Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Christine Flecks Müsli Diospi Granola bringt Spenden in Höhe von 100.000 Euro

Unterstützung von Donnersbäcker-Chef Klaus Brand: Christine Fleck in der Backstube. Auf den aktuellen Müsli-Verpackungen wirbt s
Unterstützung von Donnersbäcker-Chef Klaus Brand: Christine Fleck in der Backstube. Auf den aktuellen Müsli-Verpackungen wirbt sie für den neuen Instagram-Account diospigranola.

Was hat ein Krankenhaus mitten im peruanischen Nirgendwo mit einer 10.500 Kilometer entfernten Backstube in Kirchheimbolanden zu tun? Nun, die Verbindung ist Christine Flecks selbst hergestelltes Müsli. Das hat schon vielen Lateinamerikanern das Leben gerettet.

Das Krankenhaus Diospi Suyana („Wir vertrauen auf Gott“) liegt auf mehr als 2600 Metern Höhe, in den Anden, in Curahuasi, nur gut zwei Fahrstunden vom Weltkulturerbe Machu Picchu entfernt. Dort leben die Quechuas, die Nachfahren der Inka – überwiegend in bitterer Armut und vor allem auch medizinischer Not. Auf 10.000 Menschen kommen in der Region nur vier Ärzte.

Die Hospital-Geschichte

Das deutsche Ärztepaar Klaus-Dieter und Martina John fasste während seiner Zeit als Missionsärzte in Südamerika den Entschluss zu helfen. Was im Jahr 2007 mit „einem Bauschild mitten im Nirgendwo“ begann, wie Klaus-Dieter John es ausdrückt, ist heute ein Hospital mit mehreren Fachabteilungen, in dem weit mehr als 400.000-mal Patienten behandelt wurden und das mit 270 Mitarbeitern zu den größten Arbeitgebern des Bundesstaats gehört.

Die Patienten zahlen nur einen geringen Obolus, um von einem Arzt gesehen zu werden. Zu mehr als 70 Prozent finanziert sich das Krankenhaus aus Spenden, wie John erläutert. Mehr als 36 Millionen Euro sind bislang zusammengekommen, etwa drei Viertel davon von Privatleuten. Erstaunliche 100.000 Euro alleine aus Kirchheimbolanden.

Die Müsli-Geschichte

Seit 40 Jahren stellt Christine Fleck ihr eigenes Müsli her. Eines der ganz gesunden Art: Hafer, Dinkel, Sesam, Mandeln und Honig sind einige der Zutaten. „Ich habe das vor allem für die Familie gemacht, Päckchen verschenkt, und das kam immer gut an“, sagt Fleck. Nachdem sie und ihr Ehemann Horst, bis 2019 Chef der Unfallchirurgie und Orthopädie am Westpfalz-Klinikum in Kirchheimbolanden, im Jahr 2005 von dem Projekt gehört hatten, ließ sie der Wunsch nicht mehr los, das Diospi Suyana zu unterstützen. In der Anfangszeit des Klinikums waren die Flecks sogar für zwei Monate in Curahuasi, um tatkräftig mit anzupacken. Die fehlenden Spanischkenntnisse erwiesen sich als Hindernis – sonst wäre Horst Fleck wohl von der Orthopädie und Unfallchirurgie aus Kirchheimbolanden nach Peru gewechselt.

Wieder zu Hause in der Pfalz schnappte sich Christine Fleck die größte Pfanne, die ihre Küche hergab. Und begann, ihr Müsli in deutlich größeren Mengen herzustellen, als sie es sich bis dato hätte vorstellen können. Diospi Granola hieß es fortan. Aus heutiger Sicht waren es aber zunächst gar nicht so viele Päckchen, die sie an Freunde und Bekannte abgab, um im Gegenzug Spenden für das peruanische Krankenhaus zu erhalten.

Die Erfolgsgeschichte

Doch dann ging es steil bergauf. Die Nachfrage nach der selbstgemachten Frühstückszutat stieg. „Das ging in unserer Küche schnell nicht mehr“, erinnert sich Christine Fleck. Da kam das Angebot des damaligen Donnersbäcker-Chefs Willi Brand gerade recht: Natürlich wollte Christine Fleck gerne die Backstube in der Marnheimer Straße nutzen.

Dort geht sie mittlerweile wie eine Bäckerei-Mitarbeiterin ein und aus. „Es würde ja schon etwas fehlen, wenn sie nicht da wäre“, sagt Geschäftsführer Klaus Brand. Sie ist aber da. Ein- bis zweimal pro Woche. Denn auch nach zwölf Jahren ist Fleck der Müsli-Produktion längst nicht überdrüssig. „Ich könnte vermutlich noch mehr machen“, sagt sie. „Es ist ja nicht so, dass ich den ganzen Tag in der Backstube stehe.“

Die 100.000-Euro-Geschichte

Aber immerhin: Etwa 250 Päckchen pro Monat kommen am Ende raus – für einen Ein-Frau-Betrieb in Teilzeit eine ganze Menge. Im Laufe der Jahre hat Christine Fleck mehr als 20.000 Päckchen verkauft, die 100.000-Euro-Marke ist überschritten. Anlässlich dieses Jubiläums ließ es sich Diospi-Suyana-Direktor Klaus-Dieter John nicht nehmen, sich in Kibo ein Bild von der Müsli-Backstube zu machen. Die erzielten 100.000 Euro sind übrigens komplett an sein Krankenhaus gegangen: Den Wareneinsatz – etwa zwei Euro pro Tüte – steuern die Flecks bei.

„Ich habe keine Angst, dass mich das überrollt“, nimmt Christine Fleck die steigenden Absatzzahlen gelassen zur Kenntnis. Sie vertreibt Diospi Granola über ihre Internetseite, aber auch im Geschäft: in der Brand-Filiale in der Edenbornerstraße in Kibo sowie in der Bäckerei Schmidt in Dreisen. Und: Ein Café in Ladenburg (Rhein-Neckar-Kreis) habe ihr Müsli ins Frühstücksangebot integriert. Das freut Christine Fleck – obwohl es für sie und ihren Mann ein Drauflegegeschäft ist. Doch es leistet einen immens wichtigen Beitrag dazu, dass schwerkranke Quechuas im peruanischen Nirgendwo, 10.500 Kilometer entfernt, auf einer Höhe von 2600 Metern, eine echte Chance bekommen.

Das Krankenhaus Diospi Suyana in den Anden.
Das Krankenhaus Diospi Suyana in den Anden.
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