Kirchheimbolanden
Art-Hotel Braun: In der Krise viel investiert, nun sollen auch Urlauber kommen
„So langsam läuft es wieder an“, sagt Martin Braun, schon seit Juli waren ab und an wieder Gäste im Hotel. Noch stehen etliche der neu renovierten Zimmer leer. Wenngleich auch die ersten Geschäftsreisenden wieder Station im Hotel mit der Banane machen, „sind wir bei der Belegung noch sehr weit weg von früher“.
Umsatz weggebrochen
Menschen auf Dienstreisen, das war in den vergangenen Jahren die Hauptzielgruppe gewesen, die einen Großteil des Umsatzes ausgemacht hatte. Krisenbedingt sind sie alle zu Haue geblieben. Und obgleich das Wirtschaftsleben wieder in etwas geordneteren Bahnen verläuft, ist die Nachfrage laut Braun nach wie vor deutlicher geringer als gewohnt. „Zum einen ist da die Wirtschaftsflaute, zum anderen kann das internationale Publikum ja gar nicht so einfach reisen.“
Auch das zweite Standbein des Art-Hotels, die Busreisen, sei komplett weggebrochen. Der größte Kunde aus diesem Bereich, der regelmäßig mit gut gefüllten Reisebussen Kirchheimbolanden angesteuert hat, habe sogar Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen müssen. Und auch die Übernachtungsgäste, die für Veranstaltungen in der Stadt waren, haben gefehlt. „Hochzeiten wurden verlegt, und wenn sie stattfanden, dann mit 40 statt 120 Gästen“, schildert Martin Braun. Dass die Programme in der Stadthalle und bei Ramon Chormann ausgefallen seien, habe sein Übriges dazu beigetragen, dass dem Art-Hotel im bisherigen Jahresverlauf rund 65 Prozent an Umsatz fehlen.
Angebote selbst bewerben
„Die Urlaubshotels sind da besser weggekommen“, hat Braun festgestellt, auch mit Blick auf die Weinstraße. Und daher hat er sich zu einer Neuausrichtung entschlossen, wie er selbst sagt – wobei die Aktivitäten in Sachen Geschäfts- und Busreisen nicht eingeschränkt werden sollen. Es soll eben nur eine weitere Zielgruppe in den Fokus rücken: Urlauber – „ein Klientel, für das wir selbst verantwortlich sind, das wir selbst bewerben können“, wie Braun es formuliert. Dabei denkt er vor allem an Online-Portale, an Reiseplattformen im Internet. Print- und Dialogmarketing hingegen seien vor allem bei Busreisen sehr erfolgreich.
Außerdem spiele bei den Touristen natürlich die Mund-zu-Mund-Propaganda eine enorm wichtige Rolle. „Das braucht aber etwa ein Jahr, bis sich das auszahlt“, weiß Braun. Was dem Hotelchef aufgefallen ist: Im August, September hätten sehr viele Gäste aus den Niederlanden auf ihrem Weg gen Süden einen Zwischenstopp bei ihm eingelegt. Da scheinen sich direkte Empfehlungen schon auszuzahlen, mutmaßt er.
Vor allem in der Gruppe der Privatreisenden will Braun vom vierten Stern profitieren, den das Art-Hotel seit Mitte September besitzt. Den habe der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga schon vor Jahren angeboten, nun sei es aus „taktischer Sicht“, wie Martin Braun sagt, endlich an der Zeit gewesen.
300.000 Euro investiert
Die Zwangspause von April bis Juli wollte der Hotelchef aber nicht ungenutzt verstreichen lassen. Rund 100.000 Euro wollte er in die Hand nehmen, um alle Zimmer mit einer individuell regelbaren Klimaanlage auszustatten. Der Plan ist schon einige Jahre alt, allerdings mussten dafür ganze Etagen stillgelegt werden. Dazu war das Hotel meist zu voll gewesen, nun im Mai aber war das möglich.
„Wo wir aber schon dabei waren“, berichtet Braun, sei kurzerhand die Entscheidung gefallen, sämtliche Standardzimmer zu renovieren und neu einzurichten. Das war deutlich teurer als die ursprünglich geplanten Neuerungen, am Ende belaufen sich die Investitionen laut Braun auf rund 300.000 Euro. Und es sei ein ambitioniertes Projekt gewesen, das alles in so kurzer Zeit, vor allem aber so kurzfristig und im Sommer, hinzubekommen. „Gut, dass wir seit Jahren hauptsächlich mit lokalen Handwerkern arbeiten“, sagt Martin Braun. „Die haben alles in Bewegung gesetzt und es möglich gemacht.“