Leichtathletik RHEINPFALZ Plus Artikel Daniel Mannweiler aus Kalkofen mischt die südafrikanische Laufszene auf

In Südafrika zu Hauses: der Triathlet Daniel Mannweiler aus Kalkofen.
In Südafrika zu Hauses: der Triathlet Daniel Mannweiler aus Kalkofen.

Drei Gipfel, 50 Kilometer, rund 3000 Höhenmeter: Die „Three Peaks Challenge“ im südafrikanischen Kapstadt ist ein Trail für Kämpfer. Daniel Mannweiler aus Kalkofen ist so einer. Der 41-Jährige erlebt bei seiner Premiere ein Wechselbad der Gefühle – und überrascht nicht nur sich selbst.

Der Weg zum Kapstadter Tafelberg ist steinig. Große Felsbrockenstufen führen auf die in 1086 Metern Höhe gelegene Platte, die an diesem Morgen von Wolken bedeckt ist. Die „Tischdecke“ liegt – und die Sicht ist schlecht. Es ist der zweite von drei Gipfeln, den Daniel Mannweiler an diesem Tag erreichen will. 23 Kilometer hat er bereits hinter sich. Doch er ringt mit sich selbst. Er ist „mit einem Schlag so am Ende“. Die Luft wird dünn. Soll er aufgeben? Weitermachen? Die Höhe verursacht bei ihm Schwindelgefühle. Das kann gefährlich werden. Soll er abbrechen?

Eigentlich hat sich der Kalkofener, der mit seiner Familie im südafrikanischen Stellenbosch lebt, dem Triathlon und Duathlon verschrieben. Doch der Traditions-Trail „Three Peaks Challenge“, zu deutsch „Drei Gipfel Herausforderung“, habe ihn schon länger gereizt. „Normalerweise gibt es eine Warteliste von drei Jahren“, weiß er. Es ist aber kein normales Jahr. Wegen Corona stand der Trail lange auf der Kippe, zahlreiche Läufer verzichteten – und Mannweiler ergatterte einen Platz.

Starter müssen sich ihren Weg selbst suchen

Als er am Renntag um 5 Uhr früh an den Start geht, ist Mannweiler „in richtig guter Laufform“. Dabei hat er sich wenige Wochen zuvor einen Zeh gebrochen. Er hat mit Profis trainiert, ist die Strecke im Vorfeld in Etappen abgelaufen. Die führt von der Kapstadter Altstadt zu den Gipfeln Devil’s Peak, Tafelberg und Löwenkopf. Wer das Rennen zu Ende bringt, wird auf etwa 3000 Höhenmeter kommen. Es geht über geteerte Straßen, durch Parks und Gebirge. Ihren Weg müssen sich die Starter selbst suchen und dabei teilweise klettern.

Wer nicht gut navigiert, läuft schnell mehr als 50 Kilometer. „Vor allem, wenn man sich wie ich nicht so gut in den Hochhausschluchten in Kapstadt auskennt“, weiß Mannweiler. Er hat vorgesorgt und sich eine von einem Freund empfohlene Strecke in seine GPS-Uhr eingespeichert. Schließlich kostet jeder Schritt Kraft. Und die zählt, denn „ich bin in meinem Leben zuvor noch nie 50 Kilometer am Stück gelaufen“, erzählt der 41-Jährige.

Ein Energieriegel als Geschenk zur rechten Zeit

Nun, kurz vor dem Gipfel des Tafelbergs, sieht es fast danach aus, als sollte es dabei bleiben. Die Felsbrockenstufen fordern ihren Tribut. „Der Muskel braucht mehr Sauerstoff, aber es ist weniger da. Das habe ich etwas unterschätzt.“ Dabei habe er bei seinen Trainingsläufen Touristen getroffen, die die alpine Belastung unterschätzt hatten, und ihnen mit Wasser und Nahrung ausgeholfen. Nun ist er selbst entkräftet.

Mannweiler, ein gläubiger Christ, beginnt zu beten – und erhält Hilfe. „Ich glaube, der ist fertig“, stellt ein Mann beim Anblick des Kalkofeners fest und schenkt ihm einen Energieriegel. Kurios: „Es war genau an der Stelle, an der ich zuvor anderen geholfen hatte.“ Mannweiler schöpft neue Kraft – und läuft weiter.

Über Leitern und Ketten kämpft er sich auch den steilen Löwenkopf hinauf. Bergauf ist er schnell unterwegs, doch an den Abstiegen zeigt sich die Klasse der Trail-Läufer. Ein Schritt daneben kann schnell zu einer Verletzung führen, die mentale Belastung ist hoch. „Sobald ich wieder auf geteerten Straßen war, bin ich teilweise mit geschlossenen Augen gerannt, damit sich mein Gehirn erholen kann“, erzählt Mannweiler später.

Jetzt wartet Tour de „France der Mountainbiker“

Derweil ist Ehefrau Kathrin in Sorge. Sie wartet mit den Kindern am Kontrollpunkt auf ihren Mann. Dort will niemand einen Daniel gesehen haben. Dabei ist dieser längst vorbeigekommen. Weil sie ihn nicht kannten, haben die Kontrolleure schlicht den Aufdruck seines Laufshirts notiert: „Jesus 1st“. Zu Platz eins reicht es zwar nicht. Doch nach 6:05:28 Stunden erreicht Mannweiler das Ziel, „unglaublich platt, aber auch unglaublich froh“. Er ist Vierter und bester Debütant. „Die Kontrolleure konnten nicht glauben, dass ich schon durch bin, weil sie mich nicht kannten. Das hat die Trail-Laufszene durchgemischt“, sagt er stolz.

So schnell will er diese Erfahrung aber nicht wiederholen. Schließlich stehen schon die nächsten Termine an. Die Triathlon-Saison beginnt. Und im März geht`s zur Cape Epic, einer Art Tour de France der Mountainbiker. Wieder so eine Herausforderung für echte Kämpfer.

Daniel Mannweiler (im Hintergrund) am Kontrollpunkt am Einstieg zum Tafelberg-Trail.
Daniel Mannweiler (im Hintergrund) am Kontrollpunkt am Einstieg zum Tafelberg-Trail.
„Jesus 1st“ stand auf Mannweilers Trikot. Weil ihn die Kontrolleure am Ziel nicht kannten, notierten sie dies einfach den als Na
»Jesus 1st« stand auf Mannweilers Trikot. Weil ihn die Kontrolleure am Ziel nicht kannten, notierten sie dies einfach den als Namen des Läufers. Ehefrau Kathrin suchte ihn daher zunächst vergebens. Nein, ein Daniel sei noch nicht ins Ziel gekommen ...
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