DANNENFELS RHEINPFALZ Plus Artikel BASF-Haus: Tut sich was im Dannenfelser „Lost Place“?

Das ehemalige BASF-Anwesen in Dannenfels. Im Herbstnebel strahlt das Ensemble eine gewisse Schönheit des Verfalls aus.
Das ehemalige BASF-Anwesen in Dannenfels. Im Herbstnebel strahlt das Ensemble eine gewisse Schönheit des Verfalls aus.

Seit fast 25 Jahren stehen die BASF-Gebäude in Dannenfels leer. Vor kurzer Zeit soll sich dort aber etwas getan haben. Kommt jetzt etwa neues Leben in den „Lost Place“?

Eine Leserin hat die RHEINPFALZ darauf aufmerksam gemacht: „Könnt ihr nicht mal nachforschen, was da auf dem BASF-Gelände los ist?“, fragte sie in der Redaktion an. Sie habe gesehen, dass da Maschinen im Einsatz seien, Gestrüpp gerodet und Gelände abgefahren werde. „Vielleicht macht ja endlich mal jemand was draus“, mutmaßte sie hoffnungsvoll.

Den meisten Dannenfelsern – und auch vielen Besuchern der Donnersberggemeinde – dürfte sie damit aus dem Herzen gesprochen haben, denn die beiden verlassenen Gebäude sind kein besonders erhebender Anblick. Außer, wenn sie in Herbstnebel gehüllt sind. Dann strahlen sie eine Art melancholische Schönheit des Verfalls aus.

Das ehemalige Schwesternwohnheim zieht sich ein gutes Stück entlang der Bastenhauser Straße.
Das ehemalige Schwesternwohnheim zieht sich ein gutes Stück entlang der Bastenhauser Straße.

An den meisten Tagen aber wirken sie einfach verwahrlost und verlottert – keine gute Visitenkarte für den Ort, der gerne in Sachen Fremdenverkehr punkten möchte. Sogar auf einer Website für sogenannte „Lost Places“, übersetzen kann man das am besten als „Orte, die dem Verfall preisgegeben sind“, waren die Gebäude vor einigen Jahren verzeichnet. – Prompt kam es in der Folge zu Fällen von Vandalismus.

Erholungsheim für tuberkulosekranke BASF-Mitarbeiter

Erbaut wurden die beiden Häuser im Jahr 1893 von der BASF. Das Hauptgebäude als Heilstätte und Erholungsheim für tuberkulosekranke Mitarbeiter, das Haus direkt an der Straße als Schwesternwohnheim. 1972 wurde der Klinikbetrieb eingestellt, danach nutzte das Unternehmen die beiden Gebäude für Mitarbeiterschulungen – bis im Jahr 2000 der Modernisierungsaufwand so groß wurde, dass sie nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden konnten. 2006 erwarb ein Architekt aus Oppenheim das Areal, wollte mit seiner Familie dort Ferienwohnungen und Gastronomie anbieten. Die Pläne zerschlugen sich aber, das Ensemble stand jahrelang zum Verkauf. Weitere potenzielle Investoren kamen, sprangen aber schnell wieder ab.

Wie vernachlässigt das Gebäude ist, zeigt sich beim näheren Hinsehen.
Wie vernachlässigt das Gebäude ist, zeigt sich beim näheren Hinsehen.

Bis im Dezember 2018, vor knapp sechs Jahren, ein Geschäftsmann aus Kaiserslautern mit gigantischen Plänen an die Öffentlichkeit ging: 30 bis 40 seniorengerechte Wohnungen wollte der potenzielle Investor schaffen, außerdem Gewerbeeinheiten wie Backshop, Café, gehobene Gastronomie, Beauty-Salon, Dorfsupermarkt, Poststelle. Ferner war angedacht, Räume an eine Physiotherapie oder Arztpraxis und einen Pflegedienst zu vermieten. Acht bis neun Ferienwohnungen sollten außerdem auf dem Gelände entstehen – und, als Krönung und zum Teil in den Berg hinein gebaut: ein Schwimmbad mit Sauna. Auch eine in den Berg gebohrte Tiefgarage mit zwei Etagen und 80 Stellplätzen stand in den Plänen. „Casa Jovis“ lautete der Name für das ambitionierte Projekt – nach dem römischen Namen für den Donnersberg, Mons Jovis.

Projekt entpuppt sich als Luftnummer

Bei der Vorstellung im Gemeinderat hatte der Investor noch davon gesprochen, dass die Finanzierung, eine Summe im zweistelligen Millionenbereich, gesichert sei. Wie sich aber schnell herausstellte, war sie das keineswegs. Vielmehr erwies sich das Ganze als Luftnummer. „Traumtänzer!“, lautete der Kommentar des damaligen Ortsbürgermeisters Ernst-Ludwig Huy. Kurz nachdem er den Kaufvertrag unterschrieben habe, sei dem Investor in spe offenbar aufgegangen, dass er das Geld doch nicht auftreiben konnte, sagte Huy der RHEINPFALZ damals im Nachgang. Folglich trat er vom Kaufvertrag zurück, bevor dieser Rechtskraft erlangte.

Blick durch den Bauzaun auf das Hauptgebäude.
Blick durch den Bauzaun auf das Hauptgebäude.

Die Gemeinde Dannenfels sähe das Gelände am liebsten wieder als Reha-Einrichtung oder auch als Seniorenwohnanlage mit integrierter Betreuung. Auch mit einer touristischen Nutzung könnte sie sich anfreunden. Was ihr aber nicht gefallen würde, wäre der Umbau in ganz normale, privatwirtschaftlich betriebene Wohneinheiten. Entsprechend hatte der Bebauungsplan reine Wohnbebauung lange Zeit kategorisch ausgeschlossen. Weil sich aber niemand fand, der die Wünsche der Gemeinde umsetzen wollte, wurde schließlich zähneknirschend die bis dato bestehende Veränderungssperre aufgehoben und der Weg auch für Wohnbebauung freigemacht.

Eigentümer hat noch keinen Bauantrag gestellt

Vor drei Jahren wurde das Gelände dann tatsächlich verkauft. Optisch verändert hat sich dort bisher allerdings noch nicht viel – bis auf die Erd- und Rodungsarbeiten, die unserer Leserin aufgefallen sind. Laut Ortsbürgermeisterin Katharina Gaß liegen seitens des neuen Eigentümers noch keinerlei Anträge vor, er habe auch noch keine Bauvoranfrage gestellt. Er habe wohl Ideen, was mit der Immobilie geschehen soll, konkret sei ihres Wissens aber noch nichts.

Die Maschinen stehen auf dem Gelände.
Die Maschinen stehen auf dem Gelände.

Auf Nachfrage der RHEINPFALZ hat der Mann, der zum aktuellen Zeitpunkt auf keinen Fall namentlich genannt werden möchte, dies bestätigt. Konkrete Maßnahmen habe er noch nicht eingeleitet. Zuerst einmal müsse das Gelände vorbereitet werden. „Es wird generell aufgeräumt, wir haben Dreck abgefahren und einiges weggeräumt“, sagte er. Er wolle mit seinem Vorhaben erst an die Öffentlichkeit gehen, wenn die Dinge spruchreif seien. „Andere sind da mit hochfliegenden Plänen angekommen und gescheitert, ich mache das Gegenteil“, sagte er.

300 Betten, 300 Schränke, 400 verschimmelte Betttücher

Dass sich auf dem Gelände, von den Rodungsarbeiten einmal abgesehen, so gar nichts tue, will er nicht stehenlassen: „Es wird viel geredet, aber was wir wirklich in den vergangenen drei Jahren gemacht haben, sieht man von außen ja gar nicht.“ Die Inneneinrichtung der Gebäude sei teilweise noch vorhanden gewesen – in einem vergammelten Zustand. „Das sind dort ja mehr als 100 Zimmer. Wir mussten über 300 Betten wegschaffen, dazu 300 Schränke, mehr als 400 Betttücher, die völlig verschimmelt waren, mussten raus. Wir haben die Tapeten entfernt, Fliesen rausgerissen, das ist ein Riesenaufwand, und das dauert.“ Zumal er die Arbeiten mit einem kleinen Team erledige und sich dafür auch die nötige Zeit nehme: „Mit Ruhe und Gemütlichkeit, das senkt auch die Kosten.“

Die Arbeiten, auch auf dem Gelände, seien übrigens noch nicht beendet. „40 Lkw-Ladungen Gestrüpp muss noch weg.“ Dass im Moment alles still stehe, liege an der Jahreszeit. „Von Oktober bis Ende April sind wetterbedingt keine Arbeiten möglich, jetzt hatten wir dieses Jahr auch noch ein schlechtes Frühjahr mit viel Regen.“ Mit anderen Worten: In den Lost Place soll wohl tatsächlich wieder Leben kommen. Wie lange es noch dauert, das ist eine andere Frage.

Das gesamte Ensemble auf einem Blick.
Das gesamte Ensemble auf einem Blick.
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