Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Autorengruppe Wachtenburg-Donnersberg: Geschichten und Gedichte

Monika Böss entführte zur Geisterstunde in "Die blaue Stunde des Pfaus".
Monika Böss entführte zur Geisterstunde in »Die blaue Stunde des Pfaus«.

Unterschiedlichen und spannenden „Geschichten aus dem Museum“ durfte am Sonntag im Stadtpalais in Kirchheimbolanden gelauscht werden. Die Autorengruppe Wachtenburg-Donnersberg las im Rahmen einer Matinee Texte, die sich rund um im Museum ausgestellte Gegenstände und historische Ereignisse in der Kleinen Residenz ranken. Musikalisch eingerahmt wurde das Programm von Liedern, vorgetragen von Mitwirkenden der Musikschule Donnersberg.

Die Idee zur Lesung sei Anfang des Jahres entstanden, wie die Autorengruppe zur Begrüßung erklärte. Man habe sich Gedanken zum 1250-jährigen Stadtjubiläum Kirchheimbolandens gemacht und sich für einen Rundgang durch das Museum entschieden. Daraus sind Gedichte und Geschichten entstanden, die die fünf Autoren und Autorinnen nun im Musiksaal des Museums vortrugen.

Dichter Thomas Mayr eröffnete die gut einstündige Lesung mit einem Gedicht. Mayr betrachtete dabei den Besucher selbst als ein Museum, wie er erklärte. Mit „Jeder Mensch ist ein Buch, eine Arche, ein Museum“ warf er seinen lyrischen Blick auf Veranstaltungsort und Historie, hielt dem Besucher gewissermaßen einen Spiegel hin.

Von Römern und Kelten

Die Mörsfelderin Agathe Stellwagen widmete sich mit ihrem Beitrag der Entstehung des Donnersbergs. Sie folgte der Geschichte der Menschen, die sich rund um den erloschenen Vulkan angesiedelt und dabei ihre Spuren hinterlassen haben. Mit „wir leben in einer überschaubaren Zeit, ein Museum bewahrt die Erinnerung und regt uns zum Nachdenken an“, schlug Stellwagen dabei sowohl die gedankliche als auch schriftstellerische Brücke zum Stadtgeschichtsjubiläum.

Die in der Vorderpfalz lebende Autorin Beate Bushnell fühle ihre Wurzeln, die weit bis an den Donnersberg reichten, wie die Autorin eingangs erklärte. Inspiriert habe sie die Information, dass die Kelten vor der Besiedlung durch die Römer vom Donnersberg verschwunden seien. Dies „erschien ihr interessant, glaube jedoch, dass es da mehr gebe“, stellte Bushnell in den Raum. Ihre ganz eigene Version der Besiedlungsgeschichte formulierte sie in ihrer Kurzgeschichte „Der erste Römer auf dem Donnersberg“. Lebhaft schilderte sie darin die fiktive Begegnung zwischen den Römern Vitus und Marcus mit zwei vermeintlichen „Barbarinnen“ und eines imaginären Besuchs im keltischen Oppidum in der Nordpfalz.

Die Stunde des blauen Pfaus

Katrin Fuchs widmete sich im ersten ihrer beiden vorgetragenen Texte der Burg Neu-Bolanden. Den gedanklichen Brückenschlag verdankt die Autorin ihrer Herkunft aus Bolanden. „Burg Neu-Bolanden“ war der Titel des Textes, in dem sie mit „was war, ist Geschichte“ auf deren Verfall im Laufe der Geschichte einging. Die kürzlich erfolgte Teilrenovierung der Anlage inspirierte Fuchs jetzt auch literarisch zu deren „Befreiung vom Mantel des Vergessens“.

Die ebenfalls in Mörsfeld lebende Monika Böss führte die Anwesenden durch „Die Stunde des Blauen Pfaus“. Den im Museum ausgestellten, imposant wirkenden Vogel ließ sie durch das Palais streifen und dabei die dortigen Geister zum Leben erwecken. Es folgte die lebhafte Schilderung einer Geisterstunde mit zahlreichen Protagonisten der Kirchheimbolander Geschichte. „Dieses stolze Palais bewahrt die Erinnerung“, lässt sie den Pfau am Ende der Stunde sein wohlwollendes Resümee ziehen.

Unterhaltsamer Streifzug durch die Geschichte

Der Blaue Pfau inspirierte auch Katrin Fuchs zu ihrem zweiten Beitrag bei der Matinee. Mit „Eine Audienz beim König vom Kerchem“ beschrieb die Autorin den vermeintlichen Weg des stolzen Vogels an seinen heutigen Ausstellungsort in der Vitrine im Stadtpalais. Sich dort stets der Bewunderung der Besucher sicher sein zu können, sei schließlich ein wahrhaft gebührender Auftritt für den „König von Kerchem“.

Den literarischen Abschluss machte erneut Thomas Mayr. Im Gedicht „Die Fahne“ spielte er mit seinen Gedanken über die im Museum ausgestellte deutsche Flagge. Dass deren Farben im Laufe der Geschichte unterschiedlicher Symbolik und Interpretation unterworfen war, nun aber „aufgehängt sei. Im Museum“.

Für die Gäste bot die Lesung einen unterhaltsamen Streifzug durch Lokalgeschichte und Museum. Kibo las – und lauschte gebannt. Das macht Appetit auf weitere Entdeckungen und Veranstaltungen im Jubiläumsjahr. Und das nicht nur im Museum.

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