Donnersbergkreis „Cholesterinchen bleiben schön draußen“

Das Süppchen soll Miss Sophie samt ihrer imaginären Gäste zu ihrem 90. Geburtstag hervorragend gemundet haben. So zumindest suggerierte es der Silvester-Klassiker „Diner for one“ vor wenigen Tagen wieder via Mattscheibe. An jene „Mulligatawny-Suppe“ – die das Menü des witzigen Fernseh-Kammerspiels um betagtes Geburtstagskind und betrunkenen Butler einleitet – haben sich am Freitagabend auch die neun Hobby-Köche in Winnweiler gewagt. Hähnchenbrust krönt das Süppchen, dem Chili, Ingwer, Kümmel Pfiff verleihen. Oha. Im katholischen Gemeindehaus in Winnweiler duftet es stets am ersten Freitag jeden Monats höchst verführerisch. Herdplatten, Backofen, Anrichte gehören dann allein einer illustren Truppe aus einheimischen Hobby-Küchen-Chefs. „Halt, ich komme von weiter her – aus Imsbach“, präzisiert Hans Busch lachend. Und Siggi Fürst reist aus Alsenbrück an – je drei Kilometer. Alle anderen haben wenige Meter bis heim – was praktisch ist. Ein Spaziergang nach opulentem Mahl ist ja nicht das Schlechteste. Bis die Herren den Heimweg antreten, ist es in aller Regel schon fast Mitternacht. Man(n) lässt sich Zeit beim Zaubern der Gaumenfreuden. Entree, Hauptgang und Dessert sind Pflicht, obligatorisch ist ein Gaumenkitzler vorneweg: „Da muss gleich was Gutes auf dem Tisch stehen, wenn wir uns treffen“, erklärt Oliver Hellriegel. Er hat am Freitagabend die Zubereitung des Amuse-Gueule übernommen und mit „Olivers Neujahrs-Dip“ für die Begrüßungs-Grundlage gesorgt. Das Vorgehen ist schon Ritual: Jeweils drei der neun Kochclub-Mitstreiter sind auserkoren, ein Menü zu kreieren. Wer wann dran kommt, bestimmt das Los. So wird im Voraus schon ein Jahresplan erstellt. Jeder weiß, wann er wieder dran ist und mit wem. Nur: Was es gibt, das ist Sache des jeweiligen Trios, das vorab beratschlagt, woran man sich probieren könnte. Die Drei legen die Menüfolge fest, recherchieren die Rezepte, gehen einkaufen, müssen alle Zutaten besorgen. Die anderen erfahren erst zu Beginn des Club-Abends, was gekocht wird. Menüplan und Rezepte liegen dann ausgedruckt vor. Beim Zaubern des Menüs gefordert sind sie jedoch alle: Wieder legt das Los fest, wer Finger und Löffel in der Vorspeise hat, wer das Hauptgericht bereitet und wer sich Schneebesen schwingend am Dessert versucht. Alle Neune also werkeln jeweils – meist reihum in Dreiergruppen – in der Küche. Dort gibt’s dann auch mal Stau, weil eben der Hauptgang meist längeres Bemühen, mehr Aufmerksamkeit über größere Zeitspannen hinweg verlangt. „Kochen bis der Arzt kommt ... – das kann man bei uns aber nicht behaupten. Der Arzt ist ja immer schon gleich hier, wenn wir anfangen“, witzelt Rolf Wagner. In der Tat: Rainer Kuhn hat im Kochclub eine Schlüsselrolle inne. Nicht, dass sein berufliches Können gefragt wäre. Vielmehr gäbe es den Club wohl gar nicht ohne den promovierten Allgemein-Mediziner, der vor zwei Jahrzehnten schon die Triebfeder war. „Meine Frau hat damals mit der Volkshochschule einen Männer-Kochkurs ins Leben gerufen“, blickt Kuhn zurück. Der Kursus fand in der Jugendherberge in Steinbach statt, geleitet vom dortigen Koch. Weitere vier, fast fünf Jahre lang trafen sich einige Getreue regelmäßig, um unter fachkundiger Anleitung Schmackhaftes auf die Tafel zu bringen. Bis besagter Koch die Herberge verließ. Mit dabei waren von Anfang an auch Rolf Wagner und Gerhard Knopf. Das Trio suchte – und fand – dann eine Lösung, wie es gemeinsam weiter dem 1994 neu entdeckten Hobby frönen könnte. Schon war der Kochclub Winnweiler in seiner heutigen Form aus der Taufe gehoben. Gleichgesinnte stießen hinzu. In ihrer heutigen Besetzung ist die Runde seit drei Jahren beisammen. Oliver Hellriegel ist der „Benjamin“, dem als bislang Letztem Zugang zu Herd und Spüle gewährt worden ist. „Bei uns kann auch nicht jeder mitmachen. Es muss schon passen, auch und vor allem menschlich“, sind sich die Kochfreunde einig. Bei diesen neun passt alles. Perfekt. Oder zumindest fast. „Zweimal ging’s ja böse in die Hose“, räumt Kuhn belustigt ein. Au weia. Die polnische Biersoße beispielsweise, die sei eher für den Gully denn für verwöhnte Gaumen geraten. Und: „Einmal war alles eingefroren. Da gab’s dann Pizza“, verrät Kuhn eine weitere Panne. Der Winnweilerer Arzt personifiziert so ein bisschen auch das gute Figur- und Gesundheits-Gewissen des Koch-Trupps: „Wir kochen hier so gesund, gesünder geht’s gar nicht“, sagt er: „Kalorien und Cholesterinchen haben gar keine Chance, die lassen wir immer draußen“. Als Zutat allerdings schlichtweg unverzichtbar ist – wie am Freitagabend nicht nur diese Feststellung bewies – Humor. Den bringen allerdings allesamt von Zuhause aus schon mit. Der wird nicht eigens für die monatlichen Kochabende eingekauft. Ist auch schwer zu finden. Übrigens ist von den neun Winnweilerer Köchen kein einziger beruflich-gastronomisch vorbelastet. Und doch gibt’s einen echten Experten in seinen Reihen: Wolfgang Mayer hat sich jüngst zu den Sphären eines echten Sommeliers aufgeschwungen. Mayer ist nun ein geprüfter, amtlich von der Kammer zertifizierter Wein-Fachmann. Versteht sich von selbst, dass Mayer für die edlen Tropfen sorgt, die die Menüs bereichern. Noch etwas: Abgehoben sind die Hobby-Köche keineswegs. Sie wissen um ihre Grenzen. „Die Menüs sind schon vom Feinsten. Aber wir kochen hier eher streng nach Rezept, machen keine Experimente“, betont Günter Huschitt. Die Anleitungen aber stammen von Köchen mit wohlklingenden Namen – Lafer, Mälzer, Klink zum Beispiel. Am Freitagabend gab’s übrigens Tafelspitz. Prima gelungen. Trotz der manchmal schwierigen Umstände: Die Küchenausstattung im Gemeindehaus ist halt nicht die, die Lafer, Mälzer, Klink vorfinden. „Wir müssen hier schon mal mit den Herdplatten kämpfen. Deren Temperaturspanne reicht nämlich von praktisch kalt bis kurz vor der Kernschmelze...“