Donnersbergkreis Bedarf an Ganztagsplätzen steigt

Die Planung des Kreises für das kommende Kita-Jahr steht. Der Jugendhilfeausschuss hat am Dienstag den Kindertagesstättenbe-stands- und -bedarfsplan 2014 gebilligt, der eine weitere Ausweitung des Betreuungsangebots vorsieht, allerdings fallen die Veränderungen geringer aus als in den Vorjahren.
Das Platzangebot steigt im kommenden Kita-Jahr um 25 auf dann 3062. Diese Aufstockung trotz weiter schrumpfender Jahrgangsstärken folge dem Eintreten für Bildungsgerechtigkeit, „das ist ein hohes Gut, das wir sicherstellen wollen“, sagte Landrat Winfried Werner bei der Vorstellung des Plans. Alle Kinder sollen die gleichen Bildungschancen haben, und das betreffe auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Deutlicher fällt die erneute Ausweitung der Ganztagsbetreuung aus, bei der die verfügbaren Plätze um 113 auf dann 1458 zulegen. Neben der Kleinkinderbetreuung ist es insbesondere dieser Entwicklung geschuldet, dass fünf weitere Erzieherstellen geschaffen werden, so Werner. Die Nachfrage nach Ganztagsbetreuung steigt seit Jahren stetig (siehe Grafik). Bei den Einjährigen werde verfahren wie im Vorjahr, das heißt, für die Hälfte des Jahrgangs würden Plätze bereitgestellt. Damals war völlig unklar, wieviele Einjährige tatsächlich kommen würden. Inzwischen könne auf die Erfahrung eines Jahres zurückgegriffen werden, und da sei für 17 Prozent der Kinder vom Betreuungsangebot der Kitas Gebrauch gemacht worden. „Aber der Anteil der Einjährigen wird weiter steigen“, ist sich Werner sicher. Bei den Zweijährigen hätten sich die Zahlen ähnlich entwickelt, und inzwischen kämen 95 Prozent dieser Altersgruppe in die Kitas. Die weitere Stellenmehrung hat zur Folge, dass die im Haushalt eingestellten 8,7 Millionen Euro um etwa 90.000 Euro zu gering veranschlagt seien. Rechne man die dreiprozentige Tarifsteigerung hinzu, werde der Kreis bis Ende des Jahres etwa neun Millionen Euro für die Kitas aufzuwenden haben. Einen Dissens mit Kirsch hinsichtlich der Belegungspraxis der protestantischen Kita Winnweiler brachte deren Leiterin Ute Knobloch zur Sprache. Die Plätze würden in der Reihenfolge der Anmeldungen vergeben. Dadurch könne es vorkommen, dass für Zweijährige Plätze für spätere Monate zugesagt seien und für Kinder, die zwischenzeitlich neu zuzögen, keine Plätze mehr vergeben werden können. Sie betonte, dass die 90 Plätze ihrer Kita nur knapp ausreichend und durch die Neubaugebiete Zuzüge schwer kalkulierbar seien. Knobloch beklagte, dass Kirsch in einem für sie aufwühlenden Gespräch vor Ort mit finanziellen Konsequenzen „gedroht“ habe, etwa wenn der Rechtsanspruch auf Kita-Betreuung eingeklagt werde, auch könne Personal gekürzt werden, wenn die Kita dadurch, dass Plätze durch Zusagen für spätere Termine gesperrt seien, aktuell nicht voll belegt sei. Die Vergabepraxis sei von der Rechtsabteilung der Landeskirche geprüft und so auch empfohlen worden. Knobloch verwies auch auf die hohe Belastung und die dennoch großen Anstrengung en in der Leitbildentwicklung, in der konzeptionellen Gestaltung. Die Vergabepraxis sei transparent, gerecht und für die Eltern planbar. Sie schlage vor, die Einzugsbereiche zu lockern und eventuell freie Kapazitäten in umliegenden Einrichtung verfügbar zu machen. Kirsch wies zurück, „gedroht“ zu haben, es sei legitim, auf Konsequenzen hinzuweisen. Dass Kinder abgewiesen werden, obwohl Plätze aktuell frei, aber für spätere Belegungen fest zugesagt seien, widerspreche seiner Rechtsauffassung. Einzugsbereiche zu lockern, löse das Problem nicht, sondern führe dazu, dass eine andere Kita „die Zeche zahlen muss“. Auch Werner plädierte dafür, aktuell freie Plätze zu vergeben und dann für das weitere Vorgehen nach Lösungen zu suchen, das sei der pragmatischere Weg. Pragmatismus sei jeden Tag geboten, merkte Knobloch an und bat zu bedenken, ob nicht bei der Bedarfsplanung im Blick auf die Neubaugebiete in Winnweiler ein Faktor X mit einzukalkulieren sei. „Der Donnersbergkreis hat seine Hausaufgaben gut gemacht“, würdigte Claudia Manz-Knoll den Sachstand. Gleichwohl blieben Zwänge und Probleme, die belastend seien. Die Integration Einjähriger sei konzeptionell schwierig, der Personalschlüssel mit 1,75 Fachkräfte für eine kleine altersgemischte Gruppe „absolut nicht ausreichend“. Sie stelle auch fest, dass die Belastungssituation in kleinen Kitas deutlich größer sei als in großen, wo mehr Flexibilität möglich sei. An Knobloch anknüpfend, sprach Manz-Knoll die Situation an, dass häufig Eltern sehr kurzfristig mit ihren Kindern kämen und auf den Rechtsanspruch pochten, während gerade die Eingewöhnung neuer Kleinkinder Zeit brauche. Ein situationsbedingtes Ab- und Zugeben sei der pragmatische Ansatz, merkte Werner dazu an. Die Kita-Fachberatung, die momentan krankheitsbedingt unterbrochen sei, werde fortgeführt, sicherte er zudem auf eine Nachfrage Claudia Manz-Knolls hin zu. (bke)