Brunnengeschichte(n) RHEINPFALZ Plus Artikel Burg Falkenstein: Immer genügend Wasser für die Grafen

Das Foto zeigt die mit einem Stahlgitterrost abgedeckte Zisterne der Ruine Falkenstein, im Hintergrund (etwas rechts der Mitte)
Das Foto zeigt die mit einem Stahlgitterrost abgedeckte Zisterne der Ruine Falkenstein, im Hintergrund (etwas rechts der Mitte) der senkrecht in den Felsen geschlagene Schacht.

Auf der Falkensteiner Burgruine gibt es zwar keinen Brunnen, eine Zisterne hat sich aber bis in die heutige Zeit erhalten.

Westlich von Falkenstein am Donnersberg erhebt sich auf einem steilen Rhyolithfelsen die Ruine der 1135 erstmals schriftlich erwähnten gleichnamigen Burg. Sie war Stammsitz von Philipp IV. aus dem Adelsgeschlecht derer von Bolanden, der sich ab 1233 Philipp I. von Falkenstein nannte und damit diese Bolander Nebenlinie begründete.

1647 wurden Teile der Burg von den Franzosen gesprengt, noch vor 1654 aber wieder instandgesetzt. Ein Kupferstich von Caspar Merian aus diesem Jahr zeigt die Anlage in einem recht guten baulichen Zustand. Über Umstände und Zeit der endgültigen Zerstörung gehen die Meinungen auseinander; nach einer gusseisernen Tafel der Gienanth-Werke Hochstein sollen die Franzosen (während der sogenannten Koalitionskriege) im Jahr 1794 dafür verantwortlich sein. Von 1979 bis 1986 wurden auf der Burg umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt. Seit 1994 befindet sich im ehemaligen Halsgraben ein kleines Amphitheater, in dem ein Sommer-Programm mit Laiendarstellern angeboten wird.

Ohne Wasser nützt alle Wehrhaftigkeit nichts

Von der einstigen Wehrhaftigkeit dieser Burganlage zeugen heute noch Reste des Ritterhauses (Palas), der Schildmauer, des Bergfrieds und Teile der Ringmauer, ein Rundtürmchen und eine Geschützbastion. Doch einer Burg nützen die stärksten Befestigungsanlagen nichts, wenn sie über keine ausreichende Wasserversorgung verfügt.

Auf Burg Falkenstein sorgte dafür eine Zisterne mit einem senkrechten Zulaufschacht, die beide unterhalb des früheren Bergfrieds in den Felsen geschlagen wurden. Ein Brunnen wurde innerhalb der Verteidigungsanlagen bislang nicht gefunden.

Laut Jürgen Keddigkeit, Mitverfasser des Pfälzischen Burgenlexikons, verfügten die meisten mittelalterlichen Burgen über Zisternen. Diese wurden hauptsächlich mit dem von den Dächern ablaufenden Regenwasser gefüllt. Soweit eine Burg keinen eigenen Brunnen hatte, musste man darüber hinaus Trinkwasser von Quellen jenseits der Mauern über eine Leitung aus Holzrohren in die Burg leiten oder mit Gefäßen auf Fuhrwerken oder auf dem Rücken von Eseln herbeischaffen. Für Falkenstein gibt es darüber allerdings keine Unterlagen. Ohnehin sei die Wasserversorgung einer Burg von außerhalb der schützenden Wälle im Falle einer Belagerung eine tödliche Gefahr für die Verteidiger gewesen, so der Historiker.

Wurde Wasser von einem Brunnen in die Burg geleitet?

Josef Fischer, von 1989 bis 2004 Ortsbürgermeister von Falkenstein, nimmt trotzdem an, dass es einmal eine Rohrleitung von einem heute noch aktiven Brunnen oberhalb der Burg (heute Hauptstraße 34) gegeben haben könnte. Dafür sprächen die direkte Nachbarschaft des Brunnens zu einer der drei ehemaligen Zehntscheunen, seine Nähe zum Burgeingang sowie das natürliche Gefälle vom höher gelegenen Brunnenstandort. Einen Nachweis für diese Annahme gibt es allerdings nicht.

Sollte die Burg tatsächlich ausschließlich mit dem Wasser aus ihrer Zisterne versorgt worden sein, hätte das verschiedene Risiken für ihre Bewohner mit sich gebracht. Regenwasser kann zwar ohne weiteres zum Waschen, Tränken des Viehs, als Löschwasser und für ähnliche Zwecke benutzt werden. Bedenklich wäre aber seine Nutzung als Trinkwasser.

Mittelalterliches Beispiel von der Wegelnburg

In einem Bericht von Peter Müller–Helbling über die Wasserversorgung auf der Wegelnburg bei Nothweiler in der Südwestpfalz findet sich darauf eine mögliche Lösung für dieses Problem: Das von den Hausdächern oder Hofflächen in einem mit Ton abgedichteten Becken aufgefangene Regenwasser wurde durch einen Filter aus lockeren Gesteinsbrocken und Sand geleitet, der Blätter, Insekten und andere feste Stoffen zurückhielt. Das so grob vorgereinigte Wasser sickerte durch die wasserdurchlässigen Fugen der unvermörtelten Mauer eines Schachts, von wo aus es als Trinkwasser entnommen werden konnte. Allerdings fanden sich bislang keine Hinweise dafür, dass auch die Zisterne auf der Burg Falkenstein nach diesem Prinzip funktionierte.

Ein weiteres Problem bei einer ausschließlich mit dem Wasser aus Zisternen zu versorgenden Burg ergibt sich aus der Abhängigkeit von ausreichend Regen. Fällt phasenweise nur wenig Nass vom Himmel oder bleibt der Regen für eine längere Zeit ganz aus, würde das Wasser auf der Burg knapp werden – mit fatalen Folgen im Falle einer Belagerung. Aber auch für eine solche Situation liegen keine Zeugnisse oder Überlieferungen aus der Geschichte Falkensteins vor.

„Zisterne war immer gut gefüllt“

Dennoch gibt Altbürgermeister Fischer hierzu einen interessanten Hinweis: Soweit er sich erinnern könne, sei die – heute durch einen Stahlgitterrost gesicherte – Zisterne auf der Burgruine immer gut gefüllt gewesen, selbst im trocken-heißen Sommer des Jahres 2018. Und ebenso erstaunlich sei, dass die Zisterne auch bei länger anhaltendem Regen nie überlaufe. Dies ließe vermuten, dass es im Felsen Hohlräume gebe, aus denen Wasser durch das poröse Gestein in die Zisterne sickere und dort ab einem bestimmten Pegelstand wieder ablaufe. Damit wäre auch immer genug Wasser für die Grafen verfügbar gewesen.

Um die Erinnerung an ihr namensgebendes Grafengeschlecht wachzuhalten, weihten die Falkensteiner Bürger 1992 am damals neugestalteten Dorfmittelpunkt an der Hauptstraße eine als „Grafenquelle“ bezeichnete Brunnenanlage ein. Das Material dafür stiftete die Brauerei Bischoff, die künstlerische Gestaltung des Brunnensteins lag in den Händen von Bildhauermeister Volker Blaum; auch er machte seine Leistung der Gemeinde zum Geschenk. Dieser Laufbrunnen wird gespeist von einer Brunnenkammer mit Wasser aus dem der Ruine gegenüberliegenden Hang am Bickberg. Die Grafenquelle ist in den Wintermonaten allerdings stillgelegt.

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