Wahl VG Göllheim RHEINPFALZ Plus Artikel Beide Kandidaten stolz auf Ergebnis – Antweilers Kritik an der SPD

Steffen Antweiler mit Frau Andrea kurz vor der Siegesumarmung.
Steffen Antweiler mit Frau Andrea kurz vor der Siegesumarmung.

Dass seine Wiederwahl alles andere als ein Selbstläufer werden würde, das war Steffen Antweiler bewusst. Von kalten Fingern am Sonntagnachmittag berichtet der alte und neue Bürgermeister der VG Göllheim. Und so sehr er und Simone Rühl-Pfeiffer sich gegenseitig einen fairen Wahlkampf bescheinigen – eine kleine Spitze in Richtung der Partei seiner Herausforderin kann er sich nicht verkneifen.

Keine miese Stimmung bei der Herausforderin nach der knappen Wahlniederlage: Simone Rühl-Pfeiffer ist mit ihrem Resultat zufrieden – wenngleich sie natürlich mit dem Ziel angetreten sei, Bürgermeisterin der VG Göllheim zu werden. „Ich habe gegen den Amtsinhaber kandidiert und das in einer konservativen Hochburg, da ist das Ergebnis sehr gut“, befand sie. „Wenn man sieht, wie knapp es in vielen Gemeinden war, dann ist das ein Erfolg“, sagte sie am Tag nach der Wahl. Den Sieg in Bubenheim (Rühl-Pfeiffer: „eine FWG-Hochburg“), die knappen Ergebnisse in Dreisen und Albisheim sieht sie sehr positiv.

Rühl-Pfeiffer: Göllheim der Knackpunkt

Im Zellertal, wo sie beheimatet ist, konnte sie die meisten Stimmenanteile holen. „Der Knackpunkt war Göllheim“, urteilte die Einzelbewerberin, die als SPD-Mitglied auf die Unterstützung ihrer Partei und der Grünen bauen konnte. In der Sitzgemeinde, in der mehr als 1300 Bürger zur Wahl gingen, erreichte sie nur 37,3 Prozent. Aus ihrer Sicht „durchaus achtbar“ im Verhältnis zu den SPD-Ergebnissen in der Vergangenheit, „aber ich war dort eben doch wenig bekannt“, bekannte die Einselthumerin.

Zwar war Rühl-Pfeiffer als Einzelbewerberin angetreten, doch wisse im Endeffekt das Gros der Wählerschaft, dass sie SPD-Mitglied ist. Daher sei es legitim, Vergleiche mit Ergebnissen ihrer Partei zu ziehen. Letztlich bekam sie im Wahlkampf auch jede Menge Unterstützung, waren die Landesminister Michael Ebling und Alexander Schweitzer, Bundestagsabgeordneter Matthias Mieves und Landtagsabgeordnete Jaqueline Rauschkolb mit ihr unterwegs, veröffentlichte gar Ministerpräsidentin Malu Dreyer ein Unterstützervideo.

Antweiler hofft auf Interesse der Landesregierung

Ob das womöglich kontraproduktiv war für sie, die als Einzelbewerberin „für alle wählbar sein“ wollte? „Auf keinen Fall“, unterstrich Rühl-Pfeiffer. Unterstützung brauche ein Herausforderer, daher sei sie dankbar dafür. Gemeinsam mit ihrem Team sei es eine „perfekte Kampagne“ gewesen. Nun wolle sie „erstmal ein wenig Abstand gewinnen“. Zur VG-Ratswahl im Jahr 2024 werde sie ihren Hut dann wieder in den Ring werfen, blickte sie voraus.

Der wiedergewählte Steffen Antweiler (FWG) hingegen konnte sich eine kleine Spitze in Richtung SPD nicht verkneifen. Die habe sich doch „über Gebühr für eine vermeintlich freie Kandidatin engagiert“. Ob das für seine Mitbewerberin am Ende sogar ein Nachteil gewesen sei, wollte er nicht kommentieren, sagte aber: „Schuster, bleib bei deinen Leisten: Landespolitiker sollten Landespolitik machen und Kommunalpolitiker Kommunalpolitik.“ Sicherlich sei die Hilfe aus Mainz legitim, aber solches Vorgehen „könnte schon auch zur Politikverdrossenheit beitragen“, mutmaßte Antweiler. Und: „Nachdem die halbe Landesregierung in den letzten Wochen in der VG Göllheim unterwegs war, hoffe ich, dass sie sich auch nach diesem Wahlausgang noch für die VG interessieren und ich in Mainz offene Türen einlaufe.“

Umgekehrte Vorzeichen im Zellertal

Dass das Ergebnis so knapp ausfiel, das sei dem großen Engagement Rühl-Pfeiffers bei ihrem Haustür-Wahlkampf zuzuschreiben, bescheinigte er seiner Mitbewerberin. Sicherlich habe auch das unterschiedliche Geschlecht bei manch Wähler eine Rolle gespielt, befand Antweiler – „völlig wertneutral“, wie er betonte. „Das war halt ein Unterschied, während wir beruflich wie kommunalpolitisch beide ähnliche Voraussetzungen hatten.“

Stolz zeigte er sich auf die 71,2 Prozent Stimmenanteil in seiner Heimatgemeinde Rüssingen. „Das heißt doch, dass ich in 14 Jahren als Ortsbürgermeister einiges richtig gemacht habe.“ Im Zellertal habe sich die Situation genau umgekehrt dargestellt wie bei seiner ersten Wahl vor acht Jahren: „Damals konnte ich dort gut punkten gegen Dieter Hartmüller, weil man keine Personalunion von Bürgermeister und Ortsbürgermeister der Sitzgemeinde wollte“, sagte Antweiler. „Jetzt gab es die Chance, jemanden von vor Ort zu wählen.“ So war die Bestätigung im Amt alles andere als ein Selbstläufer. „Bei aller Gelassenheit“, berichtete der Bürgermeister, „je später der Sonntagnachmittag, desto kälter wurden meine Finger.“

Alle Berichte vor und nach der Wahl, die Kandidaten im Videointerview, Ergebnisgrafik und den Wahlsonntag im Schnelldurchlauf finden Sie in unserem Wahlblog.

Simone Rühl-Pfeiffer gratuliert dem Gewinner.
Simone Rühl-Pfeiffer gratuliert dem Gewinner.
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