Donnersbergkreis Bestattungsunternehmen unter Schock
Fernsehen, Zeitungen, interessierte Bürger rufen an. Ein Alzeyer Bestatter steckte sich bei einem Leichnam am gefährlichen Lassa-Fieber an (wir berichteten). Bei seiner Arbeitsstelle ist seit Dienstag laut einer Mitarbeiterin, die gestern mit der RHEINPFALZ sprach, „nun wirklich der Teufel los“. Dem Mann geht es laut den Ärzten der Sonderisolierungsstation im Frankfurter Universitätsklinikum schlecht. Die Spezialisten sind aber optimistisch, dass der Erkrankte geheilt werden kann. Das sagten die verantwortlichen Mediziner gestern auf einer Pressekonferenz.
„Für uns war das ein ganz großer Schock“, erzählt die Dame des Alzeyer Bestattungsunternehmens, die ihren Namen nicht nennen möchte, weil sie um das Image des Familienunternehmens fürchtet. „RTL und das ZDF waren auch schon da, aber da wird so viel Mist gezeigt, das entspricht teils gar nicht der Wahrheit.“ Sie fügt gleich hinzu: „Wir können nichts dafür, das hat uns jeder bestätigt.“ Der Leichnam – bei dem Toten soll es sich laut den Behörden um einen Krankenpfleger mit US-amerikanischer Staatsbürgerschaft handeln, der als Krankenpfleger im westafrikanischen Togo gearbeitet hatte – war am 3. März nach Alzey gebracht worden. Gestorben sei er schon am 26. Februar in der Kölner Uni-Klinik. „Wir erhielten von der Firma aus Düsseldorf, die Leichname ins Ausland überführt und mit der wir schon sehr lange zusammenarbeiten, die Nachricht, dass der Leichnam zu uns kommen wird. Es sei ein Arzt, der missionarisch in Afrika tätig war“, erzählt die Alzeyer Bestatterin und fügt an: „Wir hatten den Auftrag, ihn hier zu konservieren, damit er wieder zurück nach Togo geflogen wird.“ Warum gerade in Alzey? „Weil bei uns ein Thanatopraktiker arbeitet, einer von vielleicht gerade einmal 50 in ganz Deutschland“, erzählt die Frau. Zur Erklärung: Thanatopraktiker sind Spezialisten für die Wiederherstellung des ästhetischen Erscheinungsbildes von Verstorbenen. Beispielsweise verzögern sie die Verwesung eines Leichnams durch Einbalsamierung und sorgen für die Konservierung einer Leiche zum Zwecke ihrer Überführung ins Ausland. „Und dann ist da eben die Nähe zum Frankfurter Flughafen“, so die Dame des Bestattungsinstitut. Vorher müsse aber eine Unbedenklichkeitserklärung, dass der Leichnam nicht ansteckend sei, ausgestellt werden. „Gleich zwei Professoren von Köln hatten in diesem Fall dieses Schreiben unterzeichnet, als Diagnose war Malaria angegeben“, sagt die Frau und fügt an: „Ein an Malaria Verstorbener ist nicht mehr ansteckend.“ Mit einem Mercedes-Benz-Vito habe die Firma aus Düsseldorf am 3. März den Leichnam nach Alzey gebracht. „Unser Mitarbeiter hat mit einer jungen Frau die Leiche aus dem Auto geholt und in den Spezialcontainer gebracht.“ Am 9. März kam dann der Anruf aus Köln. „Wir sind total erschrocken, als es hieß, der Verstorbene hatte Lassa-Fieber“, so die Frau. Dass der Mann als Einziger Kontakt mit dem Toten gehabt hatte, bestätigte sie. Die Mitarbeiterin macht ihrem Ärger Luft: „Was wäre eigentlich gewesen, wenn noch andere Personen zu dem Leichnam in den Container gegangen wären? Die junge Frau, die unserem Mitarbeiter half, ist ja auch nach Frankfurt in Quarantäne gekommen.“ Wie übrigens auch die Familie des Mannes, seine Frau und die drei Kinder, die nicht erkrankt seien. Bei dem Bestatter aus Alzey sei das Virus am 15. März nachgewiesen worden, erklärte des Gesundheitsamt Worms-Alzey. Am Mittwoch wurde er mit einem Spezialfahrzeug nach Frankfurt gebracht. Nach eigenen Angaben kam der Bestatter nicht mit Körperflüssigkeiten in Berührung. Die grippeähnlichen Symptome, über die der Mann klagte, bestanden nach dessen Aussagen bereits vor dem Kontakt zur Leiche. René Gottschalk, Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, erklärte gegenüber der Deutsche Presse-Agentur, dass der genaue Übertragungsweg noch nicht aufgeklärt sei. Als mögliche Wege des Erregers in den Körper nannte er die Bindehaut der Augen oder den Mund. „Der Patient zeigt alle Zeichen einer schweren Virusinfektion“, sagte gestern der behandelnde Oberarzt, Timo Wolf. Er werde derzeit nicht intensivmedizinisch betreut. Der Spezialist machte auf der Pressekonferenz klar: „Alles kann sich aber in den ersten 14 Tagen schlagartig ändern.“ Da der Mann in einem sehr frühen Stadium der Krankheit nach Frankfurt gekommen sei, bestünden gute Heilungsaussichten, sagte Wolf. Nach Angaben des Klinikums wird er mit dem Medikament Ribavirin behandelt, das speziell gegen hämorrhagische Fieberkrankheiten eingesetzt wird. Beim Bestattungsunternehmer in Alzey steht man offenbar unterdessen in Kontakt mit dem Erkrankten. „Er hat momentan kein Fieber, aber in der zweiten Probe war eben etwas“, sagt die Mitarbeiterin, die hinzufügt: „Hoffentlich wird unser Mitarbeiter schnell wieder gesund und auch die anderen Personen können bald aus der Quarantäne. Das ist jedenfalls alles ein großer Schock für uns.“ Der Leichnam des US-Amerikaners sei übrigens inzwischen eingeäschert worden, bestätigt die Frau. (rgb/dpa)