Donnersbergkreis Apfelplantage muss weichen
Der Blick von Andreas Klemmer schweift über das Areal, auf dem sich früher einmal eine Plantage mit Apfelbäumen befand. Zehn Jahre lang hat er viel Zeit in diese investiert. Doch von dieser Arbeit ist nichts mehr zu sehen. Die Fläche ist gerodet. Nur so manches Schild mit der Aufschrift der Apfelsorte, das an den Bäumen hing, deutet noch darauf hin. Sehr zum Leidwesen des 55-Jährigen. Was ihm durch den Kopf geht, wenn er das so sieht? „Das ist gerade nicht einfach“, sagt er – und schiebt nach: „Da stecken zehn Jahre Blut, Schweiß und Tränen drin.“ Die Fläche wird künftig für ein Regenrückhaltebecken genutzt – das für das Baugebiet „Am Schlossgarten“ benötigt wird. Ehemalige Versuchsplantage Klemmer war ursprünglich einmal eher zufällig auf das Areal aufmerksam geworden. Im Vorbeifahren sozusagen. Doch dann war da eine Idee entstanden. „Ich habe eine Nebenbeschäftigung gesucht“, sagt er. Er nahm Kontakt zur Stadt Kirchheimbolanden auf, fragte an, ob er sich um diese damals komplett zugewachsene, nicht mehr beachtete Fläche kümmern kann. Diese wiederum stimmte zu, mit dem Kirchheimbolander wurde ein Pachtvertrag geschlossen. „Das hier war einmal eine Versuchsplantage der BASF“, hat Klemmer in Erfahrung gebracht. Er weiß, dass sich dort, wo heute das Radhaus ist, mal ein Obstbaubetrieb befand. „Das war ein Erwerbsanbau, die Fläche war bis vor 30 Jahren bewirtschaftet.“ Schritt für Schritt hat sich Klemmer durchgekämpft. Baum für Baum freigeschnitten. Auch hat er Kontakt mit einem Experten aufgenommen, um die Sorten zu bestimmen – Idared, Elstar, Boskop, alter Granny Smith oder Melrose. Nicht alle Bäume konnte er wieder zur Blüte bringen. „Ein Teil war kaputt“. 1500 bis 2000 Stunden, schätzt er, hat er in das Gelände investiert. Gerne, wie er sagt. „Andere haben Hobbys wie Fußball, ich habe mich hier immer mehr für den biologischen Obstanbau begeistert.“ Für Klemmer ein wunderbarer Ausgleich in der Natur zu seinem Job als Fertigungsleiter. Und er hat auch einiges an Geld investiert – unter anderem einen Schmalspurschlepper, Mulcher oder Freischneider. Aus gutem Grund: Immerhin hat die Fläche links und rechts des Leiselsbaches im Tal an der Morschheimer Straße eine Größe von rund 1,5 Hektar. Zudem hat er eine Ausbildung als Baumwart gemacht. Aus der Ernte hat er unter anderem Apfelsaft pressen lassen, wie er sagt. Teils für sich selbst, teils für Freunde. „Gewerblich wollte ich das nicht machen.“ Bebauungsplan geändert Dass oberhalb des Areals die Sparkassen-Tochter „Donnersberger Konzepte“ ein Baugebiet erschließen will, hat Klemmer natürlich mitbekommen. Und er hat sich auch im vergangenen Jahr die Bebauungspläne angesehen. „Ich hatte bei der Verwaltung nachgefragt, ob die Plantage davon betroffen ist. Damals hieß es nein.“ Was Klemmer dann aber nicht mitbekommen hatte, war eine Änderung dieses Bebauungsplans. Die ursprünglich als Regenrückhaltebecken vorgesehene Fläche wird für Bauplätze umgenutzt. Und das Regenrückhaltebecken wanderte ins Tal. Just dorthin, wo Andreas Klemmer über zehn Jahre Baum für Baum freigeschnitten hat. „Natürlich kann man mir vorwerfen, dass ich bei der erneuten Offenlage der Pläne keine Einwände geltend gemacht habe“, sagt er. Das habe er aber eben auch nicht mitbekommen. Zumal er unter der Woche oft nicht in Kirchheimbolanden sei. Im Februar sei dann ein Schreiben gekommen, dass dieser Bereich des Areals gekündigt werde. Kurz darauf sei auch die Fläche gerodet worden. „Ich hätte mir schon gewünscht, dass man da ein Gespräch mit mir führt, vielleicht auch nach anderen Lösungen sucht.“ Etwa die, das Rückhaltebecken zu verlegen. Beispielsweise in den Bereich am Leiselsbach, wo sich ohnehin schon eins befinde. Ein Feuchtgebiet. Oder um ein Stück nach links, wo zwar ebenfalls eine Obstplantage ist. Die aber hat Klemmer noch nicht freigeschnitten. „Sehr enge Grenzen“ Bauamtsleiter Udo Bauer äußert durchaus Verständnis für den 55-Jährigen. Auch er hätte sich mit der Variante einer Verlegung des Rückhaltebeckens am Leiselsbach anfreunden können. Doch von Seiten der Struktur- und Genehmigungsdirektion sei mitgeteilt worden, dass dies nicht ausreicht. Letztlich sei nur dieser Bereich geblieben, weil er vom Gefälle und der Entwässerung am besten geeignet sei. „Die Entwässerungsplanung ist immer in sehr engen Grenzen geregelt“, sagt Bauer. Da gebe es klare Vorgaben der Struktur- und Genehmigungsdirektion. Auch der Hochwasserschutz spiele eine Rolle. Stadtbürgermeister Klaus Hartmüller kann die Enttäuschung des 55-Jährigen ebenfalls verstehen. Und er sagt: „Wir hätten Herrn Klemmer auch informieren können, als es zu einer Änderung des Bebauungsplanes gekommen ist. Das ist leider vergessen worden.“ Wie geht es weiter? Wie geht es für Andreas Klemmer weiter? Ein Teil der Fläche hat er weiter gepachtet. Darunter befindet sich auch ein großer Bereich mit Brombeeren. Und einer mit Obstbäumen, die jedoch zugewachsen sind. Hier könnte er weiterhin Obstbau betreiben, müsste sich aber wieder Stück für Stück durchkämpfen. Also ein kompletter Neuanfang bei Null. Der Kirchheimbolander wird es noch einmal wagen, wie er sagt. Angrenzend an das Rückhaltebecken steht zudem noch ein ebenfalls zugewachsene Bereich mit Obstbäumen. Wie Bauer sagt, soll Klemmer diesen künftig weiter nutzen können. „Wenn das Rückhaltebecken gebaut ist, müssen wir sehen, wie er am besten an dieses Grundstück kommt“, so der Bauamtsleiter. „Wir müssen schauen, ob wir Herrn Klemmer vielleicht auch eine Ausgleichsfläche anbieten können“, ergänzt Hartmüller. Und fügt an: „Menschen, die sich in der Natur, die sich für die Natur engagieren, das ist ja genau das, was wir wollen.“