Donnersbergkreis Ausflug in die Geschichte
Die Steinbacher bezeichnen ihren Kerweumzug als den schönsten in der Verbandsgemeinde Winnweiler. Angeführt wurde er wie immer von der Kerwejugend. Dahinter folgten in einem einachsigen antiken Streitwagen der etwas schläfrig wirkende Kerweredner Nicolas Werner und sein Mundschenk Thomas Heger. Von der Kerwejugend gestaltete Motivwagen reihten sich dahinter ein.
„Mer hoffen die Kerb bleibt en Erfolg uff Dauer, danke für zehn Jahre Reiner Bauer“: Damit huldigte die Jugend ihrem bisherigen Ortsbürgermeister, der sich während seiner zehnjährigen Amtszeit stark für das Brauchtum Kerwe eingesetzt und die Jugend vorbildlich unterstützt hatte. Der Wagen zeigte einen übergroßen, etwas quadratischen Kopf, der mit einer dunklen Brille versehen war. Ansonsten lehnte sich die Steinbacher Jugend an die ägyptische Kultur an. Das machte sie mit dem Nachbau einer Pyramidengruppe deutlich. In ihrem mächtigen Kolosseum machten es sich auch Römer gemütlich. Ein imposanter Aufbau, der bei den Gästen viel Beachtung fand. „Komm vorbei und sing doch mit, das hält Geist und Seele zusammen“, stand in großen Buchstaben auf dem Kerwewagen des Männergesangvereins „Germania“. Die kleinen Besucher der örtlichen Kindertagesstätte nahmen als emsige Bienen am Umzug teil und wurden dabei von einem Gärtner begleitet. Die jüngsten Teilnehmer ließen sich in Bollerwagen durch den Ort ziehen. Die Steinbacher Wiesnfreunde nahmen zwar auch am Umzug teil, ihre wahre Liebe gehört aber einem anderen Ereignis: „Die Schoabacher Kerb iss fer uns nur en Teschd, richtisch Vollgas gewe mer uff em Oktoberfescht“, verkündeten sie auf ihren Spruchbändern. Zusammenhalt hat bei dieser Männergruppe einen hohen Stellenwert: „Wir lassen niemand zurück, auch Invaliden müssen mit“, verkündeten sie, und solch einen Gehbehinderten hatten sie in einen Begleitwagen gebettet. Schwerstarbeit hatten die Akteure der Pfrimmtal-Touristik zu verrichten: Zunächst schoben sie mit Muskelkraft die Pfrimmtalquelle durch Steinbach, dahinter einen mächtigen Baum als Symbol für die Waldflächen entlang der oberen Pfrimm. Eine Wikinger-Gruppe aus Breunigweiler machte sich lautstark bemerkbar und verwies auf ihre Aktivitäten der nächsten Monate. Ausgestattet waren sie mitten im Sommer mit Nikolausmützen. Aus Kirchheimbolanden präsentierten sich im Cabriolet Bierkönig Helmut I. und Braugerstenkönigin Ronja I. Ein mobiles Glücksrad transportierten eine Jugendgruppe aus Frei-Laubersheim durch die Ortsstraßen. Für musikalische Klänge sorgten der Musikverein Steinbach und die „Igelumer Rotwoigeister“ mit Guggemusik. Gastspiele gaben Abordnungen der Kerwejugend aus Lohnsfeld, Börrstadt, Breunigweiler, Dannenfels und Weitersweiler. Die Dreiser begeisterten mit einem Partywagen mit dem Motto „Ihr hupt, wir trinken“. In der anschließenden Kerwerede glossierte Nicolas Werner das dörfliche Geschehen. Dabei ging er sowohl auf die politische Entwicklung als auch auf das Verhalten von Vereinsmitgliedern ein. Für den Ausklang des Tages sorgte Kalli Koppold aus Einselthum mit seiner in der Nordpfalz bekannten Stimmungsmusik. Am Dienstag endete das Brauchtumsfest mit Leberknödel beim Musikverein und dem abschließenden Kerwebegräbnis.