Donnersbergkreis
Börrstadt: Gartenbahn jetzt auch barrierefrei
„Nächster Halt: Börrstadt!“ – Große Züge halten in dem 1000-Seelen-Dorf schon lange nicht mehr. Dafür ist die Miniatur selbst nach 34 Jahren immer noch ein Hit: Bei herrlichem Sonnenschein feierte der Gartenbahnverein am Sonntag mit Jung und Alt Sommerfest. Perfekter Anlass für die Übergabe und Jungfernfahrt mit dem von der Sparkasse Donnersberg gesponserten barrierefreien Waggon.
„Bitte alle einsteigen!“, fordert der Schaffner geduldig die jungen Passagiere auf, in der Gartenbahn Platz zu nehmen, bevor die Rundfahrt über die etwa 400 Meter lange Gleisstrecke beginnt. Doch auch manch Erwachsener macht es sich auf dem Gelände nicht nur bei einem Stück Kuchen oder einem leckeren Mittagessen gemütlich, sondern will selbst mit der Bahn fahren. Bundesweit ist es die einzige Gelegenheit, mit einer Modellbahn im Maßstab 1:5 zu fahren, die für die Personenbeförderung zugelassen ist.
Bei der Fahrt durch die Anlage gibt es schließlich allerhand zu entdecken: So schlängelt sich die Preußische P8-Dampflok samt mehrerer Waggons über beschrankte und unbeschrankte Bahnübergänge vorbei an unzähligen Miniaturhäusern und einer Windmühle. Auch eine Brücke und ein Tunnel werden passiert, bevor sie am Bahnwärterhäuschen und dem Lokschuppen vorbei wieder in den Bahnhof zurückkehrt. Damit beim sehr gut besuchten Sommerfest jeder einmal in den Genuss einer Rundfahrt kommen kann, fährt zeitgleich ein weiteres selbstgebautes Modell des damaligen Gartenbahn-Gründers Karl-Heinz Jung in die entgegengesetzte Richtung.
Sparkassenspende ermöglicht neuen Waggon
Doch einen kleinen Haken gab es bislang bei beiden Modellen, weiß die Vorsitzende des Gartenbahnvereins, Christine Wagner: In den vergangenen Jahren habe die Gartenbahn häufiger Menschen mit Gehbehinderungen zu Besuch gehabt. Allerdings sei keiner der Personenwaggons barrierefrei und somit für Rollstuhlfahrer zugänglich. „Bislang war es nur bedingt möglich, im Rollstuhl sitzende Kinder mitzunehmen. Meistens haben wir sie herausgehoben und in die Waggons gesetzt. Bei Erwachsenen ging das aber nicht“, so Wagner.
Aus diesem Grund stand das Ziel, barrierefrei zu werden, schnell fest. „Wir wollen, dass jeder Gartenbahnbesucher die Bahn auch nutzen kann. Deswegen wollen wir Inklusion leben und mit einem barrierefreien Waggon die Integration in die Gesellschaft vorantreiben“, so Wagner. Auf eine Anfrage bei der Sparkasse Winnweiler sicherte man dort sofort zu, den Bau eines neuen Waggons für Rollstuhlfahrer mit 1000 Euro zu unterstützen.
Für Rollstuhlfahrer angepasst
Beim Sommerfest war es nun soweit: Stolz übergibt Marcus Ohler-Waldenberger, Filialleiter der Sparkasse Winnweiler, dem Gartenbahnverein den langersehnten neuen Waggon. Der kann nun im Handumdrehen den Bedürfnissen eines Rollstuhlfahrers angepasst werden, in dem die Mittelkonsole herausgenommen wird, die sonst als Sitzbank dient. Zudem kann der Wagen durch Erweiterungen links und rechts verbreitert werden, und extra angefertigte Schienen für die Rollstuhlräder sorgen für den sicheren Stand des Passagiers während der Fahrt.
„Jungfernfahrt hat uns Spaß gemacht“
Dass sich die Investition schon jetzt gelohnt hat, zeigt sich bereits auf der Jungfernfahrt. Als erste Rollstuhlfahrerin darf Claudia Schwalb freudestrahlend den neuen Waggon zusammen mit ihrer Familie einweihen. Auch die fünfjährigen Zwillinge Leni und Linn waren mit dabei. „Die Jungfernfahrt hat uns Spaß gemacht“, berichtet Vater Jörg Plattner, der ursprünglich aus Börrstadt stammt und extra für das Sommerfest mit seiner Familie anreiste. „Ich fand’s gut. Aber Papa, ich würde gerne dahinten etwas anmalen“, ergänzt Linn und deutet auf eine Station, an der der Gartenbahnverein verschiedene Holzspiele anbietet.
Der ehemalige Börrstadter Heinrich Fischer, der regelmäßig seinen Sohn und dessen Familie im Dorf besucht, empfindet das Sommerfest als Besucher in diesem Jahr ebenfalls als gelungen. „Die Resonanz von den Besuchern ist gut“, schätzt er ein. Dazu trage vor allem auch der angrenzende Spielplatz bei, der den Kindern eine gewisse Abwechslung biete. „Wir genießen den Freizeitwert der Anlage mit ihren schattigen Plätzen und der netten Gesellschaft“, freut sich der rüstige 68-Jährige vor allem aber über die idyllische Zeit mit Freunden und Familie.