Donnersbergkreis Bis zum Ende pendelt Hoffnungs-Grün

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Die Montagsreportage: Ihr Song „Ich warte“ erhielt begeisterte Jury-Kritiken: Karolin Besler (19) aus Bolanden trat am Freitagabend mit ihrer Indiepop-Ballade im Live-Finale des Komponisten-Wettbewerbs „Dein Song“ im KiKa auf. Gewonnen hat ihre pfälzische Konkurrentin Leontina (14) aus Speyer. Wir saßen in Köln im Studiopublikum.

Köln

. Das warme Kribbeln in der Magengegend, wird sie später sagen, sei ihr ja nicht neu. Karolin kennt das Gefühl. Diese Bühnenmomente. Vor der aufgeladenen, johlenden Masse, ausgerüstet mit bunten Bannern und Pappfetzen. Ein wogendes Farbenmeer. Laut. Und weil Karolin nicht zum ersten Mal vor Riesen-Publikum interpretiert, weiß sie, was sie machen muss. Lächeln. Cool wirken. Das Drumherum, das ja nur ablenken würde, ausschalten. „Beim Singen hab’ ich das alles gar nicht wahrgenommen“, erklärt die 19-Jährige im Interview. Kameras fahren im Sekundentakt an ihr vorbei. Karolin weiß, dass an den TV-Schirmen über eine Million KiKa-Zuschauer sitzen, die jeden Textfehler, jeden Fehleinstieg aufschnappen. Ist ja schließlich eine Live-Show. Ganz ohne Playback. Die junge Bolanderin dreht immer wieder leicht den Oberkörper, angeschmiegt an den Rhythmus. Sie kommt leger ’rüber. Blaues Jeans-Jäckchen. Drunter ein quietschpinkes Top. Weiße Sneakers mit roten Schnürsenkeln. Fest umklammert Karolin das Mikro mit beiden Händen. Als Ole Specht, Songpate der Hamburger Indiepop-Gruppe „Tonbandgerät“, zum Gesangsolo ansetzt, schüttelt sie die offenen braunen Haare. „Ich sitz’ hier und warte, auf den richtigen Zug. Oder auf den nächstbesten, vielleicht ist das genug“, heißt es. Von hinten dröhnen rockige Indie-Beats. E-Bass, Schlagzeug, Acoustic Piano. Blaues Licht, blitzendes Blinken. Karolin rockt. „Ich bin immer noch Fan!“, tönt Starproduzent Laith Al-Deen, in den Jury-Sessel gelehnt, als erster. „In Kombination mit „Tonbandgerät hat der Song eine Leichtigkeit bekommen. Es nimmt ihm aber keine Tiefe. Ganz, ganz groß.“ Ein bisschen perplex ist Karolin dann schon. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, kichert sie. „Dein Song“ – das ist das musikalische Flaggschiff von KiKa. Eine Casting-Show, mit Vorsingen, Recall, allem Pipapo. Das seriöse Format unterscheidet sich dabei gehörig von ähnlichen Wettbewerben. Es gibt keine Effekthascherei, keine sensationsgeschwängerten Pseudo-News. Klar, der Sender ist öffentlich-rechtlich. Aber die Bewerber bieten besonders qualitativen Stoff. Der Fokus liegt auf der Musik. Wer bei „Dein Song“ auftritt, hat sein Stück selbst geschrieben und komponiert. „Karo hat ihre Gefühle genauso reingepackt, wie sie es wollte. Deswegen ist der Song so gut“, meint „Tonbandgerät“-Frontmann Specht, der mit Karolin an ihrer tristen Ballade feilte, sie in eine rockige Hülle schmiss. Melodie und Text blieben fast unangetastet. Frisch ist der Beat. Alle acht Stücke der Finalisten haben ihre Charakteristika. Das sind Ohrwürmer! Und so vielfältig. Weil prominente Paten – wie Peter Maffay, Marit Larsen oder „Lieblingsmensch“ Namika – ihre eigene Note mit der der Teenies mischten. „Man konnte das Ergebnis nicht einschätzen. Alle Songs waren richtig cool“, so Karolin. Auf der After-Show-Party wird die Information von einem unglaublich engen Zuschauer-Votum durchsickern. Das helle Grün blendet. Unten, direkt vor der Bühne, schaukeln grasgrüne Schals umher, als Karolin das Mikro senkt. 40 Fans stehen. Freunde, Familie. Sie schütteln alles, was sie im Umkreis von 30 Zentimetern fassen können. Banner, Plakate. Jeder hat seinen eigenen wilden Fan-Club im Studio. Die Presseplätze sind umringt von drei brüllenden Gruppen, jedes Mal, wenn ihr Künstler über die Leinwand flimmert oder der Name fällt, zieht ein beißender Schmerz durchs Ohr. Sie wollen ihre Kandidaten zum Sieg schreien. „Ihre Message war gut. Jedem Menschen geht es mal so“, ruft Karo-Fan Thilo (21) mitten im Pulk. „Mit dem Song kann man sich einfach identifizieren“, meint Nicole (19). Mama Barbara hat genauso das grüne Seidentuch umhängen wie alle anderen. Sie lächelt stolz. Toller Auftritt. „Auf der Bühne schlüpft sie in eine andere Rolle. Da ist sie selten nervös“, beschreibt sie. Immer wieder zieht ein Gemurmel durch den Block. „Ich warte“ habe einen guten Drive, der Song gleiche Karolins Schüchternheit aus. Geht da was? Tatsächlich breitet sich das vage Bauchgefühl aus, dass es das Lied in die Herzen der meisten Anrufer schaffen könnte. Laith Al-Deens Werbung (O-Ton: „I will go for you!“) sitzt. Nebenan bemerkt ein Journalist des Kölner Stadtanzeigers, um die 50, trocken und emotionslos: „Das ist das erste Mal, dass der Saal richtig mitgegangen ist.“ Karolin trat als Sechste auf, nur zwei sollten nachlegen. Kurz vor der Entscheidung lächelt die 19-Jährige nervös, Ole Specht knuddelt sie kurz. Natürlich hat Karolin die leise Hoffnung auf den Sieg, Favorit aber ist, da ist sich die Promi-Jury einig, der knuffige Ben. Acht ernste Gesichter. Lange Pause. Bis es kracht. „Leontiiinaaa!“ Die 14 Jahre junge Speyrerin springt wie ein Dopsball, Karolin klatscht. Leontina, einen Kopf größer, aber fünf Jahre jünger, sagt später über Karolin: „Ihr Lied war super. Wir Kandidaten haben es oft gesungen, weil wir es im Kopf hatten.“ Goldschnipsel segeln darnieder, unten steht der Fan-Klub. Die grünen Schals pendeln weiter…

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