Donnersbergkreis Auf dem Hundeplatz fing alles an
. Der orange-transparente Flight ragt steil nach oben. Anvisieren, starrer Blick aufs Board. Dominik Appel greift das silberne Barrel vorne fest mit den Fingern. Dann schwingt er an. Eins, zwei, drei. Leicht in die Knie gebeugt steht Appel am Oche, schlaksige Statur. Bis der Wurfarm geradeaus reißt. Kerzengerade, mit Wucht. Durchziehen ist alles. Nur dann stimmt die Präzision. Als er den Pfeil aus der Hand gleiten lässt, schmettert der mit einem Höllentempo gegen die Flights der beiden Darts im Sisalboard. Ein kratziges Krachen, dann der dumpfe Schlag. 180. Alle drei Spitzen im schmalen Segment der Triple-20. Während Laien zuhause jetzt ausrasten und gleich ein Beweisfoto auf Facebook stellen würden, verzieht der 26-Jährige keine Miene. Ist ja nichts Besonderes mehr. „Als ich angefangen hatte, hat man sich noch über jeden Tripletreffer gefreut“, erzählt er. Heute kann das Maximum in einer guten Trainingssession locker fünf bis zehn Mal fallen. Und wenn Appel wirft, dann scheppert’s. „Man hat schon direkt gemerkt, dass er Talent für den Sport hat. Er hatte auch den Ehrgeiz, wollte sich selbst verbessern und Kontinuität in sein Spiel bringen“, sagt Winfried Matheis, Vorsitzender des DSV Donnersberg, Appels erstem Verein im Rheinland-Pfälzischen Dartverband (RPDV). Der Stein ins Rollen, oder eher der Pfeil ins Fliegen, war aber schon zuvor gekommen – auf dem Lohnsfelder Hundeplatz. Dort stieg Appel vor sieben Jahren bei den „Dartfreaks“ ein, trat erstmals regelmäßig bei Wettkampfspielen an. In der berüchtigten Kaiserslauterer Dienstags-Liga, einer Trainingsrunde, in der so ziemlich jeder spielt, der in der Region Rang und Namen hat. Noch heute läuft Appel für die „Dartfreaks“ auf. „Die ersten Spiele liefen eigentlich richtig gut“, blickt der Lohnsfelder zurück. „Aber ich war übelst nervös und hab’ die Doppel nicht getroffen.“ Mit der Zeit kam die Coolness – und er setzte die Darts beinahe in die schmalen Felder, wie er wollte. Nachdem er beim DSV eingestiegen war, sahnte er richtig ab: Erster in der Regionalliga-, direkt darauf in der Landesliga-Rangliste. Appel verzauberte, aus dem Nichts emporstoßend, die rheinland-pfälzische Szene. Und auch das Abschneiden bei den Samstags-Einzeln des RPDV konnte sich sehen lassen. Appel, das war jetzt eine Marke – die auch dem DV Kaiserslautern, Deutscher Meister, zweifacher DDV-Pokalsieger und Dart-Bastion im Bundesland, nicht entging. Der Lohnsfelder schleuderte serienmäßig Bestmarken raus. „Indem er sich in der Dienstags-Liga gut präsentiert hat und beim RPDV ganz vorne dabei war, war er ein Kandidat für uns“, meint Uwe Schmitt, Kapitän des Bundesligisten. „Unsere Philosophie hier ist, dass es auch menschlich passen muss. Er ist absolut zuverlässig, immer für die Mannschaft da und bereit zu helfen.“ Auch Matheis betont: „Dominik ist ein angenehmer Sportkamerad, der sich selbst vernünftig einschätzen und den Gegner honorieren kann.“ Appel ist bescheiden. Er protzt nicht, er spielt. Neben starken Leistungen das Eintrittsticket zum DVK. Jetzt steht er in seiner zweiten Bundesliga-Saison. Erfolgreich. Mittlerweile schleicht sich so etwas wie Routine ein – selbst wenn das Training rar ist, da er gerade an seinem Master in Biomedizin tüftelt. Höhepunkt in Appels Karriere war der grandiose Erfolg beim Top-48 des RPDV im Vorjahr. An Prestigewert kaum zu übertreffen, da stellen sich alle Kracher vor. „Wenn das erste Spiel gut läuft, läuft meistens auch der Rest. Bei so einem Turnier muss man Ausdauer haben, den Score lange aufrecht erhalten. Das klappt nicht immer, wenn man zehn Stunden am Stück werfen muss“, so der 26-Jährige. Genaues Gegenteil, Bundesliga. Pro Tag stehen zwei Einzel über maximal fünf Legs an. Die Form muss auf den Punkt passen. Wer schlechte fünf Minuten erwischt, vergeigt es. Appel weiß, wie das bei seinem Debüt vor über einem Jahr war. Fünf Stunden Fahrt bis zum Spielort. Und dann die Nervosität. „Ich habe im ersten Spiel drei 17-Darter kassiert, aber selbst auch die Doppel verzittert. Die Kollegen haben nur gemeint, die Ruhe kommt noch“, sagt er. Sie kam. Als Appel in seiner Mainzer Studentenbude am Küchentisch sitzt, erinnert er sich an die „alten Tage“. Kurios. An damals, als er mit Doppelpartner René Wünsche in Schweisweiler im Dorfkeller zockte, die alten Haudegen am Tresen saßen, drei, vier Bier wegnippten und über das Niveau staunten. An damals, als er mit einem Kumpel in einer Lauterer Kneipe einlief, prompt eine 180 in den Automaten knallte und vom Wirt einen Meter Altbier bekam. Appels Drei-Dart-Average, der Punkteschnitt einer Aufnahme, bewegt sich für gewöhnlich zwischen 75 und 85 – in Rheinland-Pfalz reicht das in Turnieren locker, um vorne mitzumischen. „Normal müsste ich öfter trainieren“, sagt er. Momentan unmöglich. Aber die Zeiten werden auch wieder besser…