Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Baum des Lebens mitten im Grünen

Der weltbekannte Klarinettist Giora Feidmann spielte anlässlich der Denkmals-Einweihung in Reipoltskirchen.  Foto: Sayer
Der weltbekannte Klarinettist Giora Feidmann spielte anlässlich der Denkmals-Einweihung in Reipoltskirchen.

In seinem Geburtsort Reipoltskirchen erinnert seit dem Wochenende ein Denkmal an den jüdischen Rabbiner Elias Grünebaum (1807-1893). Geschaffen hat die Skulptur „Baum des Lebens“ der Künstler Stefan Engel aus Schweisweiler. Der weltbekannte Klarinettist Giora Feidman setzt bei der Zeremonie einen besonderen Akzent.

REIPOLTSKIRCHEN. Mit den melancholischen Klängen von „Shalom chaverim“ stimmte Feidman, der weltbekannte Interpret jüdischer Klezmermusik, zwischen seinen Auftritten in Idar-Oberstein und Offenbach-Hundheim auf die Feier ein. Einfühlsam, emotional und nachdenklich waren die Stücke, mit denen der 84-jährige Weltstar das Publikum begeisterte.

Anwesend bei der Zeremonie waren auch Nachkommen Grünebaums. Christine Bannack (74), eine Ururenkelin, war aus Heidelberg angereist. Mit ihrem Cousin Werner Bischoff (81), der aus Althornbach stammt und in Dresden lebt, nutzte die ehemalige Lehrerin die Einweihung zu einem Familientreffen.

Baum, Menora und segnende Hände

Bei der Einweihung am Fuße des Wasserburg bezeichnete Engel es am Samstag als „eine anspruchsvolle Aufgabe“, eine Skulptur für den aus Reipoltskirchen stammenden Rabbiner Grünebaum zu fertigen. Die in blauer Keramik gestaltete Skulptur erinnert, wie Engel sagt, „in abstrakter Formsprache“ an eine Art Baum und zugleich auch an die Menora, den siebenarmigen Leuchter. Neben dem Davidstern sei die Menora eines der wichtigsten Symbole des Judentums und ziere auch das israelische Staatswappen. Das Werk zitiere ebenfalls die segnenden verschränkten Hände des Priesters, die häufig auf den Grabsteinen von Rabbinern zu finden sind.

Den Auftrag für die Grünebaum-Skulptur erhielt Engel vom Landkreis Kusel. Von dem Künstler stammen ebenfalls Skulpturen in Kusel und Viernheim, die an die Opfer der NS-Zeit und die Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten erinnern. Für eine Nische am Schwesternhaus in Reipoltskirchen fertigte Stefan Engel zudem eine blaue Skulptur, die den lateinischen Segensgestus mit Daumen sowie ausgestrecktem Zeige- und Mittelfinger zitiert.

Vertreter eines liberalen Judentums

Für den Historiker Roland Paul passt es „wunderbar“, dass mit dem Lebensbaum dem bedeutenden Rabbiner mitten im Grünen ein Denkmal gesetzt wird. Der langjährige Leiter des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde zeichnete den Lebensweg des Rabbiners nach, der am 10. September 1807 in Reipoltskirchen als Elie Benjamin geboren wurde. Erst ein Jahr später wurde für seine Familie gemäß einem napoleonischen Namensdekret Grünebaum als Name beurkundet. Elias Grünebaum, der nach dem frühen Tod des Vaters in Münchweiler an der Alsenz aufwuchs, nahm schon als 16-Jähriger das Talmudstudium auf, zunächst in Mainz, dann in Mannheim und Frankfurt am Main. Nach der Reifeprüfung in Speyer studierte er in Bonn und München Religionsphilosophie und Orientalistik.

Seine erste Rabbinerstelle trat er 1835 in Hoppstädten im damals oldenburgischen Fürstentum Birkenfeld an. Schon ein Jahr später setzte die Kreisregierung in Speyer Grünebaum, einen führenden Vertreter des aufgeklärten liberalen Reformjudentums, als Bezirksrabbiner in Landau ein, zuständig für 24 Gemeinden. Mit seiner Frau hatte er zwölf Kinder. Zum 50. Dienstjubiläum als Rabbiner in Landau wurde Grünebaum 1886 von Bayern-König Ludwig II. der Michaelsorden 2. Klasse verliehen. Er starb am 25. September 1893 in Landau wenige Tage nach seinem 86. Geburtstag.

In Landau trägt seit 2016 ein Platz den Namen des Gelehrten. Der „Elias-Grünebaum-Platz“ markiert den Ort, an dem von 1884 bis zu Zerstörung 1938 die wohl größte Synagoge der Pfalz stand. Die Anlage des Landauer jüdischen Friedhofs ebenso wie der Neubau der Synagoge sind maßgeblich auf den Einsatz Grünebaums zurückzuführen.

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