Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Bennhausen: In Sachen Klimaschutz die Nase vorn

Die Klimapaten ( von links) Ulrich Wolski, Kathrin Sutter und Mark Schwarz haben etliche Ideen für ihr Dorf.  Foto: Privat/frei
Die Klimapaten ( von links) Ulrich Wolski, Kathrin Sutter und Mark Schwarz haben etliche Ideen für ihr Dorf.

Im Feiern sind die 171 Bennhauser groß, das ist bekannt. Aber sie können noch mehr: Das kleine Dorf geht in Sachen Klimaschutz im Kreis voran. Unterstützt werden die ehrenamtlichen Klimapaten des Ortes dabei von Lisa Rothe. Und diese Fachfrau hat sich mit den Bennhausern einiges vorgenommen.

Vor einiger Zeit haben wir in einem Interview mit Lisa Rothe, einer jungen Frau, die bei der Energieagentur Rheinland-Pfalz arbeitet, ein breit angelegtes Projekt vorgestellt. Es nennt sich „Klimaschutz in kleinen Kommunen durch ehrenamtliche Klimaschutzpaten“ (KlikK aktiv). Die Energieagentur unterstützt, berät, informiert und fördert alle Aktivitäten, die ein nachhaltig gutes Leben auf dem Land möglich machen. Rothe bemüht sich seit einiger Zeit darum, dafür Paten im Donnersbergkreis zu finden, und hat Anfang des Jahres alle Ortsbürgermeister in einer Dienstbesprechung bei Landrat Rainer Guth mit dem Projekt bekannt gemacht. Das mit dem Rekrutieren ist offensichtlich kein leichtes Unterfangen, musste sie feststellen. Im Kreis konnte sich bis jetzt nur eine Gemeinde entschließen, sich bei KlikK aktiv zu engagieren. Das ist Bennhausen mit gerade mal 171 Einwohnern. Wie geht diese kleine Ortschaft mit dem Konzept um?

Der Anfang: Ein Beschluss wird gefasst

Die Ausführungen von Lisa Rothe bei der Dienstbesprechung hätten ihn direkt überzeugt, erzählt Reinhard Horsch, der Ortsbürgermeister. „Ich habe gewusst, dass wir bei uns genug Potenzial haben, da mitzuarbeiten. Es sind sowieso schon einige Aktivitäten zum Klimaschutz geplant, und da ist es gut, eine Stelle zu kennen, die berät, koordiniert und attraktive Angebote bereithält.“ So sahen das auch im März dieses Jahres bei einer Sitzung die Gemeinderatsmitglieder, von denen sich drei sofort als Paten zur Verfügung stellten.

Die Planungsphase: Die Paten machen sich schlau

Einer von ihnen, Ulrich Wolski, war kurz darauf auch schon in Sachen KlikK aktiv unterwegs: In Cochem gab es ein überregionales Auftakttreffen aller ehrenamtliches Klimapaten aus den Pilotregionen Osteifel, Mittleres Moseltal und Pfälzer Wald mit Donnersbergkreis. 40 Personen wurden von Umweltministerin Ulrike Höfken begrüßt, hatten Gelegenheit, andere Paten kennenzulernen und erste Erfahrungen und Ideen auszutauschen. „Das war schon sehr spannend“, resümiert Wolski. „Nicht jeder muss ja das Rad neu erfinden. Ich konnte jede Menge Anregungen aus anderen Gemeinden mitnehmen.“ Und dann ging es kurze Zeit später noch einmal zu Frau Ministerin. Diesmal nach Mainz, wo sich eigentlich ausschließlich die hauptamtlichen Klimamanager versammeln sollten, dann wurden aber auch die ehrenamtlich arbeitenden dazu eingeladen. Die zwei Bennhausener Klimapaten Uli Wolski und Mark Schwarz fuhren zu diesem sogenannten Netzwerktreffen mit gut 60 Eingeladenen, bei dem sie Interessantes zu weiteren Projekten und Fördermöglichkeiten erfuhren. So weit zu den theoretischen Vorbereitungen.

Intermezzo: Ein Abgeordneter ist neugierig

Bevor es weiterging, kündigte sich Besuch in Bennhausen an. Andreas Hartenfels, ein Landtagsabgeordneter der Grünen, hatte von den Bewegungen am Donnersberg gehört und traf Anfang Juni mit seinem Referenten Tim Marcovic im Dorfgemeinschaftshaus ein. Dort ließen sich die beiden vom Patenteam und Lisa Rothe informieren und zeigten sich vom Engagement beeindruckt. Bennhausen freute sich über Wahrnehmung und Wertschätzung.

Das Dorf macht mit: Die Zukunftswerkstatt

KlikK aktiv musste endlich ins Dorf! Am 14. Juni kam ein erster Kreis von gut 20 interessierten Einwohnern zusammen, um sich über ihre Visionen für Bennhausen 2030 auszutauschen. Über zwei Stunden wurde – moderiert durch Lisa Rothe - an drei Thementischen: „Mobilität – Klimaschutz im Alltag / Bildung / Biodiversität – erneuerbare Energien und Energieeffizienz“ diskutiert, notiert und schließlich gewichtet. Diese Maßnahmen – das war das Ergebnis – sollen mit hoher Priorität umgesetzt werden: Heiztraining: Umweltgerechtes Heizen mit Holz; Pflege und Vermehrung der Streuobstwiesen / Herstellung von Apfelsaft; Insektenfreundliche Grünflächen; Mehr Solaranlagen auf Dächern; Verkehrsberuhigung Ortseingänge; Resteverwertung und -verteilung: Dorfkühlschrank/Erdkeller; Einrichtung eines Mirabellenparks

Verlängerung Wanderweg „Hinkelspfad“; Umstellung Straßenbeleuchtung auf LED; Veranstaltung Kochwerkstatt

Das erste Projekt: Genussvoller Start

Einige Vorhaben brauchen Vorlauf und Zeit, andere lassen sich – wie das Heiztraining zum Beispiel – relativ leicht und ohne aufwändige Vorbereitung umsetzen. „Unsere Zukunftswerkstatt fand ich ausgesprochen anregend“, sagt Brigitta von Schilling, eine der Teilnehmerinnen. „Toll, dass so viele Leute da waren und es weitergeht. Es ist auch für unser Dorf eine neue Ebene der Gemeinschaft jenseits von Festen und Kerbe. Und die kompetente Begleitung durch Frau Rothe gibt ein gutes Gefühl.“

So oder ähnlich war der Gesamttenor aller Beteiligten und eine Gruppe hat sich gleich an die Arbeit gemacht. Das erste Projekt wurde gestartet: Bennhausen beginnt KlikK aktiv mit Genuss! Am 22. November gibt es ein kulinarisches Herbstfest, in dessen Mittelpunkt Karsten Bessai vom Kerzenheimer Hof stehen wird. Bessai arbeitet als Koch und Coach, ist Mitglied bei Slow Food und steht für die Verarbeitung von sauberen, guten und fairen Lebensmitteln. Beim Herbstfest geht es um Klimaschutz durch Kochen mit regionalem Angebot, mit heimischem Fleisch und Wild und um Resteverwertung. Wie alles genau aussehen wird, steht noch nicht fest; die Planungen stecken in der Anfangsphase. Aber es bewegt sich etwas: KlikK aktiv – Bennhausen aktiv!

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