Donnersbergkreis
Corona-Krise: Initiativen im Donnersbergkreis organisieren Einkaufshilfe für Senioren
Der „FinGer“ ist gerade mal acht Wochen alt. Am 17. Januar erst aus der Taufe gehoben, sieht sich der neue Bürgerverein in Finkenbach-Gersweiler – der Name vereint die Anfangsbuchstaben der Ortsteile – schon vor einer Bewährungsprobe. Das Motto „Wir für den Ort“ spricht Bände: Gegründet, um das Miteinander zu stärken, sehen sich Mitstreiter des schon rund 60 Mitglieder starken Vereins in der rund 290 Einwohner zählenden Gemeinde gleich schwer gefordert. Kaum hatte Ortsbürgermeisterin Eva Schlemmer ihre Anliegen formuliert, meldeten sich umgehend die ersten sieben Freiwilligen. „Ich bin sicher, es werden noch mehr“, zeigt sich die Ortschefin optimistisch.
Aus dem „FinGer“ rekrutieren sich jene, die mit Blick auf die Notlage jenen Mitbürgern helfen wollen, die es zurzeit mit am schwersten haben. Auch in vielen anderen Dörfern des Donnersbergkreises wachsen Initiativen, älteren beziehungsweise alleinstehenden Menschen Unterstützung zuteil werden zu lassen. Der Blick richtet sich dabei zunächst einmal darauf, Besorgungen zu erledigen. Wichtig für jene, die nicht mehr allzu mobil sind, die aus aktuellem Anlass auf Bürgerbusse verzichten müssen, bei denen es womöglich schon recht bald am Lebensnotwendigen mangelt. Seit dem vergangenen Wochenende wird nun vielerorts Hilfe organisiert. Exemplarisch und ohne Anspruch auf Vollständigkeit hat sich die RHEINPFALZ bei jüngst gegründeten Hilfsinitiativen umgehört.
Wieder wird zusammengerückt
„Noch ist ja jeder ziemlich eingedeckt. Das aber wird sich ändern“: Eva Schlemmer blickt voraus. Und prophezeit, dass es bei einigen Menschen schon knapp werden könnte mit dem Bestand an Lebensmitteln und Medikamenten. Jenen, die sich Dinge des täglichen Bedarfs nicht so einfach selbst besorgen können und die zu den Risikogruppen zählen, sollen Unterstützung erfahren.
Die Bürger der Moscheltal-Gemeinde mussten vor fünfeinhalb Jahren schon mal noch enger als gewohnt eng zusammenrücken: Die Hochwasser-Katastrophe ist noch in bester Erinnerung. Jetzt ist erneut gegenseitige Unterstützung erforderlich. „Wir sind ja recht gut aufgestellt. Wir haben zum Glück die Bäckerei Sattler mit Lebensmittelgeschäft“, betont Schlemmer. Der Einkaufs-Service soll zudem sicherstellen, dass beispielsweise Apotheken angesteuert und Medikamente besorgt werden. Eben alles, was unabdingbar nötig ist.
So wie Eva Schlemmer jetzt ständig in Rufbereitschaft ist, so ist auch Oliver Krupp jederzeit per Telefon erreichbar. Der Ortsbürgermeister organisiert und koordiniert den Hilfe-Service in Imsbach. Beigeordneter Martin Zöller hat den Anstoß geliefert. Kaum war der Aufruf erfolgt, hätten sich acht Leute gemeldet. „Menschen, die Angst haben, sich unsicher und unwohl fühlen“, solle geholfen werden.
„Wir haben am Wochenende darüber gesprochen, was wir tun können. Wir haben jemanden dabei, der in einer Apotheke arbeitet, Leute, die auf dem Heimweg von der Arbeit dies und jenes mitbringen können.“ Wer etwas braucht, muss sich nur melden – die Helfer einigen sich untereinander, wer dann was und wo besorgt. „Wir werden jetzt keine Monatseinkäufe erledigen“, sagt der Ortschef. Aber was ältere und alleinstehende Menschen bräuchten, das müssten sie auch bekommen.
30 Helfer binnen 24 Stunden
Susanne Röß war ein bisschen sprachlos: Als die Ortschefin in Steinbach mobil machte, schwappte eine Welle der Hilfsbereitschaft durchs Dorf. Gut und gerne 30 Leute hätten sich binnen 24 Stunden gemeldet – darunter solche, die bislang im Ort gar nicht in Erscheinung getreten seien. Da sind welche, die arbeiten per Home-Office. „Eine Erzieherin hat gesagt, sie habe ja jetzt Zeit, um anderen zu helfen“, beschreibt Röß die Motive jener, die bereitwillig anderen helfen wollten.
Auch in Steinbach gebe es zum Glück noch Nahversorgung, dank eines Mini-Supermarkts. Man wolle aber auch die Betreiber der örtlichen Pizzeria stärken. Da hätten sich zwei junge Leute aus Reihen des Gemeinderats bereit erklärt, eine Art Heimservice für die notleidende Gastronomie in der Gemeinde zu organisieren. „Es gibt hier also etliche, auf deren Hilfe wir zurückgreifen können“, sagt Röß, die sich nach eigenen Worten schon beim Start ihres Projekts auf die Unterstützung der Beigeordneten Rüdiger Bohlander und Sascha Kasper hat verlassen können.
Nachbarschaftliche Hilfe wird auch in Falkenstein großgeschrieben. „Wir haben viele betagte Mitbürger. Einige trauen sich nicht mehr aus dem Haus“, beschreibt Michaela Demmerle die Lage. Alleinstehenden Mitbürgern, deren Angehörige teils weiter weg leben, solle Unterstützung zuteil werden.
Auch in Falkenstein laufen die Fäden beim Ortsbürgermeister zusammen. Volker Demmerle koordiniert die Aktion, Ehefrau Michaela mischt kräftig mit. Schon am vergangenen Freitag ist das Hilfsprojekt angeschoben worden. Zehn Leute hätten spontan signalisiert, nach Kräften mitzuhelfen. „Es ist sehr schön, wie wir hier im Dorf den Schulterschluss hinkriegen“, sagte Michaela Demmerle gegenüber der RHEINPFALZ.