Kirchheimbolanden
Brennendes Windrad: Warum Menschen sich der Brandstelle nicht nähern sollen
Es waren dramatische Szenen, die sich am Donnerstagmorgen, 2. Januar, auf dem Hungerberg zwischen Kirchheimbolanden und Gauersheim abgespielt haben: Um 6.58 Uhr wurde die Feuerwehr wegen einer starken Rauchentwicklung alarmiert. Schon von Weitem waren die Flammen zu sehen, die vom Westwind immer wieder angefacht wurden. Schnell stellte sich heraus, dass es sich um eine Windkraftanlage handelte, deren Gondel in 140 Metern Höhe lichterloh brannte.
Wie Wehrleiter Mathias Groß von der Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden erklärt, war rasch klar, dass ein Löscheinsatz nicht möglich ist. „Eine gefahrlose Annäherung war nicht gegeben“, schilderte Groß. Neben der enormen Hitzeentwicklung bestand die Gefahr herabstürzender Trümmerteile und auslaufender Betriebsflüssigkeiten, die das Feuer zusätzlich anheizten. Mit den Fachberatern zusammen wurde entschieden, die Windkraftanlage dem Feuer zu überlassen. Aus Sicherheitsgründen wurden alle befestigten Wirtschaftswege im Umkreis von 600 Metern gesperrt.
Stinkender Rauch zieht über die Region hinweg
Das Feuer breitete sich von der Gondel auf die Nabe und schließlich auf zwei der drei jeweils 56 Meter langen Rotorblätter aus. Infolge des Brandes stürzten kleinere Teile aus großer Höhe zu Boden, während der Wind den Flammen immer wieder Nahrung bot. Parallel informierte die Feuerwehr die Pfalzwerke, vier weitere Anlagen des Windparks vom Netz zu nehmen, da diese an derselben Leitung hängen wie die in Flammen stehende. Die Mitarbeiter des Netz- und Anlageteams der Pfalzwerke sorgten dafür, dass die Leitungen geerdet wurden.
Bewohner des benachbarten Gauersheims meldeten stinkenden Rauch, der weite Teile der Region erreichte. Über Warnsysteme wurde die Bevölkerung aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Nach etwa drei Stunden ließ die Rauchentwicklung nach, doch die Brandstelle blieb noch lange gefährlich heiß.
Mehr als 70 Wehrleute im Einsatz
Andreas Nolte, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft des Windparks Hungerberg, geht davon aus, dass durch das Feuer ein Schaden in Höhe von rund einer Million Euro entstanden ist. Die Windkraftanlage wird vollständig zurückgebaut und wahrscheinlich durch eine neue ersetzt. Die Gesellschaft betreibt insgesamt 39 Windkraftanlagen, von denen elf auf dem Hungerberg stehen.
Von außen betrachtet besteht das Windrad aus einem Turm, einer Gondel, einer Nabe und drei Flügeln. Das Herz der Windkraftanlage – dieses befindet sich in dem rund 80 Tonnen schweren Gehäuse – ist die Gondel. Diese kann in jede Himmelsrichtung gedreht werden. Die Energie der Windkraft wird über die Flügel und die Nabe zunächst auf ein Getriebe übertragen. Von dort aus wird ein Generator angetrieben, der Elektrizität erzeugt. Getriebe und Generator werden mit einigen Hundert Litern Öl-Schmierstoffen und anderen Medien geschmiert. Die Polizei geht davon aus, dass ein technischer Defekt das Feuer in der Gondel verursacht hat. Gutachter und Sachverständige wurden eingeschaltet, um die Hintergründe zu klären. Es sollen Drohnen eingesetzt werden, um die Brandstelle aus der Luft zu untersuchen. Mehr als 70 Feuerwehrangehörige aus den Verbandsgemeinden Kirchheimbolanden und Göllheim waren im Einsatz.
Mittlerweile sind alle Wirtschaftswege mit Warnschildern versehen worden, um Schaulustige fernzuhalten. Die Nachlöscharbeiten und Kontrollfahrten sind noch nicht abgeschlossen. Aufgrund der Gefahr herabfallender Teile richtet der Feuerwehr-Chef den dringenden Appell an die Bevölkerung, sich der Brandstelle nicht zu nähern. Auch wenn das Geschehen vermeintlich harmlos aussehe, lauerten große Gefahren im Umfeld der abgebrannten Windkraftanlage.