Donnersbergkreis Bürgerladen in arger Schieflage

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Die Schließung unseres Bürgerladens würde uns hart treffen“: Diethard Denda spricht vielen Höringern aus der Seele. Mit viel Eigeninitiative ist in der kleinen Donnersberggemeinde ein Geschäft aufgebaut worden, das die Bürger vor Ort mit den Dingen des täglichen Bedarfs versorgt. Jetzt aber steht der Bürgerladen auf der Kippe. Die finanzielle Schräglage ist nach Angaben des Trägervereins vor allem auf den Mindestlohn zurückzuführen.

Das einzige Lebensmittelgeschäft in Höringen hat vor mehr als zehn Jahren geschlossen. „Plötzlich standen wir ohne Grundversorgung da“, erinnert sich Ortsbürgermeister Helmut Eisenbeiß (SPD). Er informierte sich bei mehreren Bürgerläden, fuhr bis in den Hunsrück. Ein eigens gegründeter Verein öffnete im Februar 1994 die Türen eines Ladens in der Hauptstraße. Außer in Morschheim ist weit und breit keine Einkaufsmöglichkeit dieser Art übrig geblieben. Doch steht nun der Bürgerladen vor dem Aus. Die finanzielle Seite bereite Kopfzerbrechen, sagt der Ortsbürgermeister, zugleich Vorsitzender des Vereins „Bürgerladen Höringen“. „Wir sind nicht auf Rosen gebettet, und nur durch ehrenamtlichen Einsatz ist das Geschäft zu stemmen.“ Dann gab es einen zusätzlichen Dämpfer aus Berlin. Mit der Einführung des Gesetzes zum Mindestlohn von 8,50 Euro je Stunde ist das Unternehmen mehr als gefährdet. Der Verein zahlt an die ehrenamtlich Beschäftigten eine Aufwandspauschale – 5,20 Euro die Stunde. Das Geschäft ist an sechs Tagen geöffnet, 33,5 Stunden kommen zusammen. Einer allein schafft das Pensum auf 65 Quadratmetern Fläche nicht. Eisenbeiß und die Zweite Vorsitzende Kornelia Busch leisten viele Stunden ohne einen Cent Entgelt. „Wir sind mit 5,20 Euro zufrieden“, sagt auch Verkäuferin Heidi Schöppler, die seit 2001 an Theke und Kasse steht. „Den Mehraufwand versuchen wir mit weniger Stunden für die Verkäuferinnen einzusparen“, so Eisenbeiß. Dafür müssten Busch und er mehr leisten, ohne finanziellen Ausgleich. „Wie soll ich mehr bezahlen und von was?“, fragt Eisenbeiß und legt Bilanzen vor. Der Jahresumsatz liegt bei rund 135.000 Euro, daraus resultiert ein Gewinn von knapp über 400 Euro. „Durch das Gesetz müssen wir für dieselbe Stundenzahl rund 8000 Euro mehr aufbringen“, sagt Eisenbeiß. Täglich kommt Diethard Denda in den Bürgerladen. „Ich wohne direkt nebenan“, sagt der 71-jährige Rentner. Was wird, wenn es mit dem Autofahren nicht mehr klappt? Noch kann er vor Ort einkaufen, die Brötchen für das Frühstück, Konserven für den Mittagstisch, Obst- und Frischgemüse zum Wochenende. „Die Schließung wäre schlimm, ich habe den Laden mit aufgebaut und war das zwölfte Mitglied im Trägerverein“, erklärt Denda seine Liebe zum Bürgerladen. „Gut, dass ich noch laufen kann, um selbst einzukaufen“, freut sich die 81-jährige Maria Freitag. In Nachbarorten Einkäufe tätigen, das geht nicht mehr. Die Witwe hofft, dass der Bürgerladen nicht schließen muss. „Ein solcher Schritt wäre schlimm für uns Höringer“, meint die 81-Jährige. Mit ihren Einkäufen vor Ort will sie Laden und Verein unterstützen. Regelmäßig tut das auch Marianne Becker. Sie lobt das breitgefächerte Sortiment. Und sie findet es nicht gut, dass Einheimische zum Einkaufen wegfahren, wo es doch vieles vor der Haustür gebe. Marianne Becker fände es schade, wenn der Laden schließen müsste. Für sie ist es denkbar, bei Bedarf im Bürgerladen und im Verein mitzuarbeiten. Ihre Familie gehört dem Verein schon an und leistet damit einen Beitrag zum Betrieb. „Ich suche Herdputz für meinen Holzherd“, bittet eine Seniorin das Personal um Hilfe. In den Regalen ist ein solch ausgefallener Artikel nicht zu finden. „Wir erfüllen auch Sonderwünsche“, sagt Eisenbeiß und verspricht, dass er das Reinigungsmittel besorgen werde. Eisenbeiß hegt die Hoffnung, dass der Gesetzgeber noch ein Einsehen hat. Er vergleicht das ehrenamtliche Engagement der drei Verkäuferinnen mit dem des Personals in Wanderhütten der Pfälzerwaldverein-Ortsgruppen. Der Vorsitzende sieht darin keinen Unterschied, da beide Personengruppen ehrenamtlich für einen Verein tätig sind. Deshalb sollte die Ausnahmeregelung auch für Bürgerläden gelten, findet Eisenbeiß – und ruft Politiker dazu auf, sich diesem Anliegen schnellstmöglich zu widmen, um den Fortbestand von Bürgerläden wie in Höringen zu sichern. Damals, zur Zeit der Gründung, seien Bürgerläden auf dem Lande gewünscht und gefördert worden. Jetzt, mit dem Mindestlohn-Gesetz, werde das Modell gefährdet, gar zunichte gemacht. Die Ortsgemeinde Höringen hat laut Eisenbeiß ihren Beitrag zur Versorgung der Menschen auf dem Land geleistet und will dies auch weiter tun. Der Chef vom Trägerverein meint: Signale in die Bundeshauptstadt Berlin seien genügend gesendet. In Höringen warte man nun sehnlichst auf eine Reaktion. (llw)

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