Sport im Wandel RHEINPFALZ Plus Artikel Dart: Vom Kneipen- zum Bundesligasport

Heute herrscht im Gegensatz zu früher gute Luft und klare Sicht beim Dartspielen zwischen dem abwerfenden Arm und dem Dart-Board
Heute herrscht im Gegensatz zu früher gute Luft und klare Sicht beim Dartspielen zwischen dem abwerfenden Arm und dem Dart-Board. So spielen auch Donnersberger Spieler mittlerweile bei Bundesligavereinen.

Nur wenige Sportarten haben einen derartigen Wandel vollzogen wie der Dartsport. Er hat sich in den vergangenen 20 Jahren rasch entwickelt. Sehr schnell wandelte sich das Spiel, als 2004 die Bundesliga eingeführt wurde. Vorbei war es mit Duellen in verrauchten Hinterzimmern, in denen auch reichlich der Alkohol floss.

Heute vermittelt der Sport mit den Pfeilen eine ganz andere Professionalität. Ein Akteur, der schon lange vor Einführung der Bundesliga am Board stand, ist Helmut „Helle“ Krehbiel. In Sembach geboren und aufgewachsen, lebt er heute im Winnweilerer Ortsteil Hochstein. Sein Bruder Karl-Heinz betrieb in Lohnsfeld eine Gastwirtschaft und den unterstützte er bei seiner Arbeit.

„Was spielen denn die im Nebenzimmer?, fragte ich meinen Bruder“, erinnert sich Krehbiel. „Er klärte mich auf, dass es sich dabei um den Dartsport handelt.“ Er fragte kurzer Hand in die Runde, ob er mitmachen könne, und prompt kam die Antwort: Du musst zuerst mal schreiben, damit du rechnen lernst. „So stand ich zunächst mal an der Tafel beim Spiel 501 Doppel-Out und notierte die jeweiligen Spielstände“, erzählt der begeisterte Dartspieler. „Ganz anders ist es heute. Die Ergebnisse werden in den Laptop eingegeben und das System errechnet den Zwischenstand“, erläutert Krehbiel weiter.

Gespielt wurde um die Zeche

Nach einiger Zeit drückte ein Spieler ihm drei Pfeile in die Hand. Krehbiel, Jahrgang 1954, kam zwar gut ins Spiel, doch die Siege holten seine Mitspieler. „Pro Spiel zahlte der Verlierer einen Stein Bier und das floss an solch einem Abend in Strömen“, erinnert er sich. „Etliche Besucher der Gaststätte spielten nur deshalb Dart, um nicht ihre eigene Zeche zahlen zu müssen“, bemerkte einmal einer. „Für manchen Spieler ging ein solcher Abend damals ganz schön ins Geld“, erinnert sich der Maler und Lackierer.

Diese Zeit ist vorbei, denn heute wird um Punkte in verschiedenen Ligen gespielt, Dartvereine wurden gegründet, sie spielen bis hoch in die Bundesliga. Bis dahin war es aber noch ein langer Weg. Und der Neuling Krehbiel wollte Anfang der 80er Jahre nicht weiter die Zeche bezahlen. Um sein Spiel zu verbessern, war er aber auf sich selbst gestellt. Es gab keine offiziellen Mannschaften und somit auch keine Trainer und Betreuer. „Aber der Ehrgeiz, bessere Spiele abzuliefern, war groß“, blickt „Helle“, wie er im Kreise der Dartspieler genannt wird, zurück. Nach Schließung der Gaststätte zog er sich ins Nebenzimmer zurück, um zu trainieren. „Das fruchtete schon bald, so dass ich keine Zeche mehr zu berappen hatte.“

Die Tasmania des Dartsports

Das Klischee, dass in verrauchten Kneipen gespielt wurde, bestätigt er. „Dart ohne Alkohol und Qualm war damals undenkbar. Es war normal, dass in der Hand nicht nur die Pfeile waren, sondern auch die Zigarette“, sagt der Spieler. Auch das änderte sich mit der Einführung der Bundesliga. Doch auch schon vor dieser Zeit gab es Wettkämpfe. Es gab Ländervergleiche und die rheinland-pfälzische Auswahlmannschaft wurde in Kaiserslautern gestellt, unter den Spielern war auch Helmut „Helle“ Krehbiel. Dazwischen reisten die Akteure immer wieder zu Turnieren und nahmen weite Strecken auf sich.

Krehbiel ist ein Mann der ersten Stunde der Dart-Bundesliga. Bei der Gründung 2004 spielte er in der Westpfalz-Mannschaft in Bruchmühlbach-Miesau. „Wir haben kein Spiel gewonnen und sind deshalb abgestiegen“, berichtet er mit einem Grinsen. „Humorvoll bezeichnete man uns als die westpfälzische Tasmania, in Anlehnung an die Berliner Fußballmannschaft“, fügt er an.

Donnersberger in der Bundesliga

Der Deutsche Dartverband legte irgendwann auch Regeln fest, die sich nicht nur auf den spielerischen Ablauf beschränkten, sondern auch auf das Umfeld. Sie besagen ein totales Rauch- und Alkoholverbot in der Spielstätte. „Wer mit Bier in der Hand am Board oder am Schreibertisch erwischt wird, muss sofort das Spiellokal verlassen. Dennoch wird gefeiert, aber erst nach dem Spiel“, informiert Krehbiel. „Die Kameradschaft war früher intensiver als heute“, bemängelt er. Zu großen Turnieren sei man mit einem Bus gefahren. Heute reise jeder Spieler selbst mit dem eigenen Fahrzeug an. Darunter leide etwas die Kameradschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl, bedauert Krehbiel. In der Bundesliga spielen heute auch mehrere Donnersberger: Beim DV Kaiserslautern sind Peter-Pascal Portz aus Bolanden und Dominik Appel aus Lohnsfeld aktiv. Dominic Wagener (Lohnsfeld) spielt für Ligakonkurrent Dartspub Walldorf.

Die Serie: Sport im Wandel

Viele Sportarten gibt es bereits seit Jahrzehnten, doch sie haben sich über die Zeit verändert. Neue Trends sind dazugekommen, alte Übungen oder Disziplinen wurden ersetzt. In der Serie stellen lokale Sportlerinnen und Sportler ihre Sportart im Wandel vor und berichten von früheren Erlebnissen und heute.

Helmut Krehbiel
Helmut Krehbiel
x