FALKENSTEIN RHEINPFALZ Plus Artikel Burgruine: Ein Schmuckstück – und ein finanzieller Klotz am Bein

An der Brücke sind die Schäden am Holz unübersehbar.
An der Brücke sind die Schäden am Holz unübersehbar.

Die Ortsgemeinde Falkenstein hat ein Pfund, mit dem sie wuchern kann, das aber auch ein Klotz am Bein ist, weil es jede Menge Geld kostet. Geld, das Falkenstein selbst nicht hat und auch nicht aufbringen kann. Gemeint ist die Burgruine, auf der es so einige kleine Baustellen gibt.

Beliebt ist die Burgruine wegen ihrer besonderer Aura, ihrer Lage im Donnersbergrandgebiet und dem weiten Ausblick in die Täler. Viele Besucher ziehen die Veranstaltungen in dem vor rund 30 Jahren geschaffenen Amphitheater an, wo Konzerte, Mittelaltermärkte und Sonderausstellungen stattfinden. Doch die Einnahmen daraus sind derart gering, dass damit die laufenden Kosten nicht gedeckt werden können. Schon gar nicht notwendige Investitionen und Unterhaltungsmaßnahmen.

Größere Maßnahmen stehen schon bald an, wie Ortsbürgermeister Volker Demmerle berichtet. „Die Brücke als Zugang zur Burgruine hat einige Mängel“, sagt der Ortschef und zeigt auf diverse Schadstellen. „Das Bauwerk ist zwar noch nicht einsturzgefährdet, aber in den nächsten Jahren sind erhebliche Ausbesserungen notwendig.“ Verschiedene Balken sind bereits angefault, an den Verzapfungen aus Metall kommen die haltenden Stifte zum Vorschein.

„In Eigenleistung haben wir vor Jahren das Holz der Brücke gestrichen, aber nun muss das erneuert werden“, resümiert Demmerle weiter. „Wenn wir diese Arbeit wieder in Eigenleistung verrichten wollen, haben wir mindestens ein halbes Jahr daran zu tun“, fügt er an. Aber: „Die Bereitschaft zu ehrenamtlichen Tätigkeiten und zu Gemeinschaftsarbeiten lässt überall nach, so auch in Falkenstein“, berichtet der Ortsbürgermeister. Daher muss ein Handwerker beauftragt werden, was viel Geld kosten wird.

Holzbrücke muss saniert werden

Die Brücke wurde vor rund 30 Jahren geschaffen, als das Theaterrund entstand. „Damals hat man es versäumt, die Brücke aus Holz mit einer Überdachung zu versehen. Damit ist sie ganzjährig der wechselnden Witterung ausgesetzt, von Schnee, Eis, Regen bis hin zur prallen Sonne“, so Demmerle. Um dieses Bauwerk wieder auf den neusten Stand zu bringen, wird viel Geld notwendig sein. Demmerle schätzt so um die 80.000 Euro. Denn mit einem neuen Anstrich sei es nicht getan. Die schadhaften Balken sind auszutauschen, und Holz kostet nun mal richtig Geld. Hinzu kommen die Arbeitslöhne. Dann entstehen Kosten für die Hilfsmittel wie etwa für den Gerüstbau. Denn die Arbeiten sind in luftiger Höhe zu vollbringen, Brückenteile müssen gestützt werden.

Die Holzbrücke ist nicht der einzige Punkt auf einer größeren Liste der Schäden. Die Sitzränge des Amphitheaters müssen jedes Jahr nachgebessert werden. Immer wieder müssen Steine neu befestigt werden, die durch Witterungseinflüsse beschädigt oder losgetreten sind. Anschließend sind sie zu versiegeln, damit keine Feuchtigkeit in die Sitzflächen eindringt und weitere Risse verursacht. „Hier ist eine Sanierung dringend notwendig, die Arbeiten müssen einmal großflächig richtig ausgeführt werden“, sagt der Ortsbürgermeister. Die Kosten dafür schätzt er auf rund 20.000 Euro.

Bewuchs beschädigt Felsen und Mauern

Es geht auch um das Entfernen des Bewuchses auf den Felsen. „Wurzeln dringen ins Mauerwerk und beschädigen es so stark, dass dann Teile von der Burgruine herabstürzen. Denn zunächst bilden sich durch den Druck Risse, in die dann Wasser eindringt. Bei Frost drückt das Eis die Steine auseinander“, erklärt das Gemeindeoberhaupt. Hier habe man auch die Pflicht, die unterliegenden Grundstücke vor einem Steinschlag zu schützen. Diese Kosten lassen sich nicht abschätzen. „Da müssen Fachleute ran, die sich in Gruppen abseilen und den Bewuchs entfernen.“

Mit Blick auf den Haushalt sagt der Ortschef: „Die Kosten sind in einer Dimension, die wir nicht tragen können. Wir kommen ja jetzt schon nicht mehr mit den wenigen Einnahmen hin, und unser Eigenkapital ist fast aufgebraucht.“ Er habe auch schon Kontakt mit Speyer aufgenommen, doch da bekam er das Gefühl, als fühle sich für eine Unterstützung bei der Sanierung der Burgruine niemand zuständig.

Als Gemeinschaftsaufgabe ansehen

Die Generaldirektion Kulturelles Erbe mit Sitz in Koblenz verweist auf eine Verwaltungsvorschrift aus dem Jahre 2015, wonach es eines Förderantrags bedarf, dem umfangreiche Unterlagen beizufügen sind. In den Förderrichtlinien wird auch deutlich, dass die Kommune alle Einnahmequellen ausschöpfen muss. „Deswegen können wir nicht schon wieder die Grundsteuer in Falkenstein erhöhen“, entgegnet das Gemeindeoberhaupt. Sind die Voraussetzungen erfüllt, beläuft sich in diesem Fall der Höchstfördersatz auf 33,33 Prozent. „Wie soll der Rest finanziert werden?“

„Die Verbandsgemeinde Winnweiler hat sich in der Vergangenheit, wenn es in den Ortsgemeinden Investitionen in regional bedeutsame touristische Infrastruktur gegeben hat, beteiligt“, sagt VG-Bürgermeister Rudolf Jacob (CDU). Dazu müssen konkrete Daten und Zahlen auf dem Tisch liegen. Letztlich entscheide der VG-Rat, ob und in welcher Höhe eine Förderung gewährt wird.

„Bedeutung bewusst“

„Im Regen stehen lassen wollen wir die Ortsgemeinde Falkenstein natürlich nicht“, sagt Landrat Reiner Guth auf RHEINPFALZ-Anfrage. „Auch uns ist die historische, kulturelle und die dadurch touristische Bedeutung bewusst“, so der Landrat weiter. „Innerhalb der gegenwärtig laufenden Neuausrichtung des Donnersberg-Touristik-Verbandes (DTV) soll versucht werden, große historische, kulturelle und touristische Projekte, deren Unterhaltung die Leistungsfähigkeit eines Trägers überfordert, als Gemeinschaftsaufgabe der Gebietskörperschaften im Kreis anzunehmen.“

Die Unterhaltungslasten könnten dann auf mehrere Schultern verteilt und Landes- und Bundeszuschüsse mit stärkerem Mandat eingefordert werden, erläutert der Kreischef. Grundsätzlich bleibe eine solche Sanierungsmaßnahme aber eine freiwillige Leistung der beteiligten Verwaltungen und entsprechend schwer finanzierbar. „Ohne Zuschüsse von Land oder Bund oder sonstigen Förderern wird es uns nicht möglich werden, hier zu unterstützen“, sagt Guth .

Das Theaterrund mit Blick auf die Ruine und die Brücke.
Das Theaterrund mit Blick auf die Ruine und die Brücke.
Regelmäßig lösen sich Steine von den Sitzflächen.
Regelmäßig lösen sich Steine von den Sitzflächen.
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