Donnersbergkreis Auf Begeisterung folgt Verdruss
«Waldfischbach.» „Endlich“, atmeten die pfälzischen Tischtennisklubs auf, als sie im Mai die Nachricht empfingen. Was in anderen Landesverbänden längst Usus ist, tritt auch hier ein. Nachdem der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) die neue Wettspielordnung verabschiedete, steht fest: Dem lange gehegten Wunsch, Frauen in den Herren-Klassen einzusetzen, wird ab 2017/18 stattgegeben. Die Sache hat nur einen Haken. Und der vermiest gerade den höherklassigen Damen in der Pfalz das Zweitspielrecht.
Eigentlich, das gibt Silke Ermel zu, lasse sie an Tischtennis-Verbänden kein gutes Haar. Letztens aber, da ließ sich die Spielleiterin der TSG Zellertal zu einem selten wohlwollenden Wort hinreißen. Thema war das neue Einsatzrecht der Damen im Herrenbereich. Und Ermel, die seit Jahren diese Regelung fordert, schöpfte Hoffnung. Nicht alleine für ihren Verein. Mehr noch für das pfälzische Tischtennis, das nicht seit gestern erst mit wegbrechenden Aktivenzahlen ringt. Und zwar massiv. „Dieser Paragraf hilft einigen Mannschaften, am Leben zu bleiben“, lobte Ermel. Ohne den Damenersatz, legte sie offen, „hätten wir unsere Herren III nicht melden können“. Ganz klar: Die TSG-Funktionärin sah ihre ausgefuchsten Oberliga-Spielerinnen bereits in der Herren-Bezirksklasse an der Platte. Dort könnten sie mithalten. Auf jeden Fall ohne Probleme. Purer Optimismus, eine Linderung des Spielermangels in Sicht. Mit ihrer Zuversicht stand Ermel dabei in einer Reihe mit dem TTC Winnweiler und den TTF Rockenhausen. Sie alle wollten ihre stärksten Damen, bei personellem Engpass, in die Fahrwasser der Bezirksklasse und -liga werfen. Um keinen Qualitätsverlust verdauen zu müssen. „Es ist endlich ein Schritt nach vorne“, manifestierte noch in dieser Woche TTC-Präsident Gunter Franck. Die drei Klubs hatten die Teammeldungen eingereicht, ihre Damen als sogenannte „Weibliche Ergänzungsspieler“ (WES) ins System eingepflegt. Alles Schall und Rauch, verflogene Hoffnungen. Ziemlich überrumpelt wurden die Verantwortlichen nämlich, als eine Klarstellung des Pfälzischen Tischtennis-Verbands (PTTV) durchsickerte: Nur Spielerinnen der maximal 2. Pfalzliga Damen dürfen beim anderen Geschlecht aufgestellt werden. Wer in einer höheren Klasse gegen das Zelluloid schlägt, der wird mit einem WES-Verbot belegt. Heißt: Weder Rockenhausen und dem TTC Albisheim (jeweils 1. Pfalzliga), noch Zellertal und Winnweiler (jeweils Oberliga) bringt die Paragrafen-Revolution viel. Auf Begeisterung folgt Verdruss. Die scheinbar bahnbrechende Neuerung – mehrmals wurde bei der Delegiertenversammlung des PTTV das Zweitspielrecht blockiert – ist aufgeweicht. Quasi kaum der Rede wert. In diesem Fall nicht die Schuld des PTTV. Eher des Deutschen Tischtennis-Bundes. Der erarbeitete im Vorjahr jene neue Wettspielordnung. „Wir vom PTTV hätten die Möglichkeit gehabt, diese Regelung ganz abzulehnen. Aber der Widerstand der Vereine war sehr groß“, blickt Peter Baumann, Vizepräsident Sport, auf die Entscheidung zurück. „In erster Linie geht es darum: Zwei Damen eines Vereins können alleine keine Mannschaft stellen. Aber sie wollen ja auch für ihren Verein spielen.“ Da sie keiner Damen-Klasse angehören, können sie überall eingesetzt werden. Bis zur 2. Pfalzliga der Herren. Franck, der zwei Frauen-Teams ab der 1. Pfalzliga unterhält, reagierte ob der drastischen Eindämmung bedient: „Ich dachte, das wäre ein großer Schritt. Aber das ist so gut wie nichts. Irgendwann wird uns das Wasser so zum Hals stehen, dann kommen noch ganz andere Sachen.“ Daniel Heintz, Kapitän der TTF Rockenhausen, sieht in der Regel einen „Lari-Fari-Kompromiss“. „Nichts Halbes und nichts Ganzes“ sei das. Und auch Baumann gesteht: „Das ist nur eine leichte Lockerung gegenüber dem generellen Verbot.“ Also doch keine glänzenden Aussichten. Wer in der 2. Pfalzliga der Damen agiert, hat in etwa einen TTR-Wert von 1250 bis allerhöchstens 1470 Punkten. Ganz grob entspricht das der Stärke der Herren-Kreisklassen, mit gutem Willen vielleicht der Kreisliga. Von der Regel profitieren hier also nur die unteren Mannschaften des ASV Höringen, des SV Kirchheimbolanden oder des SV Alsenbrück-Langmeil. Ihre Damen dürften zwar bis zur 2. Pfalzliga der Herren ran – sie aber in den lokalen Elite-Ligen sehen wird man nicht. Eine Qualitätsfrage. „Wir wollten den Jungs helfen, da sie eh auf dem Zahnfleisch gehen“, meckert Ermel. Immerhin, ein Schlupfloch hat sie. Zwei Oberliga-Kräfte meldet sie einfach in die Bezirksliga. Sie dürfen unbegrenzt „Ersatz“ in der Damen I spielen – und gleichzeitig bei den Bezirksklasse-Männern. Cleverer Ausweg.