Donnersbergkreis
Christoph 66 mehr als 800-mal von Imsweiler gestartet
800 Einsätze hat Christoph 66 seit seiner Inbetriebnahme im Dezember vergangenen Jahres in Imsweiler bis Ende Juni geflogen. „Das Maximum waren 14 Einsätze an einem Tag“, berichtet Bernd Wagner, Pilot und Stationsleiter am Standort Imsweiler. Damit sei dann allerdings auch eine Grenze erreicht, denn anders als Rettungshubschrauber, die beispielsweise in Ludwigshafen oder Mainz unmittelbar bei einem Krankenhaus der Maximalversorgung stationiert sind, muss Christoph 66 nach jeder Patientenübergabe wieder den Rückweg zu seinem Standort nehmen, das kostet Zeit.
Den Standort Imsweiler allerdings hält Wagner – ebenso wie zuvor Eßweiler – für ideal. „Besonders in ländlichen Gebieten hat die Luftrettung ihre Stärken. Wir können hier in kurzer Zeit ein großes Gebiet abdecken“, so Wagner. „Wir stehen also genau da, wo wir gebraucht werden.“
Bevölkerung toleriert den Hubschrauber
Keine Beschwerden, allenfalls leise Kritik, ist derweil aus den angrenzenden Ortschaften zu hören, die der Rettungshubschrauber bei seinen Starts und Landungen überfliegen muss. „Hin und wieder kam schon mal die Frage auf, ob bei der Landung so dicht über unserer Ortschaft geflogen werden muss“, so der Gunderweilerer Ortschef Helmut Klein. „Vielleicht kann da eine Schleife geflogen werden“, fragt er. Von Widerstand oder gar echter Ablehnung bei der Bevölkerung in Gundersweiler könne aber nicht die Rede sein. Auch der Dörnbacher Ortsvorsteher Georg Nickel nimmt in der Bevölkerung Zustimmung wahr. „Die Leute wissen einfach, jeder könnte den Hubschrauber irgendwann mal selbst brauchen“, sagt er.
Auch an den Imsweilerer Ortschef Hans-Peter Ziepser wird keine Kritik herangetragen, obwohl die Starts und Landungen gerade in den frühen Morgenstunden oder am Abend, wenn andere Geräusche wegfallen, durchaus gut zu hören seien. Er habe, so Ziepser, mit den Verantwortlichen Kontakt aufgenommen mit der Anregung, probeweise den Flugbetrieb bis 23 Uhr in der Nacht auszuweiten. „Ich denke, wenn es irgendwann um die Frage der dauerhaften Stationierung geht, dann muss man auch darüber sprechen, was bei Nachtflügen auf die Menschen zukommen würde“, so Ziepser. Er selbst sei der Meinung, dass in Rheinland-Pfalz ein dringender Bedarf an nächtlichen Rettungsflügen bestehe. Die technischen Voraussetzungen dafür seien mittlerweile erfüllt, so der Ortschef, der auch als ausgebildeter Notfallsanitäter auf den Sachverhalt blickt. Noch habe er aber, was den nächtlichen Probebetrieb anbelangt, keine Antwort erhalten.
Geflogen wird derzeit in der Westpfalz auftragsmäßig von Sonnenaufgang – ab frühestens 7 Uhr – bis Sonnenuntergang. Nachts dürfen Rettungshubschrauber in Rheinland-Pfalz nur in dieser Zeit fliegen, lediglich der Mainzer Hubschrauber hat eine Sondergenehmigung bis 22 Uhr.
Herzinfarkte als häufiger Einsatzgrund
Die Zeit spiele bei ihren Einsätzen nahezu immer eine entscheidende Rolle, so Wagner zum Alltag der Rettungscrew. Allerdings seien viele weit weniger spektakulär als man das beispielsweise aus Serien im Vorabendprogramm kenne. „Der größte Teil unserer Einsätze betrifft Herzinfarkte oder Herzrhythmusstörungen“, so Wagner. Mit 39 Prozent sind sie Einsatzgrund Nummer eins. Dahinter folgen mit 27 Prozent Verletzungen nach Unfällen. „Besonders belastend sind dabei immer die Unfälle, bei denen Kinder oder gar Babys betroffen sind“, sagt Wagner. In 15 Prozent der Fälle diagnostizierten die Lebensretter neurologische Notfälle wie Schlaganfälle. Bei acht Prozent war eine akute Atemnot oder Asthma die Ursache für den Einsatz. Immer haben die Retter der Luft und am Boden dabei auch die Angehörigen im Blick. „Wenn der Vater plötzlich Herzinfarktsymptome zeigt, dann sind natürlich die Ehefrau und die Kinder in Panik“, weiß Wagner. Gemeinsam mit den Kollegen des Rettungsdienstes schaue man dann, dass auch sie wenn nötig medizinisch oder psychologisch weiterbetreut werden.
Mit der Bodenrettung des Kreises arbeite die Crew gut und eng zusammen, so Wagner. „Das funktioniert nach dem Rendezvouz-System“, erklärt er. Man treffe sich am Landeplatz, und die Bodenretter nehmen das Medizinerteam dann zu dem Unfallort beziehungsweise dem Patienten mit, während er selbst beim Hubschrauber bleibe. „Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Maschine einsatzbereit ist, wenn der Patient kommt“, sagt Wagner. Manchmal komme es auch vor, dass der Hubschrauber ohne Patienten den Rückweg antrete, wenn der durch die Bodenretter transportiert wird, oder wenn sich die Alarmierung als Fehlalarm herausstelle. Ganz ausschließen könne man das nicht, denn „die Leitstelle weiß ja immer nur das, was der Melder sagt, und da es sich oft um medizinische Laien in einer Stresssituation handelt, kann das auch mal eine Fehleinschätzung sein“, so Wagner.
Die Anzahl der Alarmierungen – rund vier pro Tag – ist vergleichbar mit der am Vorgängerstandort in Eßweiler im Landkreis Kusel. Die Mehrzahl der Einsätze in der Westpfalz flog der Intensivtransport- und Rettungshubschrauber (ITH) nach ADAC-Angaben im Rettungsdienstbereich Kaiserslautern – und dort vor allem im Donnersbergkreis (rund 18 Prozent), im Landkreis Kusel (rund 18 Prozent) sowie in der Stadt und dem Landkreis Kaiserslautern (rund 14 Prozent) Auf den Landkreis Bad Kreuznach entfielen 18 Prozent. Der Anteil der intensivmedizinischen Verlegungen von Klinik zu Klinik lag bei knapp zehn Prozent. Fast alle Einsätze flog Christoph 66 in Rheinland-Pfalz, meistens im Umkreis von bis zu 50 Kilometern.
Info
Der Rettungshubschrauber Christoph 66 war bis Ende vergangenen Jahres in Eßweiler im Kreis Kusel stationiert und nahm ab 1. Januar offiziell seinen Dienst ab Imsweiler auf. Der Standort war vom ADAC favorisiert worden, nachdem Essweiler aus natur- und artenschutzrechtlichen Gründen von der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd als Standort für den verlängerten Interimsbetrieb abgelehnt worden war. Seit September 2019 hatte Hubschrauber „Christoph 66“ laut ADAC von dort aus mehr als 1900 Einsätze geflogen. Vorläufig ist die Stationierung in Imsweiler bis Mitte 2022 möglich. Für die dauerhafte Stationierung der Luftrettung in der Westpfalz soll es ein gesondertes Vergabeverfahren geben. Die ADAC Rettungshubschrauber gehören zum deutschen Rettungsdienstsystem und werden immer über die Notrufnummer 112 bei der Leitstelle angefordert.