Donnersbergkreis Dekan Pernt-Weigel: „Kann nicht jubeln“

Die Entscheidung der Kirchenregierung in Speyer über den künftigen Dekanatssitz der vier fusionierenden Bezirke Rockenhausen, Winnweiler, Otterbach und Lauterecken (wir berichteten gestern) hat gemischte Reaktionen hervorgerufen. Während sich der Otterbacher Dekan Matthias Schwarz zufrieden zeigte, äußerte sein Kollege Michael Pernt-Weigel (Winnweiler) Enttäuschung. Auch in Rockenhausen hatte man einen Zuschlag für den Dekanatssitz nicht ausgeschlossen.
„Jubeln kann ich nicht“, sagte Pernt-Weigel gestern auf RHEINPFALZ-Anfrage. Auch wenn er nach mehr als 17 Jahren als Dekan in Winnweiler im Dezember 2015 in Altersteilzeit geht: „Ich werde dann stets an die Altlast erinnert, dass wir den Dekanatssitz nicht bekommen haben“. Warum sich die Kirchenregierung gegen Winnweiler entschieden hat, das wüsste er zu gerne. Zwar betreiben die vier Kirchenbezirke bereits ein gemeinsames Verwaltungsamt in Otterbach. Das Argument, deshalb auch den Dekanatssitz nach Otterbach zu verlegen, kann Pernt-Weigel aber nicht nachvollziehen. Denn in puncto Erreichbarkeit und Infrastruktur stehe Winnweiler Otterbach nicht nach, betont Pernt-Weigel. So biete das Festhaus mehr Platz für Veranstaltungen als das neue Gemeindehaus in Otterbach. Der Rockenhausener Dekan Christian Rust sieht die Vergabe des Sitzes gelassener. „Wir hatten nicht ausgeschlossen, dass Rockenhausen den Zuschlag bekommt.“ Schließlich sei die Stadt seit langem Dekanssitz, und dies hätte ihr auch in den kommenden 50 Jahren gut gestanden. Enttäuscht über die Entscheidung aus Speyer ist Rust aber nicht. Der Sitz des Dekans habe keine Auswirkungen auf die Gemeinden, stellt er klar. Als mögliche Option zur künftigen Nutzung der Räume nennt Rust ein Kirchenbüro für die Pfarrstellen. Im Sommer werden im jetzt noch kleinsten Dekanat der pfälzischen Landeskirche nur noch fünf Pfarrstellen übrig sein. Als Herausforderung für die Zukunft sieht Rust das Zusammenwachsen des neuen „Kirchenbezirks an Alsenz und Lauter“: „Wir werden zu Viert eins sein“, schildert er. Ab jetzt gelte es, für das Ganze zu sprechen, dann „kann auch etwas daraus werden“. Wie Pernt-Weigel, der im Dezember 2015 in den Ruhestand geht, wird auch Rust das neue Vierer-Konstrukt nicht mehr als Dekan begleiten. Seine Amtszeit endet im Mai 2016. Die Lauterecker Dekanin Diana Lipps orientiert sich schon seit Längerem zur rheinischen Landeskirche. Unterdessen kündigte Otterbachs Dekan Matthias Schwarz (50) an, dass er dem neuen „Kirchenbezirk an Alsenz und Lauter“ vorstehen möchte. Die Stelle wird ausgeschrieben. Das Dekanat hat nach Angaben der Landeskirche ab 1. Juni 2016 rund 53.000 Kirchenmitglieder in 48 Gemeinden. Einen Vorteil dieser Größe sieht Schwarz in der Organisation von Vertretungsregelungen. Durch die schrumpfende Zahl der Kirchenmitglieder blieben Stelleneinsparungen nicht aus. „Natürlich sparen wir durch die Fusion auch Geld“, betonte er mit Blick auf drei entfallende Dekan-Stellen sowie deren Geschäftsstellen. Personaleinsparungen werde es allerdings nicht geben: „Niemand wird arbeitslos.“ Mit dem Vierer-Konstrukt könne künftigen Herausforderungen des demografischen Wandels besser begegnet werden, so Schwarz. Durch die Fusion könne die Nordwestpfalz, kirchlich gesehen, mit Gelassenheit in die Zukunft blicken. Nachdem gerade erst die Presbyterien gewählt worden sind, werden sich im Januar die vier Bezirkssynoden für eine Übergangszeit von anderthalb Jahren konstituieren. Die dann zu wählenden Bezirkskirchenräte sollen anschließend die Fusion in den Blick nehmen, kündigte Schwarz an. (suca)