rockenhausen
Bei Lesung von Reinold Rehberger schwelgen Zuhörer in Erinnerungen
Die Stimmung ist gut, man erinnert sich gern an die Zeiten der Künstler, Lebenskünstler und Überlebenskünstler zurück. „Kein Auto, kein Fernseher, keine Urlaubsreise und kein Smartphone. Für junge Leute konnte das Leben in der Provinz verdammt langweilig sein. Straßen, Kneipe und Verein wurde zur Ersatzbühne. Dort tobte man sich aus“, las Rehberger aus seinem Buch, in dem er unter anderem über die Zeitspanne von 1946 bis 1959 schreibt. In dieser Zeit sei manches noch unproblematisch, vieles davon sogar im rechtsfreien Raum erledigt worden. „Diese Zeiten darf man nicht unter den Tisch fallen lassen“, so der Autor, „denn es sind die Geschichten, die das Leben schreibt – also Zeugnisse jener Zeit mit all ihren magischen Momenten, Verrücktheiten, Überraschungen und Übergriffen“.
Erinnerungen an herausragende Persönlichkeiten
Immer wieder unterbricht Rehberger seine Lesung und gibt Raum für Fragen und Rückblicke in jene Nachkriegszeit, deren Geschichten bis in die Siebzigerjahre reichen. Nicht zu vergessen: die genannten herausragenden Persönlichkeiten, die den Zuhörern ein Begriff und auch ein Schmunzeln wert waren. Nach den Namen Gebhardt Lui, Goofy und Hugo, Kulli und Hemnes oder vom Härnche, dem Nerv und dem Monnée, benannte Rehberger die Kapitel in seinem Buch.
Das Titelbild zeigt eine typische Kneipenszene im Annenhof. „Eigentlich habe ich nach einem Titelbild mit einem Motorradfahrer gesucht. Das Zweirad spielte eine wichtige Rolle in der Zeit, weil viele kein Geld für ein Auto hatten“, so Rehberger, „Leider habe ich kein geeignetes Material gefunden. So bin ich durch Zufall an das Bild vom Annenhof gekommen.“
Zwischen den Kapiteln, die Rehberger präsentiert, wird diskutiert, wie viele Kneipen es in Rockenhausen gab. „Zu Glanzzeiten dreißig“, meint Rehberger. Angefangen beim Portofino, den Gasthäusern Schwanen, Eberle und Enders bis hin zum Gass. „Manche davon waren von CDU oder SPD belastet und manche waren einfach langweilig“, erinnert sich der Autor.
Publikum fühlt sich gut unterhalten
Für manchen Nicht-Nordpfälzer, der die Zeilen liest und nicht jedes pfälzische Wort versteht, ist im Glossar das meiste übersetzt. „Ich bin mit diesen Geschichten groß geworden“, freut sich Ulrich Haag, dessen Vater Willi, der Besitzer des Annenhofs, auf dem Titelbild zu sehen ist. „Rehberger hat viel Material von meinen Vater bekommen. Es ist beeindruckend, wie genau er die Nachkriegszeit wiedergibt. Ich habe mich selbst als Jugendlicher in dieser Zeit sehr gut unterhalten gefühlt“, sagt Thomas Rusch aus Rockenhausen. Reinold Rehberger freut sich über noch mehr Augenzeugenberichte aus der Vergangenheit. Die Erfahrungen aus den Dörfern möchte er weiterhin aufschreiben.
Eine Trilogie soll entstehen, das dritte Buch ist schon geschrieben. „Das ist mein Vermächtnis an die Nordpfalz“, so Rehberger. Im ersten Teil schrieb er über die Familie, im aktuellen zweiten Buch geht es um Lebenskraft und Lebensfreude. „Das letzte Buch ist gegen Krieg und Gewalt.“
Der Autor:
Reinold Rehberger ist Verfasser von einem halben Dutzend zeitgeschichtlicher Bücher über die Nordpfalz, darunter die aktuelle Trilogie, aus deren zweiten Band er gelesen hat. Er wurde 1946 in Rockenhausen geboren und lebt und arbeitet mittlerweile als Journalist in der Nähe von München. Er war Redakteur in vielen deutschen Großverlagen, sowie Freier Journalist in Zürich. Er verfasste als Ghostwriter die Autobiografie „Ich hab da mal was vorbereitet“ von Jean Pütz. Außerdem ist er Co-Autor des Buches „Das haben wir nicht gewollt! Was aus den Idealen der 68er geworden ist – eine Abrechnung mit der Gegenwart“.