Donnersbergkreis Das Taktgefühl kommt auch auf Rädern
Jeden Montag freut sich der rüstig wirkende Rentner Volker Zimmer ganz besonders, wenn er sein Wohnheim verlässt, um sich gegen 19 Uhr im Foyer der Tagesförderstätte in Kirchheimbolanden einzufinden. Seit dem Februar gibt es dort nämlich das Tanzangebot für Menschen mit Behinderung, eine Initiative des Tanzclub Grün-Weiß Kirchheimbolanden in Kooperation mit der Lebenshilfe Westpfalz.
Die Idee dazu wurde durch eine Aufführung während des Inklusionstags der Kreisverwaltung Donnersbergkreis geboren. „Die Musik geht ins Blut“, meint Zimmer und erzählt von seiner Jugendzeit, als er noch fidel das Tanzbein schwang. In der Ecke auf dem Stuhl sitzt derweil der 24-jährige Marcel. Heute schaut er die meiste Zeit nur genüsslich zu, wie die anderen von Trainerin Barbara Liebsch und Trainer Tadeusz Pitula übers Tanzparkett geführt werden. Ehrenamtliche Helfer bewegen die Rollstühle zum Takt, während die übrigen Teilnehmer mit eigenen Tanzschritten zu den Bewegungen der Rollstuhlfahrer interagieren. Liebsch gibt die Anweisung „und jetzt drehen“, doch die Stimmung ist so außer Rand und Band, dass einige fröhlich weiterhüpfen – auch das kein Problem. Hier geht es nicht um das Einüben perfekter Tanzschritte, gibt einer der ehrenamtlichen Helfer zu verstehen, sondern um die Geselligkeit und den Spaß am Leben. Ob leichte Beeinträchtigungen oder schwere Behinderung – in dieser einen Tanzstunde spielt das keine Rolle. Jeder Teilnehmer bringt seine Individualität zum Ausdruck und dennoch schafft es die Gruppe mit Hilfe der Musik in Resonanz zu schwingen. Die Glückshormone kommen in Wallung, in den Gesichtern der Teilnehmer macht sich ein Lächeln breit und die Alltagssorgen scheinen für einen Moment vergessen. Das Tanzen macht offensichtlich allen sehr viel Spaß und wirkt sich merklich auf das Wohlbefinden aus. Liebsch wischt sich die Schweißperlen von der Stirn und verkündet eine kurze Pause. Brigitte aus Kirchheimbolanden ist dagegen noch voller Elan. Da sie nur noch wenige Schritte gehen kann, ist sie die meiste Zeit auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen. Die Freude am Leben lässt sie sich dennoch nicht nehmen. „Ich mache gerne Ballspiele und mir gefällt das Tanzen gut“ erzählt sie mit sanfter Stimme, noch bevor Trainer Pitula mit seinem Finger auf die Abspieltaste der Musikanlage drückt und Rock’n`Roll-Musik das Foyer beschallt. Die Hände gehen nach oben, alle klatschen und der quirlige Marcel läuft nun zu seiner Mama und zieht sie liebevoll auf die Tanzfläche. Gleich kommt nämlich „sein“ Lied. Bei „Rock me“ nehmen sich alle in den Arm und die Rollstühle drehen sich – plötzlich huscht Pitula einem Teilnehmer hinterher: Elmar. Er hatte sich schon vor dem Ende der Tanzstunde seine Jacke übergestreift und wollte die Gelegenheit nutzen, um sich kurzerhand selbstständig zu machen und auf Entdeckungstour zu gehen. Denn bei aller Leichtigkeit, die in der Tanzstunde um sich greift – das Leben mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen ist sowohl für die Betroffenen als auch für die Hilfskräfte oder Eltern nicht immer leicht. Und bei aller Freude am Tanzen muss ein wachsames Auge sein. Auch deshalb gibt es eine Einschränkung. „Bis zu zwölf Personen können an den Tanzkursen teilnehmen“, sagt Liebsch, darüber hinaus fehlten leider die Kapazitäten. Für heute ist Schluss hier, alle freuen sich schon auf die nächste Tanzstunde.