Kirchheimbolanden
Borg Warner baut jetzt Arbeitsplätze ab
Bis 2028 will der Autozulieferer Borg Warner seine Stammbelegschaft in Kirchheimbolanden auf mindestens 701 Mitarbeiter reduzieren. Bereits im vergangenen August hatten sich Geschäftsführung, Gewerkschaft und Betriebsrat darauf geeinigt, dies ohne betriebsbedingte Kündigungen über die Bühne zu bringen. Stattdessen werden den Mitarbeitern freiwillige Versetzungen und andere Freiwilligenprogramme angeboten. Die Verhandlungen, die zu diesem Ergebnis führten, hatten fast zwei Jahre gedauert.
Der erste Teil des sogenannten Teilinteressensausgleichs ist nun in Kraft getreten. Er hat denselben rechtsverbindlichen Charakter wie eine Betriebsvereinbarung. Am vergangenen Freitag fand in der Stadthalle eine Betriebsversammlung statt, an der rund 450 Beschäftigte teilgenommen haben. Sie sollte dazu dienen, den Mitarbeitern die Einzelheiten der bevorstehenden Maßnahmen näher zu erläutern. Wie der Betriebsratsvorsitzende Peter Schmitt auf RHEINPFALZ-Nachfrage mitteilte, wurde mit dem Arbeitsplatzabbau bereits in diesem Quartal begonnen.
Mindestanzahl von 701 kann auch übertroffen werden
Betroffen sind die Abteilungen Prototypenbau, Verdichterräder und Instandhaltung. Jedem der betroffenen Mitarbeiter werde aber eine andere Stelle, etwa in einer anderen Abteilung, angeboten, betonte Schmitt. Auch könnten Altersteilzeitangebote angenommen werden. Ab der kommenden Woche soll mit der Ausarbeitung des zweiten Teils des Interessensausgleichs begonnen werden. In den kommenden Jahren bis 2028 soll der Abbau Quartal für Quartal stetig weitergehen.
In der Vereinbarung, die konzernintern unter dem Titel „Kibo Charging Forward 2028“ („Kibo stürmt vorwärts“) firmiert, ist die Rede von mindestens 701 Mitarbeitern, die bis dahin noch am Standort Kirchheimbolanden beschäftigt sein sollen. Wie Schmitt betont, können es je nach der weiteren Entwicklung der Auftragslage aber auch mehr sein. Etwa wenn sich bis dahin neue Geschäftsfelder erschließen lassen. Gedacht ist dabei beispielsweise an den Bau von Turbinengeneratoren, die der Stromerzeugung dienen.
Vor zehn Jahren noch 800 Mitarbeiter mehr
Wegen einer zu erwartenden verstärkten Nachfrage nach diesem Produkt vor dem Hintergrund, dass künstliche Intelligenz sehr viel Strom verbraucht, könne davon ausgegangen werden, dass diese Generatoren früher als geplant und in größerer Stückzahl benötigt würden. Zumindest als Zulieferbetrieb komme auch das Kirchheimbolander Werk in Frage. Dies könne möglicherweise dazu führen, dass am Ende doch mehr Mitarbeiter als das Minimum von 701 gebraucht würden. Ohnehin signalisiert diese Zahl bereits einen Verhandlungserfolg: Ursprünglich war sogar einmal von einer Reduzierung auf 360 bis 520 Beschäftigte die Rede gewesen. Danach gab es Protestmärsche von Teilen der Belegschaft, Warnstreiks standen im Raum.
Aktuell arbeiten in der Produktion in Kirchheimbolanden noch 1100 Stamm-Mitarbeiter und rund 130 Leiharbeiter, für die die genannten Vereinbarungen nicht gelten. 2015 waren es noch rund 1900 Mitarbeiter im Werk, dazu kamen Beschäftigte der Sparte Engineering, insgesamt rund 2500 Personen. Im November 2023 schloss Borg Warner Werk 2 im Kirchheimbolander Industriegebiet. Werkleiter Andreas Denne hatte damals die Maßnahmen mit dem rückläufigen Bedarf für Verbrennungsmotoren und daraus resultierenden Produktionsüberkapazitäten begründet. Auch das Bürogebäude, das der Konzern von der Stadt gemietet hatte, ist bereits geräumt.