Donnersbergkreis „Dörfer sind schlecht geredet worden“

Für Unternehmen passgenaue Standorte im Kreis finden und so bei Ansiedlungen mithelfen: Eine der Aufgaben von Reiner Bauer (link
Für Unternehmen passgenaue Standorte im Kreis finden und so bei Ansiedlungen mithelfen: Eine der Aufgaben von Reiner Bauer (links), der neue Wirtschaftsförderer und Standortentwickler des Donnersbergkreises, hier im Gespräch mit RHEINPFALZ-Redakteur Sebastian Stollhof.

«Kirchheimbolanden.» „Fuß fassen, eine Richtung zurechtlegen und erste Verbindungen aufbauen.“ So beschreibt Reiner Bauer seine ersten Tätigkeiten. Natürlich ist dem Ortsbürgermeister von Steinbach die Region nicht fremd. Zuvor war er in der Kreisverwaltung Abteilungsleiter Soziales. „Wir haben hier eine gute Anbindung nach Mainz, Kaiserslautern oder Ludwigshafen“, nennt Bauer Vorzüge des Standortes Donnersbergkreis. Allerdings, das ist dem 47-Jährigen auch nicht entgangen, gibt es regionale Unterschiede. „Überall dort, wo eine Anbindung an die Autobahn vorhanden ist, gab es eine starke Entwicklung.“ So gebe es im Kreis kreative Unternehmen, es gebe innovative Technologie. „Wir haben leistungsfähige Firmen, die weltweit unterwegs sind“, so Bauer. Eine Herausforderung sei es aber auch, strukturell schwächeren Bereiche, gerade im westlichen Kreisteil, so zu entwickeln, dass es dort „gleiche Lebensbedingungen und Chancen gibt“. Eines, betont der Wirtschaftsförderer, haben alle Kreisteile gemeinsam: „Eine traumhafte Landschaft.“ Es müsse auch nicht jede Region ein Industriestandort sein. In einer Strategie müsse man sich vielmehr überlegen, „wie kriege ich Leute in die Region, die hier leben wollen?“ Das sei ein großes Handlungsfeld für die neu geschaffene Stelle in der Kreisverwaltung. Natürlich gehe es auch darum, Wirtschaftskraft in den Kreis zu holen und diesen damit zu stärken. So sei es eben auch Aufgabe des Wirtschaftsförderers und Standortentwicklers, Unternehmen passgenaue Orte im Kreis für eine Ansiedlung zu suchen. „Doch von der Aussaat bis zur Ernte braucht es Zeit“, sagt Bauer. So etwas gehe nicht von heute auf morgen. Und dabei sollten auch nicht Bestandsobjekte aus dem Auge verloren werden, die ungenutzt sind. Also benötige man zunächst auch eine Leerstandsübersicht. All dies funktioniere ohnehin nur mit einem kommunalen Austausch. „So etwas erfordert eine enge Kooperation mit Verbandsgemeinden, Städten und Ortsgemeinden“, betont Bauer. Dass man da Wege der Zusammenarbeit finden werde, davon ist er überzeugt. Überzeugt ist der Wirtschaftsförderer und Standortentwickler auch von den Ortsgemeinden im Kreis. Denn auch deren Entwicklung ist eine der Aufgaben des 47-Jährigen. Teil seines Teams sind übrigens die für Dorferneuerung zuständige Ina Bundenthal und Stefanie Hüls für den Bereich „Leader“, ein europäisches Förderprogramm. „Das große Thema ist natürlich der Breitbandausbau“, weiß Bauer. Stimme die Internetanbindung, sei das auch ein Plus für die Ortsgemeinden. Viele Menschen seien heute auf ein schnelles Netz angewiesen, um von daheim aus arbeiten zu können. Und natürlich spiele auch in Zeiten von Industrie 4.0 für eine Unternehmensansiedlung die Internetgeschwindigkeit eine wichtige Rolle. Das Thema schnelles Internet ist eines, an dem der Kreis bereits dran ist (wir berichteten). Aber auch die Nahversorgung möchte Bauer nicht vergessen. Er könnte sich hier Verbundlösungen unter den Orten vorstellen. „So, dass mehrere Gemeinden zusammen eine Nahversorgung organisieren.“ Mit Blick auf eine älter werdende Bevölkerung seien auch Lieferungen bis zur Haustür interessant. Überhaupt gehe es in zahlreichen Ortsgemeinden auch um die Frage, wie die älteren Bürger bis zu ihrem Lebensende im Dorf bleiben können. Ein Beispiel plant der Ortsbürgermeister von Steinbach gerade in seiner Heimatgemeinde – das Wohn- und Betreuungsprojekt „Haus Donnersberg“. Vorgesehen sind zehn rollstuhlfreundliche Wohneinheiten mit kleiner Küche und eigenem Bad. „Wichtig ist, dass man hier ein selbstständiges Leben mit Unterstützung führen kann“, berichtet Bauer. Im Erdgeschoss sind Gemeinschaftsräume für Betreuungs- und Begegnungsangebote vorgesehen. Im Ort soll eine Genossenschaft gegründet werden, die bei der Finanzierung helfen soll. „Ich denke, das ist ein gutes Pilotprojekt, das auch für andere Ortsgemeinden interessant sein kann“, sagt Bauer, der damit den Seniorenheimen keine Konkurrenz machen möchte. „Unser Ziel muss es sein, vom Speckgürtel der Rhein-Main-Region zu profitieren. Wir können hier mit dörflichem Zusammenhalt punkten“, betont Bauer. Was ihm nicht gefällt, ist der Ruf der Dörfer. „Ich denke, sie sind in Teilen schlecht geredet worden. Da müssen wir am Image arbeiten.“ Hier sei eine gute Zusammenarbeit mit dem Kreis von Bedeutung. Auch setzt Bauer auf den Verein Zukunftsregion Westpfalz – und einen Austausch mit den Wirtschaftsförderern der benachbarten Kreise. Die Außendarstellung des Kreises sei auch einer der Punkte, der möglichst bald angegangen werden soll. Hier sei man bereits dabei, ein Konzept zu entwickeln. Auch stehe der Austausch mit den Verbandsgemeinden in Sachen Flächen- und Objektmanagement ganz oben auf seiner Liste. Für den Posten des Wirtschaftsförderers und Standortentwicklers habe er sich beworben, verrät Reiner Bauer. Warum? Weil ihn die Stelle reize, weil ihm der Kreis am Herzen liege und weil man hier die Möglichkeit habe, vieles zu gestalten. „Das ist eine Herausforderung. Und natürlich gibt es auch einige Erwartungen an dieses Amt“, weiß Bauer. Ein Wirtschaftsförderer und Standortentwickler könne die Region aber nur nach vorne bringen, wenn die Kooperation zur lokalen Ebene passe. „Wir haben eine kommunale Selbstverwaltung. Das ist auch gut so. Wir können und wollen gerne dabei unterstützen.“ Das gelte auch für die Stadt Kirchheimbolanden. Sollte es dort mit einem Citymanager was werden – hier hofft die Stadt auf Fördergelder von Seiten des Landes –, kann sich Bauer sehr gut eine Kooperation mit diesem vorstellen. Nicht vergessen dürfe man auch die vielen Ehrenamtlichen in den Gemeinden. „Diese entwickeln jeden Tag die Region weiter.“ Wo Reiner Bauer den Donnersbergkreis in 20 Jahren sieht? „Ich hoffe als Landkreis, der im Hinblick auf seine Attraktivität und Lebensqualität in der Pfalz ganz oben mitspielen kann.“ Dazu zähle zum einen die Landschaft, aber auch die soziale Struktur in den Dörfern und Städten, wo es ein gutes Angebot an Kindertagesstätten und Schulen, aber auch einen schönen Mix an Unternehmen gebe – von Industrie über Dienstleister bis zu IT. „Es ist eine attraktive Gegend. Wir müssen Leute kriegen, die sich bei uns niederlassen wollen.“

x