Rheinpfalz
Kirchheimbolanden: Chefarzt Horst Fleck verabschiedet sich aus Westpfalz-Klinikum
Eigentlich wollte er nie Chefarzt werden. Und doch hat Horst Fleck in dieser Position die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Westpfalz-Klinikum mit seinem Team weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt gemacht. Nun verabschiedet er sich in den Ruhestand. Sein Nachfolger hat die Abteilung bereits schätzen gelernt.
Womöglich ist genau dies ein großer Vorteil für Horst Fleck und Kirchheimbolanden. „Ich wollte nie Chefarzt werden“, sagt er. Doch nach Gesprächen mit seinem alten Chef fiel die Entscheidung bewusst auf eine kleine Abteilung. Auf eine, die vor knapp 18 Jahren so ihre Probleme hatte, wie Fleck erzählt. „Am Anfang hatten wir keine Patienten, das Krankenhaus in Kirchheimbolanden hatte einen schlechten Ruf – abgesehen von der Gynäkologie“, sagt der 60-Jährige. 700 Operationen gab es in Flecks erstem Jahr in der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie. 2018 waren es rund 2500.
„Arbeit im Team wird mir fehlen“
700 davon, so schätzt Fleck, habe er selbst vorgenommen. Gemeinsam mit seinem Kollegen Michael Schmid, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, hat es ihm Spaß gemacht, etwas aufzubauen. Und seine Abteilung ist mittlerweile so gewachsen, dass der Chefarzt nicht jeden Patienten selbst behandeln kann. Wobei ihm der Kontakt zu diesen gerade in einer ländlichen Region wichtig ist. „Sie können nicht zum Einkaufen, ohne von einem Patienten angesprochen zu werden“, sagt Fleck. Auch der Kontakt zu den niedergelassenen Ärzten sei ihm von Beginn an wichtig gewesen.
Ein Schwerpunkt der Abteilung ist der künstliche Gelenkersatz, die sogenannte Endoprothetik des Hüft-, Knie- und Schultergelenkes. Spezialisiert hat sich die Abteilung dabei auf die Schulterchirurgie. Patienten kommen über die Grenzen von Rheinland-Pfalz hinaus in die Kleine Residenz.
Zuvor war Fleck in kleineren Krankehäusern tätig, viele Jahre als Oberarzt. „Die Arbeit im Team, mit den Mitarbeitern wird mir am meisten fehlen“, sagt er. Um einen Übergang mit seinem Nachfolger zu gewährleisten, hat der 60-Jährige vier Wochen drangehängt. Dafür ist ihm Manuel Matzath, Regionaldirektor der Krankenhäuser im Donnersbergkreis, dankbar. Natürlich auch für die 18 Jahre in Kirchheimbolanden. „Er hatte hier viele erfolgreiche Jahre. Es fällt mir schwer, ihn gehen zu lassen.“ Fleck sei stets ein sehr fairer, „extrem kollegialer“ Chefarzt gewesen. „Trotz aller Umstände, gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel, hat er es jedes Jahr geschafft, die Leistung zu steigern.“
Enkelkinder werden “dfg
Und was kommt nun für den 60-Jährigen? „Ich weiß noch nicht genau, was so passiert. Es gibt zahlreiche Anfragen, wo ich mitarbeiten könnte“, sagt Fleck, der zuletzt auch stellvertretender ärztlicher Direktor der beiden Klinikstandorte im Donnersbergkreis war. Ein wirklicher Ruhestand wird es also nicht werden. Dafür sorgen sicherlich auch die sieben Enkel. Und da seine Töchter in Wien, Stuttgart, Ulm und Ladenburg leben, wird er viel unterwegs sein. „Meine Frau ist jetzt schon als Oma gefordert“, erzählt Fleck schmunzelnd. In Kirchheimbolanden möchten seine Frau und er aber wohnen bleiben.
Auch sein Nachfolger Frank Müller-Bongartz war schon mehrfach in der Kleinen Residenz. „Ich bin von Kollegen auf die Stelle hingewiesen worden“, sagt der 52-Jährige. Der Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie verfügt über die Zusatzbezeichnung „Spezielle Unfallchirurgie“, die die Behandlung Schwerverletzter umfasst. Er ist seit 2011 Leitender Oberarzt im Katholischen Klinikum Mainz. Nach Studium und Promotion im italienischen Pavia bei Mailand arbeitete er bis 2006 als Assistenzarzt am St.-Vincenz-und-Elisabeth-Hospital Mainz sowie der Universitätsklinik. Das Studium bei Mailand deswegen, weil seine Eltern berufsbedingt viel im Ausland waren. So lebte Müller-Bongartz unter anderem in Spanien, Portugal oder dem Iran.
Medizin entwickelt sich
Der Liebe wegen zog es ihn nach Mainz. Dort ist er noch Koordinator des Traumazentrums des Klinikums. Am 31. Juli wird sein letzter Arbeitstag in der Landeshauptstadt sein. „Am Ende ging alles ziemlich flott“, sagt der in Mainz-Weisenau lebende Vater eines elfjährigen Sohnes und einer 19-jährigen Tochter.
Wie Fleck hat Müller-Bongartz erlebt, dass sich die Medizin ständig weiterentwickelt. Eine Herausforderung für den sportaffinen 52-Jährigen und dessen Kollegen. Gerade auch, was das Thema Prothesen betrifft. So setzt er viel auf Kurzschaftprothesen. „Generell muss ich aber schauen, was ich für einen Patient habe und was das Beste für ihn ist.“ Wichtig ist ihm, dass die Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen, dass das Klima gut ist.
Was die letzte geplante Operation von Horst Fleck sein wird, das weiß er übrigens noch nicht. „Ich operiere gerne. Es gibt fast nichts, was ich nicht gerne mache“, sagt er. Auf seine letzten Wochen am Westpfalz-Klinikum freut sich der 60-Jährige. Die Zeit dort war eine besondere für ihn – auch wenn er eigentlich nie Chefarzt werden wollte. Von hier weg, Verantwortung in einem größeren Krankenhaus übernehmen, war für ihn kein Thema. Und das wiederum ein Gewinn für das Westpfalz-Klinikum und die Region.