Winnweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Bibliothekstage: Online-Lesungen begeistern Schüler

Dass Online-Lesungen Kinder trotz der räumlichen Distanz begeistern können, hat der Schauspieler und Sprechtrainer Rainer Rudlof
Dass Online-Lesungen Kinder trotz der räumlichen Distanz begeistern können, hat der Schauspieler und Sprechtrainer Rainer Rudloff an zwei Winnweilerer Schulen eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Auch die rheinland-pfälzischen Bibliothekstage sind zu neuen Wegen gezwungen: Wie in vielen Bereichen lässt Corona nur virtuelle Veranstaltungsformen und Begegnungen zu. Die Begeisterung fürs Lesen muss das nicht mindern – zwei Schulklassen können dies bestätigen.

Zum zehnten Mal fanden in der vorigen Woche die Bibliothekstage statt. Alle zwei Jahre „laden die Bibliotheken in ganz Rheinland-Pfalz zu interessanten Begegnungen, spannenden Themen und unterhaltsamen Stunden ein“, heißt es auf der Homepage. Gar nicht so einfach in Corona-Zeiten.

Denn eigentlich kommen zu diesem Anlass an vielen Stätten zahlreiche neugierige Menschen zusammen, um über Bücher zu reden, über Literarisches zu diskutieren und bei Lesungen zuzuhören. Das ganze kommunikative Spektrum lässt sich natürlich digital nicht herstellen – vor allen Dingen die Begegnungen galt es, dieses Mal zu vermeiden. Aber immerhin, zwei außergewöhnliche Lesungen fanden im Donnersbergkreis, genauer gesagt in Winnweiler statt: für die Schüler der Klassen 3 und 4 der Montessori-Grundschule und die der Klassen 5 und 6 der Albert-Schweitzer-Realschule plus.

Die Initiative der Bibliothekarin in der Gemeindebücherei, Heilwig Dietrich, hat dafür gesorgt, dass über 50 Kinder trotz der Einschränkungen etwas Spannendes erleben durften. Das fand zwar online statt, war aber trotzdem ausgesprochen lebendig. Für diese Lebendigkeit war Rainer Rudloff zuständig, Schauspieler und Sprechtrainer aus Lübeck, den Dietrich zusammen mit dem Bibliothekszentrum in Neustadt engagieren konnte. Er ist deutschlandweit bekannt für seine rasanten Lesungen, die eher kleinen Inszenierungen gleichen. Man nennt ihn auch „Herr der Stimmen“, und was das bedeutet, konnten die Kinder live erleben.

Stimmwechsel kommt gut an

Organisiert von Joachim Junker, ihrem Lehrer, begann die erste Lesung um 8.15 Uhr für die Realschüler. Sie saßen vor ihren Tablets oder Monitoren und waren genauso wie Rudloff über einen speziellen Link dem Online-Schulsystem zugeschaltet. Eine knappe Stunde trug der Schauspieler aus dem Buch von Sylvia Heinlein „Mission Unterhose“ vor. Darin geht es um zwei Jungen, die aus komplett verschiedenen Lebensbereichen kommen, sich zufällig begegnen und ein paar Sommerwochen miteinander verbringen. Es ist ein witziges Buch, und Rudloff machte es noch witziger. „Der kann seine Stimme so stark verstellen. Das war super“, sagen die Schwestern Ella und Smilla. „Es war überhaupt nicht langweilig!“ Joachim Junker, der auch Konrektor der Schule ist, äußert sich ebenfalls begeistert, erzählt, dass Rudloff die Kinder komplett in seinen Bann gezogen habe.

Das gelang ihm auch bei der zweiten Lesung, die sich für die Grundschüler anschloss. Hier standen Auszüge aus Michael Endes Buch „Die unendliche Geschichte“ im Mittelpunkt. Mit einer gehörigen Portion Dynamik, schnellen Rollenwechseln, markanter Mimik und Körpereinsatz machte Rudloff das Buchgeschehen zu einem fesselnden Erlebnis. Likan und David aus der 4. Klasse zeigten sich beeindruckt: „Es war schön und richtig spannend. Vor allen Dingen das mit den unterschiedlichen Stimmen.“

Die betreuende Lehrerin Sarah Schnur ist ebenfalls glücklich über die Veranstaltung: „Das war eine wirklich tolle Sache; die Lesung hat die Kinder fasziniert.“ Die konnten am Ende beider Lesungen noch Fragen stellen, die von Rudloff gern beantwortet wurden. Junker fasst rückblickend zusammen: „Gerade im Moment, wo so viel in der Schule ausfällt und schon gar nichts Außergewöhnliches stattfindet, tut uns allen eine solche Veranstaltung richtig gut.“

Heilwig Dietrich freut sich darüber, dass sich trotz räumlicher Entfernung über die Geschichten der Bücher und dank der lebendigen Vermittlung Nähe zu den Kindern herstellen ließ. Ein wirklich gelungenes Projekt!

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