Donnersbergkreis Auch ein Plädoyer gegen die Angst

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DIELKIRCHEN. Die meisten Künstler fangen klein an und brauchen Selbstvertrauen und Durchhaltevermögen. In der monatlich stattfindenden Talent-Lounge der Majik Lounge in Dielkirchen kann jeder Mutige seine Kunst präsentieren. Die Anmeldung kann auch erst im Laufe des Abends geschehen, wenn dann doch die anfängliche Scheu verflogen ist. Gesang, Instrumentalmusik, Poesie, Comedy und noch vieles mehr kann auf der Bühne im Gemeindehaus in Dielkirchen dargeboten werden.

Am Dienstag gehörte die Bühne den verschiedensten Künsten. Gedichte, Instrumentalmusik und Gesang gab es zu hören. So sang die 13-jährige Louisa Whitton zur Gitarrenbegleitung ihres Vaters Linus Whitton und Cajudoo-Unterstützung von Sven Dehn mit zarter, schöner Stimme „Little Green“ von Joni Mitchell. Kurz zuvor hatte Louisa ihren Vater bei den Refrains von „Clouds“ unterstützt. Ken Legendre stieg auch auf die Bühne und stellte sein selbst komponiertes Lied „I ain’t gone live my life in fear“ vor. Geschrieben hat Legendre dieses Lied im Dezember letzten Jahres, da er über die Präsidentschaftswahlen in seinem Heimatland (USA) nicht glücklich war. Er habe das Gefühl, dass die Angst aufgrund des Terrorismus bei den Menschen regiere und die jeweiligen Regierungen und Parteien diese Angst für ihre Zwecke ausnutzen. „Mit Angst hat man Kontrolle über die Bevölkerung. Ich weigere mich, mich dieser Angst hinzugeben“, erklärte er seinen Liedtext. Mick Amos, der zwischen den Musikstücken Gedichte vortrug, kritisierte in einem davon die mediale Welt. In Anlehnung an den „Zauberlehrling“ von Goethe möchte er in seinem gleichnamigen Gedicht an die verlorene Fantasie und Kunst erinnern. Die „Elektronikwüsten“ und Medien „finden dich an jedem Ort“ und zerstörten bei den Menschen die eigene Kreativität. Eine Liebeserklärung an seine Heimat am Donnersberg hat er genauso parat wie die Beschreibung einer Vogelscheuche. In die leisen und harmonischen Klängen der irischen Volksweisen entführte mit ihrer klaren Stimme Sonja Osterwinter-Hlywa. Sich selbst an der Gitarre begleitend brachte sie dem Publikum mit „Scarborow Fair“ oder „Guard and the Devil“ die grüne Insel näher. Als Abschlusslied ihrer Darbietung wählte sie ein deutsches Lied, „Andre, die das Land so sehr nicht liebten“. Der gebürtige Mainzer und Wahl-Kirchheimbolander Pit Kaiser entschied sich für einen anderen Bob als sonst. Diesmal also nicht „Dylan“, sondern „Marley“: „It’s gonna be alright“ oder „I shot the Sheriff“ gab er mit einer Lässigkeit, die an Udo Lindenberg erinnerte, gekonnt wieder. Auch er begleitete sich selbst an der Gitarre. Mit Instrumentalmusik waren an diesem Abend weitere Akteure unterwegs. Die nicht ganz vollständige Gruppe „Akustik Image“ aus Bad Kreuznach – als komplettes Trio werden sie bei der nächsten Talent Lounge mit dabei sein – spielten Blues und Jazz. Holger Ströher (Gitarre) und Andreas Ludwig (Cajon) überzeugten mit dem „Chili Blues“ und „Nigels Jazz“. Man kann also gespannt sein, wie das komplette Trio klingen wird. Zweiter in der rein instrumentalen Richtung war Jörg Haneke aus Alzey. Der meldete sich im Laufe des Abends noch an und spielte mit seiner Singlecone-Resonatorgitarre unter anderem den 60er-Jahre-Hit der Beatles „When I’m sixtyfour“. So ganz mutig schien er nicht, spielte lieber begleitend bei anderen Künstlern im Hintergrund. Vielleicht traut er sich bei der nächsten Talent Lounge, mehr von seiner Kunst zu zeigen.

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