Donnersbergkreis
Aufklärung statt Impfpflicht
Noch lässt es sich nicht abschließend beurteilen, wie die Impfbereitschaft bei den Zoar-Mitarbeitern sein wird. In den Zoar-Wohnanlagen im Donnersbergkreis allerdings haben sich 75 Prozent gegen Corona impfen lassen. Das sei, so Erich Rose, Leiter der Fachabteilung Altenhilfe, aus seiner Sicht zwar noch nicht ganz zufriedenstellend. „Ich würde mir schon wünschen, dass die Impfbereitschaft gerade bei den Mitarbeitern noch besser wird“, so Rose. Denn immerhin habe man ja den Heimbewohnern gegenüber da auch eine Verantwortung. Er sei aber fest davon überzeugt, dass es sich viele noch überlegen, und dann doch „ja“ zu dem Pieks sagen werden. Den Weg dahin sieht er allerdings nicht in einer Impfpflicht, wie sie vom bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder angedacht wurde. „Wir setzen da auf Aufklärung, wir wollen die Leute mitnehmen und nicht zu etwas zwingen“, so Rose. Das, so ist er sicher, sei langfristig der bessere Weg.
Entweder impfen oder infizieren
„Eine Impfpflicht würde ich nicht befürworten“, sagt auch Norbert Pasternack, Geschäftsführer der Ökumenischen Sozialstation in Rockenhausen. Stattdessen versuche man, mit wissenschaftlichen Ausarbeitungen zum Thema Impfen, den Mitarbeitern Fragen zu beantworten und die Angst zu nehmen. So wurde eine Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft verschickt, in der beispielsweise die schnelle Zulassung der Impfstoffe von Biontech/Pfizer erläutert wird, die viele Mitarbeiter skeptisch macht. Es wird darin erläutert, dass das Impfverfahren auf Erkenntnissen basiert, die keineswegs neu sind, sondern aus der Grundlagenforschung der letzten 15 Jahre resultieren. Und dass bei der Biontech/Pfizer-Studie sich innerhalb von dreieinhalb Monaten 43.500 freiwillige Studienteilnehmer fanden. Alleine so viele Freiwillige zu finden, dauert in anderen Impfstudien oft Jahre.
Er hoffe sehr, dass sich viele Pflegekräfte der Sozialstation Rockenhausen impfen lassen werden, so Pasternack. „Wir haben hier intern schon viel über die Impfung gesprochen, auch durchaus kontrovers“. Einige Mitarbeiter hätten noch Vorbehalte. „Sie befürchten, dass es zu starken Nebenwirkungen kommt“. Manche hätten etwa erlebt, dass sie nach einer Grippeimpfung Fieber bekommen hatten. Andere seien generell bei Impfungen skeptisch.
„Meine Argumente sind da ganz einfach: Entweder man lässt sich impfen, oder man wird früher oder später infiziert“, ist sich Pasternack sicher. Abgesehen davon sei er davon überzeugt, dass „wir Corona erst loskriegen, wenn genug Menschen geimpft wurden“. Dabei sei ihm durchaus bewusst, dass es zu Impfreationen kommen könne. „Man kann Fieber bekommen oder Kopfschmerzen, das ist bekannt“, so Pasternack. Doch das sei vorübergehend, und einen Grund gegen eine Impfung sehe er darin nicht.
In der Sozialstation hoffe man darauf, dass die Impfung der Führungskräfte dort eine Vorbildfunktion habe, und dazu beitragen könne, die Ängste zu nehmen. „Ich selbst bin laut Impfplan noch nicht berechtigt, ansonsten würde ich mich sofort impfen lassen“, so Pasternack.
Wenn Impfpflicht, dann nicht nur für die Pflege
„Ich bin gegen eine Impfpflicht, insbesondere so wie sie in Bayern diskutiert wird. Wenn Impfpflicht, dann für alle und nicht nur für Pflege. Grundsätzlich denke ich jedoch, dass es in erster Linie eine persönliche Entscheidung bleiben muss, ob sich jemand impfen lässt.“ Damit reagiert Andrea Bergsträßer, Pflegedirektorin des Westpfalz-Klinikums, auf den Vorstoß Söders zur Impfpflicht. Zumal die Impfbereitschaft unter der Belegschaft im Westpfalz-Klinikum generell gut sei, so Pressesprecherin Hanna-Maria Weills. Die Impfungen der Krankenhausmitarbeiter haben inzwischen begonnen, auch in den Donnersberger Standorten.
Die gute Impfbereitschaft sei sicher auch auf das Informationsangebot zurückzuführen, das intern sowohl bei Online- als auch bei Präsenzveranstaltungen angeboten wurde. Dabei klären Ärzte aus dem Klinikum über die Wirkweise der Impfung auf und beantworten Fragen wie: „Müssen Menschen geimpft werden, die bereits eine Coronaerkrankung hatten?“, „Wie lange hält der Impfschutz an?“, oder „Verändert die Impfung das Erbgut?“ Diese und andere häufige Fragen werden in einem Interview von Burghard Schumacher, dem Chefarzt der Inneren Medizin in Kaiserslautern, in einem Video beantwortet.
Impfpflicht könnte abschreckend wirken
Gegen eine Impfpflicht für Pflegekräfte spricht sich auch Bernadette Sohns von der Ökumenischen Sozialstation Donnersberg Ost aus. Sie befürchtet gar, dass diese Pflicht manche Pflegekräfte zu einer Kündigung bewegen oder Berufsinteressenten abschrecken könnte. Sie habe durch Gespräche mit den Mitarbeitern den Eindruck gewonnen, dass generell die Bereitschaft zur Impfung vorhanden sei und die Wichtigkeit auch gesehen werde. Um Unsicherheiten zu nehmen, wurde ein interner Chat eingerichtet mit etlichen Links zum Thema. „Ich denke, die Aufklärung ist hier das Wichtigste“, so Sohns.
Vereinzelt würden auch Mitarbeiterinnen mit ihr das Gespräch suchen, weil sie noch unsicher seien. Meist gebe es dabei aber spezielle Fragen, beispielsweise eine Grunderkrankung oder eine Allergie betreffend. „In diesen Fällen muss ich die Mitarbeiter dann ohnehin an ihre Ärzte verweisen“, sagt Sohns.