Donnersbergkreis Auf der Pulvermühle wird weiter gebacken

Fliegender Wechsel: Richard Hörhammer (2.v.l.) übergibt den Brotschieber an seinen Sohn Michael und geht mit seiner Ehefrau Erik
Fliegender Wechsel: Richard Hörhammer (2.v.l.) übergibt den Brotschieber an seinen Sohn Michael und geht mit seiner Ehefrau Erika (links) in Ruhestand. Angela Böhmer (rechts) unterstützt ihren Lebensgefährten bei der Führung der Bäckerei auf der Lohnsfelder Pulvermühle. Hier wird mittlerweile in fünfter Generation gebacken.

Heute ist die Pulvermühle geschlossen – Montag ist Ruhetag. Um ein Haar hätte aber die Traditions-Bäckerei auf dem zu Lohnsfeld gehörenden Hof auch morgen nicht geöffnet. Und übermorgen. Besser gesagt: Überhaupt nicht mehr. Denn mit dem 1. Oktober sind Inhaber Richard Hörhammer und seine Ehefrau Erika in Ruhestand gegangen. Ihr Sohn Michael und dessen Lebensgefährtin Angela Böhmer haben lange überlegt, ob sie die Konkurrenz mit Back-Centern und den Kampf mit zunehmenden Lebensmittelvorschriften aufnehmen sollen. Die gute Nachricht für die vielen treuen Kunden: Der 38-Jährige führt zusammen mit seiner Partnerin den Betrieb weiter. Und das Paar hat eine Menge vor.

Wenn schon, denn schon: Das haben sich der Bäckermeister und Betriebswirt des Handwerks sowie die hauswirtschaftliche Betriebsleiterin, die auch eine Lehre als Bürokauffrau absolviert hat, nach ihrer Entscheidung pro Bäckerei gesagt. Was die zwischen Lohnsfeld und Wartenberg-Rohrbach an der L 401 gelegene Pulvermühle stark und über den Kreis hinaus bekannt gemacht hat – allen voran die Qualität ihres auf Urgetreide setzenden Bauernbrots aus dem Steinbackofen – soll beibehalten, daneben aber sukzessive auch Neues angeboten werden. So freuen sich beide sehr darauf, ab 12. Oktober jeden Freitag mit einem Stand auf dem Rockenhausener Wochenmarkt vertreten zu sein. Und große Pläne gibt es mit einer alten, neben der Backstube auf dem Hof gelegenen Scheune, die zu einem schmucken Laden mit kleinem Café umgebaut werden soll (siehe „Zur Sache“). Doch zunächst werden der neue Inhaber und seine Partnerin ihre Kraft darauf verwenden, den Übergang von Senior- zu Junior-Chef reibungslos zu gestalten. „Im vergangenen Jahr um die Weihnachtszeit“, sagt Richard Hörhammer im Gespräch mit der RHEINPFALZ, sei in ihm und seiner Frau der Entschluss gereift, so bald es geht kürzer zu treten. Zum einen aus gesundheitlichen Gründen, zum anderen aber auch, weil es nach Jahrzehnten an vorderster Front einfach genug ist: Seit 47 beziehungsweise 41 Jahren steht das Ehepaar in der Backstube, am 1. August 1989 hat der heute 62-Jährige nach dem Tod seines Vaters die Bäckerei auf der 1774 erbauten Mühle übernommen. „Es gab Zeiten, gerade um Weihnachten, da bin ich nachts um zwei Uhr in die Backstube und habe abends um 22 Uhr das letzte Gebäck fertiggemacht, daneben auch noch drei Kinder groß gezogen“, berichtet Erika Hörhammer. „Es gibt auch noch ein Leben vor dem Tod“, ergänzt ihr Ehemann in seinem trockenen Humor, mit dem die beiden Hobby-Fasnachter seit vielen Jahren das Publikum in der Bütt begeistern. Umgehend hat Richard Hörhammer die insgesamt acht – allesamt langjährigen – Mitarbeiter informiert, den 30. September diesen Jahres haben die beiden als Termin für ihr Ausscheiden aus dem Berufsleben gewählt. Nach so langer Zeit ist da natürlich auch Wehmut dabei. Und zu Recht stolz ist das Paar darauf, sich in Zeiten der industriellen Großbäckereien (Richard Hörhammer: „Was die machen, kann das Handwerk sowohl von der Menge als auch vom Preis unmöglich leisten. Man muss sich spezialisieren.“) seit vielen Jahren am Markt behaupten zu können. Und das, obwohl vor zirka 20 Jahren der Bau der parallel zur L 401 – der früheren B 40 – verlaufenden Autobahn von Mainz nach Kaiserslautern der Pulvermühle sehr wehgetan hat. Als wesentlichen Faktor für den treuen Kundenstamm werten alle vier den intensiven persönlichen Kontakt. Neben dem Verkauf auf dem Hof selbst ist die Bäckerei seit mehr als 50 Jahren zweimal pro Woche auf dem Kaiserslauterer Markt präsent, daneben brummt von Dienstag bis Samstag täglich ein Verkaufsauto durch die Region rund um Lohnsfeld – von Imsbach bis Baalborn, von Höringen bis Breunigweiler. Und seit einiger Zeit beliefert Richard Hörhammer mit seinem „Frühstücksflitzer“ auf vorherige Bestellung Bewohner der Orte, die am Samstag mangels Kapazitäten nicht Bestandteil der regulären Tour sind. „Manchen legt man die Brötchen direkt auf den Frühstückstisch“, erzählt Richard Hörhammer, und Angela Böhmer ergänzt schmunzelnd: „Neulich hat mich eine Frau gefragt, ob ich ihr eine Kiste Holz aus dem Keller holen könnte – das macht man dann natürlich auch.“ Ausdrücklich danken möchten die beiden künftigen Rentner „für die jahrelange Treue unserer Kunden – und natürlich hoffen wir, dass sie auch weiter auf die Pulvermühle kommen“. Dass sie dazu die Möglichkeit haben, war lange ungewiss. Erst nach vielen intensiven Gesprächen mit seiner Lebensgefährtin hat Michael Hörhammer – seit 2000 im elterlichen Betrieb angestellt – entschieden, das Erbe seines Vaters anzutreten und in fünfter Generation die Bäckerei zu führen. „Immer mehr gesetzliche Vorgaben – vor allem seitens der EU –, die für einen kleinen Handwerker genauso gelten wie für einen industriellen Großbetrieb“, nennt der 38-Jährige als einen der Gründe für sein Zögern. Zum Beispiel hätte ihn das Erstellen einer Liste mit Allergenen – Zutaten in Lebensmitteln, die Allergien hervorrufen können – 3000 Euro an Personal gekostet, wenn er es nicht selbst „nebenbei“ erledigt hätte. „Das hat eine Großbäckerei auch – aber für 100 Filialen.“ Elementar war für ihn, dass Angela Böhmer ihren Job bei den Rockenhausener VG-Werken aufgegeben hat, um ihren Partner vor allem in organisatorischen und betriebswirtschaftlichen Dingen unterstützen zu können. Die „vielen, vielen aufmunternden und bestätigenden Worte unserer Kunden“ sowie die Beobachtung, dass neuerdings auch wieder vermehrt junge Familien den Weg auf die Pulvermühle finden, hat das Paar dazu bewogen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Angela Böhmer ist überzeugt, „dass die Menschen wieder mehr auf das Natürliche zurückkommen werden“ – hierfür sei das auf Getreidesorten wie Dinkel und Emmer setzende Sortiment der Bäckerei prädestiniert. Da zudem Michaels ebenfalls im Familienbetrieb tätiger Bruder Alexander Mithilfe zugesagt hat und die Eltern auch im Ruhestand wohl kaum gänzlich die Hände in den Schoß legen werden, packt der neue Inhaber die Aufgabe nun voller Optimismus an. Da beide über die Ausbildereignungsprüfung verfügen, sollen künftig wieder Lehrlinge eingestellt werden. Und mit dem Umbau der Scheune steht vielleicht schon kommendes Jahr das erste Großprojekt auf der Agenda. Die wichtigste Nachricht für die Kunden aber ist: Heute ist Ruhetag – doch morgen hat die Pulvermühle wieder geöffnet.

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