Grün- und Parkanlagen, die Burgruine, der Läuteturm sowie das Bürgerhaus sind seine Anlaufpunkte. „In der Winterzeit habe ich Abfallkörbe gebaut und im Frühjahr aufgestellt. Die werden nun in regelmäßigen Abständen geleert, um Falkenstein ein gutes Ortsbild zu verschaffen“, sagt Demmerle. Oft nimmt er auch Hammer und Nagel oder Pinsel und Farbe in die Hand, um kleine Reparaturen durchzuführen. Hin und wieder muss er auch mal in der Burgruine Steine neu einsetzen.

Immer in Kontakt

Wichtig ist ihm die Arbeit am Kinderspielplatz, wo er regelmäßig Sand nachfüllt und auf den Fallschutz achtet. Was ihn besonders beim Einsatz mit dem Freischneider in den Grünanlagen ärgert ist, wenn ihm „bei der Arbeit die Hundehaufen um die Ohren fliegen“. Hier hofft er auf das Einsehen der Tierhalter, die Hinterlassenschaften sofort zu entfernen.

„Bei dieser Arbeit habe ich auch ständig den Kontakt zur Bevölkerung. Da werde ich sowohl als Gemeindearbeiter als auch als Ortsbürgermeister angesprochen“, berichtet er. Das auch in den Wintermonaten. Denn da sitzt er nicht nur im warmen Wohnzimmer. Bei Schnee und Glätte ist er am frühen Morgen ab fünf Uhr unterwegs, um der gesetzlichen Streu- und Räumpflicht nachzukommen.

Trotz allem „unter Aufsicht“

„Ich bin bei meiner Tätigkeit als Gemeindearbeiter aber nicht gleich mein eigener Chef“, betont das Gemeindeoberhaupt. Hier untersteht er seinem Vertreter. Stefan Weber, dem ersten Ortsbeigeordneten, obliegt die Aufsicht und die Anordnungsbefugnis. „Er hat auch den Arbeitsvertrag mit mir unterschrieben“, informiert Demmerle. „Alles, was mit Kosten verbunden ist, kläre ich zuerst mit meinem Chef ab“, fügt er schmunzelnd an.

Eine Sache hat er aller dings mit seinem Vorgesetzten nicht abgesprochen. Als echter Fußballfan hat er eines Tages die FCK-Fahne auf der Burgruine gehisst, sie ist schon von weitem sichtbar. Kritik von seinem „Chef“ gab es an dieser Aktion allerdings keine.

x