Vielfalt des Sports RHEINPFALZ Plus Artikel Darts: Vom Schlachtfeld in die Kneipe

Dominic Wagener aus Lohnsfeld spielt derzeit beim Zweitligisten „Darts Pub Walldorf“.
Dominic Wagener aus Lohnsfeld spielt derzeit beim Zweitligisten »Darts Pub Walldorf«.

Darts ist keine Randsportart mehr: Das Zuschauerinteresse bei den großen Turnieren wächst ständig. Dabei galt der Sport mal als Glücksspiel.

Großbritannien gilt als das Mutterland des Darts und ist bis heute eines der Länder, in denen der Sport am populärsten ist. Allerdings wurden schon vor Christi Geburt kleine Pfeile in Schlachten verwendet, woraus sich über die Jahrhunderte immer mehr verschiedene pfeilartige Waffen entwickelten. Dies war auch in Frankreich der Fall – die Franzosen nannten die kleinen Pfeile, die sie in Schlachten nutzten, Darts, sie waren also die Namensgeber der Sportart.

Das Werfen von Pfeilen zum Spaß – und nicht zu militärischen Zwecken – entwickelte sich am Ende des 19. Jahrhunderts vor allem in den Pubs von Großstädten wie London und Manchester. Es wurde mit Holzpfeilen auf die Böden von alten Bierfässern geworfen. 1896 wurde die Anordnung der 20 Segmente (Felder) auf dem Dartboard von dem englischen Zimmermann Brian Gamlin festgelegt, die bis heute Bestand hat.

Ein Meilenstein im Jahr 1908

Ein Meilenstein für den Sport war das Jahr 1908, denn ab diesem Jahr galt Darts nicht mehr als Glücks- sondern als Geschicklichkeitsspiel. Zuvor war ein Wirt in Leeds angeklagt worden, denn Glücksspiel war in Pubs verboten. Der Wirt konnte vor Gericht mit Hilfe einiger guter Dartspieler beweisen, dass es kein Glück, sondern vor allem Können braucht, um die Felder gezielt zu treffen. Beeindruckt von dieser Vorstellung musste auch der Richter feststellen: „This is no game of chance!“ – „Dies ist kein Glücksspiel!“

Eine extrem große technische Veränderung der Dartpfeile erfolgte um 1960 herum mit der Einführung der „Tungsten Barrels“. Tungsten ist die englische Bezeichnung für das chemische Element Wolfram, ein weißglänzendes Schwermetall mit einer hohen Dichte. Dieses Material ermöglichte erstmals die Herstellung von schmalen, schlanken aber dennoch adäquat schweren Darts, deren Verwendung heute aus dem Dartsport nicht mehr wegzudenken ist.

Rasantes Wachstum

Der offizielle Welt-Dachverband des Dartsports ist die 1976 gegründete World Darts Federation (WDF), der auch der Deutsche Dart Verband (DDV) angehört. 1992 gründete sich dann noch die PDC (Professional Darts Corporation), die den professionellen Dartsport ebenfalls weltweit vertritt und vor allem vermarktet sowie eine Reihe von hochkarätigen Turnieren – auch die Weltmeisterschaft – veranstaltet. Momentan ist der Dartsport zu einer der am rasantesten wachsenden Sportarten der Welt geworden.

Um Darts zu spielen benötigt man lediglich zwei Dinge: Eine Dart-Scheibe mit spezieller Einteilung sowie Dart-Pfeile. Die kreisrunde Scheibe hat einen Durchmesser von etwa 45 Zentimetern, sie ist ähnlich wie ein Wagenrad in 20 Segmente (Felder) aufgeteilt; jedem Segment ist eine Zahl von 1 bis 20 zugeordnet. Die Zahlen sind nicht der Größe nach sortiert, sondern wurden bereits 1896 so angeordnet, dass große Zahlen zwischen kleinen liegen.

Volltreffer ins „Bulls Eye“

In der Mitte der Scheibe befindet sich ein kleiner Kreis mit 12,7 Millimetern Durchmesser, er wird als „Bulls Eye“ bezeichnet und bringt als Treffer 50 Punkte. Um das Auge herum liegt ein Kreis – Bull oder Outer Bull oder Single Bull – der 25 Punkte zählt. Zwei weitere Ringe von acht Millimeter Breite komplettieren die Einteilung. Der kleinere ist das sogenannte Triple; trifft ein Pfeil in diesem Bereich, verdreifacht sich der Wert des Feldes. Der äußere Ring wird Double genannt; hier verdoppelt sich die Punktzahl.

Das Material der Scheibe besteht aus Sisalfasern, die Segmente sind durch ein Drahtnetz – die sogenannte „Spinne“ – bestehend aus sehr dünnen Drähten, getrennt. Bei Wettkämpfen muss die Höhe vom Boden bis zum Mittelpunkt der Scheibe 1,73 Meter betragen. Der Spieler steht hinter einer Abwurfmarkierung – die sogenannte Oche – mit einem Abstand von 2,37 Metern zur Wand.

Sechs Teile ergeben einen Pfeil

Der Aufbau eines Dartpfeils gliedert sich in sechs Teile. Von vorne nach hinten: Spitze (Tip oder Point), Barrel, Shaft, Collar, Flight, Protector. Die Spitze ist aus Stahl (steel) oder aus Kunststoff (soft). Es gibt auch Modelle, bei denen man durch aufschraubbare Stahlspitzen aus einem Softdart einen Steeldart machen kann.

Die Spitze geht über in den meist geriffelten Barrel. Hier wird vom Material unterschieden: Brass (Messing), Tungsten (Wolfram) oder Nickel. Dies ist auch der Bereich, der zum Werfen angefasst wird. Der Shaft ist die etwas dünnere Verlängerung des Barrel, von dem es viele Variationen gibt. Meistverbreitet sind Polyamid- (Nylon) und Aluminium-Shafts. Man unterscheidet fünf verschiedene Längen, von Mini bis Long.

Der Protector schützt den Pfeil

Das Ende des Shafts wird von einem Ring (Collar) zusammengedrückt, dies soll den hinten befindlichen Flügel (flight) fest mit dem Shaft verbinden. Verwendet wird der Collar aber nur bei Nylon-Shafts. Der letzte Bestandteil des Pfeils ist der Flight (Flügel), der überwiegend aus Polyester oder Nylon besteht und der Stabilisierung der Flugbahn dient. Am Ende des Flights wird ein kleiner Schutz (Protector) aus Aluminium oder Nylon aufgesetzt, der den Pfeil vor nachfolgenden Darts schützen soll. Diese prallen ab und landen meist trotzdem im Board, ohne dem vorher geworfenen Pfeil Schaden zuzufügen.

Man muss unterscheiden zwischen den üblichen Steeldarts und Softdarts. Letztere haben eine Spitze aus Kunststoff; sie werden beim Werfen auf E-Dart-Scheiben benötigt. Diese sind aus Kunststoff und haben den Vorteil, dass sie elektronisch die Punkte zählen.

Die Spielvarianten

Es gibt sehr viele mögliche Abläufe. „501“ heißt die häufigste Variante, die auch Grundlage für Turnierspiele ist. Jeder Spieler hat zunächst 501 Punkte. Die Spieler werfen abwechselnd ihre drei Pfeile auf die Scheibe; die dabei erreichten Punkte werden von den 501 Punkten abgezogen. Wer zuerst genau null Punkte erreicht, hat gewonnen. Wirft ein Spieler in einer Runde mehr als bis zur Null notwendig, sind seine Würfe in dieser Runde ungültig. Zum Beenden gibt es wieder mehrere Varianten, die häufigste ist das „Double Out“, das bedeutet, dass am Ende zum Erreichen der Null ein Double-Feld getroffen werden muss.

Ein Durchgang, bis einer der Spieler die Null erreicht, wird als „Leg“ bezeichnet. Um ein Turnierspiel zu gewinnen, muss man eine vorher festgelegte Zahl an Legs für sich entscheiden – bei den meisten PDC-Turnieren sind in der ersten Runde sechs gewonnene Legs erforderlich. Auf die zahlreichen weiteren Spielvarianten genauer einzugehen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Deshalb sollen hier einige fantasievolle Namen genügen: Tactics, Blinder Killer, Fuchsjagd, Shanghai, Around the clock und Elimination.

Darts in unserer Region

Schaut man sich im Donnersbergkreis um, so stößt man mit Sicherheit auf den Dartsportverein (DSV) 98 Donnersberg e.V. mit Sitz in Winnweiler, Ortsteil Alsenbrück-Langmeil. Er hat sich seit der Gründung 1998 auch über den Kreis hinaus etabliert und bietet zur Zeit zwei aktive Mannschaften für Wettkämpfe auf – Landesliga und Regionalliga. Dass Ende November letzten Jahres der 1. Vorsitzende Winfried (Winny) Matheis im Alter von 65 Jahren überraschend verstorben ist, traf den DSV hart. Er war über Jahre hinweg auch Präsident des Rheinland-Pfälzischen Dartverbandes (RPDV) sowie Bundesliga-Schiedsrichter und in der Trainerausbildung tätig. Viele Nachrufe im Internet belegen seine Liebe zum Dartsport, seinen ständigen Einsatz für die Jugend sowie seine Fähigkeiten, auch große Turniere auszurichten. Der DSV war seine sportliche Heimat, dem er seine ganze Freizeit widmete; das Vereinslokal am ehemaligen Bahnhof in Langmeil war sein Score Pub. Er wird im DSV eine große Lücke hinterlassen.

Es gibt einige sehr gute Dartspieler in unserer Region. Einer von ihnen – Dominic Wagener aus Lohnsfeld – soll stellvertretend für alle anderen etwas genauer vorgestellt werden. Dazu war ich mit ihm in Winnweiler, im „First Dart Lounge“ verabredet. Unser Treffpunkt ist ein gemütliches kleines Lokal, das mit seiner Einrichtung voll auf Darts fokussiert ist.

Karrierestart im Keller der Eltern

Dominic Wagener ist Jahrgang 1996, in Frankenthal geboren und hat an der Realschule Rockenhausen die Mittlere Reife erworben. Bei der Firma Keiper in Rockenhausen wurde er zum Werkzeugmechaniker ausgebildet, mittlerweile ist er in der Firma Staehle in Schifferstadt beschäftigt. Parallel dazu besucht er noch die Meisterschule, nach dem im Sommer diesen Jahres avisierten Abschluss darf er sich als Industriemeister Metall bezeichnen. Dominic ist verheiratet, er wohnt mit seiner Frau und seinem Sohn – dreieinhalb Jahre alt – in Lohnsfeld.

Seine Darts-Karriere begann er mit elf Jahren in der Freizeit im elterlichen Keller. 2011 spielte er erfolgreich bei einem Dartclub aus Gaugrehweiler in einer E-Dartliga. Zwei Jahre später ging er nach Langmeil zu dem oben erwähnten DSV, wo er auf die Steel-Darts wechselte und von Winfried Matheis gefördert wurde. Er spielte als Aktiver in der Landesligamannschaft und wurde zweimal Landesmeister. 2017 erfolgte der bisher letzte Wechsel zum Verein „Darts Pub Walldorf“ in Baden Württemberg. Hier spielte er mehrere Jahre in der Bundesliga, der höchsten deutschen Spielklasse. Zur Zeit liegt er mit seinem Club in der Zweiten Bundesliga auf dem ersten Platz und wird voraussichtlich wieder aufsteigen. Außerdem ist er seit sechs Jahren Mannschaftskapitän.

Ohne Hilfe geht es nicht

Für seine Laufbahn waren vor allem vier Menschen wichtig; seinem Wunsch entsprechend sollen diese hier abschließend erwähnt werden:

Zunächst seine Mutter, die sein „Talent im heimischen Keller bereits erkannt hatte und dafür gesorgt hat, dass er sich einem Verein anschließt“. Michael Sittel aus Gaugrehweiler – ebenfalls Dartspieler – hat ihn davon überzeugt, mehr aus seinem Talent zu machen. Zur Zeit unterstützt er ihn finanziell und logistisch, indem er ihm weitgehend organisatorische Aktivitäten abnimmt. Winfried Matheis hat ihn als 1. Vorsitzender des DSV als Trainer „intensiv gefördert“ und dafür gesorgt, dass sich seine Leistungen deutlich verbessern. Schließlich muss seine Ehefrau Stefanie Wagener noch genannt werden. Sie hat viel Verständnis für seine Dart-Leidenschaft, unterstützt ihn und hält ihm den Rücken frei, wofür er sehr dankbar ist.

Die Dartscheibe für Steeldarts mit einem Durchmesser von etwa 45 Zentimetern.
Die Dartscheibe für Steeldarts mit einem Durchmesser von etwa 45 Zentimetern.
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