Donnersbergkreis Brennend beim Kohlhof abgestürzt

Placeholder-Image
LIMBURGERHOF

. Für eine ältere Dame aus dem englischen Yorkshire war es ein „unerwartetes Weihnachtsgeschenk“, wie sie sagte: Sie hat im Dezember endlich erfahren, wo ihr Vater, Sergeant Reginald J. Renton, sein Leben lassen musste. Er war Bombenschütze und kam mit der kompletten restlichen Besatzung beim Absturz des Flugzeugs um, in der Nacht auf den 6. September 1943 auf dem Kohlhof bei Limburgerhof. Erfahren hat sie dies durch die Recherchen von Erik Wieman aus Waldsee, der wie der Schifferstadter Peter Berkel in der Vorderpfalz für die ehrenamtliche Arbeitsgruppe Vermisstenforschung aktiv ist. Und er hat noch viel mehr über das herausgefunden, was sich in jener Nacht über dem Kohlhof und der Rehhütte abspielte. Dass Wieman „das fast verloren gegangene Wissen um die sieben Schicksale und den Absturz“ festhalten konnte, ist den Zeitzeugen zu verdanken, die sich nach der Veröffentlichungen seines Aufrufs in der RHEINPFALZ vom 9. November bei ihm gemeldet hatten. Menschen aus Schifferstadt, vom Kohlhof und der Rehhütte erzählten, was sie vor fast 72 Jahren gesehen haben. Der gebürtige Niederländer, der seit rund 20 Jahren hier lebt, setzte die Puzzleteile zusammen und konnte damit nach eigenen Angaben „den Hergang des Absturzes eindeutig rekonstruieren“. Der britische Bomber, „Typ Stirling Mk. III, Kennung EF 129.WP-Q“, war am großen Luftangriff in der Nacht vom 5. auf den 6. September 1943 beteiligt, bei dem weite Teile von Ludwigshafen und Mannheim in Schutt und Asche gelegt wurden. „Es war eine gemischte siebenköpfige Besatzung, die sich aus fünf Engländern, einem Kanadier und einem Neuseeländer zusammensetzte“, hat Wieman herausgefunden. Und zitiert dann Friedrich Wagner, der in Limburgerhof/Rehhütte lebt und den Absturz miterlebt hat: „Es war spät in der Nacht. Der Fliegeralarm war bereits vorüber. Dann hörten wir plötzlich nochmals das Schießen der Flak und ein sehr lautes Motorengeräusch. Sehr nah. Offenbar ein schwerer Bomber. Er flog sehr tief. Ich rannte in den Hof. Das Flugzeug kam aus Richtung Neuhofen in niedriger Höhe direkt auf unseren Hof zu. Es brannte lichterloh und erhellte die Nacht. (...) Als das Flugzeug direkt über unseren Hof flog, jaulten die Motoren plötzlich höher und noch lauter. Der Pilot versuchte offenbar, das Flugzeug hochzuziehen.“ Die Maschine war aber wohl zu schwer beschädigt. Suchscheinwerfer, die auf dem heutigen Golfplatz standen, hatten das Flugzeug erfasst, eine Fliegerabwehrkanone feuerte aus der Richtung des heutigen BASF-Agrarzentrums. Der Bomber brach auseinander und stürzte brennend beim Kohlhof zu Boden. Niemand überlebte. Am nächsten Morgen entdeckte Wagner nach eigenen Angaben auf der Wiese hinter dem Haus in der Rehhütte einen Toten. Der junge Mann hatte sich offenbar in letzter Sekunde vergeblich per Fallschirm retten wollen: „Es war entsetzlich“. Er war, so erinnert sich der Zeuge, der damals ein kleiner Junge gewesen ist, auf eine Kuh gestürzt. Das Tier lag leblos daneben. Durch seine weiteren Recherchen erfuhr Wieman, wo die Teile der Maschinen niedergegangen waren und dass der abgestürzte Fallschirmspringer wohl der neuseeländische Sergeant L. F. Harris war. Die Toten seien am nächsten Tag geborgen und zunächst auf dem Friedhof in Limburgerhof bestattet worden, hat Wieman erfahren. Nach dem Krieg sei die Besatzung dann exhumiert und auf dem Friedhof der Alliierten in Rheinberg bei Duisburg erneut begraben worden. Die Absturzstelle wurde von oberflächlichen Trümmern befreit und geriet mehr oder weniger in Vergessenheit. Für die Ehrenamtlichen der Arbeitsgruppe Vermisstenforschung beginnt nun die Suche nach Flugzeugteilen. Auf Anhieb habe er auf dem Feld erste Überreste gefunden, sagt Wieman, und präsentiert Metall- und Plexiglassplitter, Kabelreste. Dabei sei noch gar nicht mit Metalldetektoren gesucht worden, „erst, wenn eine Genehmigung der Denkmalbehörde vorliegt“. Denn das ist für eine seriöse Arbeit unabdingbar, bekräftigt der 47-Jährige. Der Grundstücksbesitzer sei einverstanden. Die genaue Stelle aber wollen die Vermisstenforscher noch nicht bekanntgeben – zu viele Neugierige und Sondengänger, fürchtet Erik Wieman. Bei der Suche nach Nachfahren der Besatzungsmitglieder ist er schon fündig geworden. Neben der Dame aus Yorkshire, der er einen Packen von Informationen geschickt hat, hofft Wieman, auch Nachfahren des jungen Sergeants zu finden. Einen entsprechenden Aufruf hat er bereits in der neuseeländischen Stadt Nelson gestartet, aus der Harris stammte. Ein Wunsch der Vermisstenforscher ist, dass an der Absturzstelle und/oder der Fundstelle des einzelnen Toten eine Tafel an das Schicksal der Besatzung erinnert: „Damit die Nachfahren eine Stelle haben, um zu trauern und zu gedenken. Und damit keiner mehr einfach so vorbeigeht ohne zu wissen, was da passiert ist.“ Schließlich gebe es immer weniger Zeitzeugen, die berichten können.

x