Radreport RHEINPFALZ Plus Artikel An Radunfällen im Kreis fast immer Autos beteiligt

In der Dunkelheit ist eine gute Beleuchtung für Radfahrer überlebenswichtig.
In der Dunkelheit ist eine gute Beleuchtung für Radfahrer überlebenswichtig.

Sechs Radunfälle gab es in diesem Jahr im Westkreis. Dass es nicht mehr sind, könnte am kühlen Sommerwetter liegen, das die Radlerlust eher dämpft. Wer sich an Wochenenden auf sein Rad schwingt, muss übrigens besonders aufpassen.

„Die Anzahl der Fahrradunfälle ist im Vergleich zum vergangenen Jahr rückläufig.“ Über die Gründe kann Matthias Ankner, Leiter der Polizeiinspektion in Rockenhausen, nur spekulieren. Einer davon könnte in den kühlen Sommertemperaturen liegen, die weniger Menschen ins Freie locken. Im westlichen Donnersbergkreis, zu dem die Verbandsgemeinden Nordpfälzer Land und Winnweiler gehören, seien ohnehin nicht allzu viele Fahrradfahrer unterwegs. Ankner vermutet, dass die bergigen und kurvigen Straßen hier die Lust am Radfahren eher dämpfen. „Wir haben Sportradfahrer, die die Berge suchen, aber wenige Pendler, die das Fahrrad nutzen, um damit auf die Arbeit zu kommen.“

Bis August kam es in diesem Gebiet, das die Polizeiinspektion Rockenhausen umfasst, zu sechs Fahrradunfällen. Davon fünf mit dem Fahrrad und eins mit dem Pedelec. 2020 waren es insgesamt 16 Fahrradunfälle und 2019 einer mehr, also 17. Besonders im Frühjahr 2020 sei es vermehrt zu Radunfällen gekommen – vermutlich, weil es im Lockdown mehr Menschen mit Bewegungsdrang ins Freie gezogen hat. Alles in allem gab es im vergangenen Jahr 939 Verkehrsunfälle im Bereich der Inspektion.

Meistens sind Autos beteiligt

Fünf der Unfälle in diesem Jahr geschahen in einer Ortschaft. Drei leicht und zwei schwer verletzte Menschen waren dabei die Bilanz. „Bei den meisten Fahrradunfällen ist ein Pkw beteiligt“, sagt Norbert Völker, Polizeihauptkommissar und Sachbearbeiter Einsatz und Verkehr. So auch bei dem Kind, das Anfang Juni in einen Unfall in Steinbach verwickelt war. Vom Sportplatz kommend sei es bergab in Richtung Ortsmitte gefahren. Ihm entgegen kam ein Autofahrer, die Straße bergauf. „Beide sind nicht ganz rechts gefahren und daraufhin frontal aufeinandergetroffen“, erklärt Völker. „Wir von der Polizei, die Bürgermeisterin von Steinbach und der zuständigen Sachbearbeiter der Verbandsgemeinde Winnweiler überlegen derzeit, in dieser Straße dafür zu sorgen, dass so ein Unfall nicht wieder passieren kann“, erzählt Völker.

Dass heutzutage aber alles in allem weniger Kinder als noch vor ein paar Jahren an Unfällen beteiligt seien, sei auch der guten Arbeit der Oberkommissarin und Sachbearbeiterin für die Jugendverkehrsschule, Yvonne Sittel, zu verdanken, die den Kindern das richtige und vorsichtige Verhalten im Straßenverkehr näher bringe und ihnen aufzeige, welche typischen Fehler zu Unfällen führen können.

Typische Fehler vermeiden

Ein typischer Fehler der Fahrradfahrer sei es, den Abstand zu den vorausfahrenden Rädern in einer Gruppe zu gering zu halten. „Wenn die vorausfahrenden Radler stark bremsen müssen, fahren die hinteren auf.“ Die meisten Unfälle aber passierten, weil Autofahrer die Radfahrer wegen ihrer schmalen Silhouette übersehen. Für das menschliche Auge sei es normal, das Gefährlichere wie beispielsweise einen sich nähernden Lkw zu fokussieren.

Zu Unglücken führten auch immer wieder die Missachtung des Rechtsfahrverbots und der Vorfahrt. „Zum Beispiel fährt ein Fahrzeug an einem stehenden Auto vorbei und unterschätzt den Abstand zu dem entgegenkommenden Rad. Der Radfahrer weicht aus, fährt gegen die Bordsteinkante und stürzt“, erklärt Völker. „Gefährlich wird es auch, wenn ein Autofahrer mehrere Radfahrer überholt und dann abbremsen muss.“ Die Radfahrer müssten dann ebenfalls bremsen, es könne daher zu Auffahrunfällen kommen.

Das blaue Schild muss beachtet werden

Die meisten Unfälle passieren innerhalb geschlossener Ortschaften, auf Radwegen dagegen nur selten. Volker rät deshalb dazu, wo immer möglich Radwege zu nutzen. „Bei Radwegen, die straßenbegleitend gebaut sind, ist es sogar Pflicht, sie zu nutzen“, erklärt Völker. Diese Wege seien durch ein blaues rundes Schild mit einem weißen Fahrrad gekennzeichnet. Einen solchen Radweg gebe es zum Beispiel von Enkenbach kommend Richtung Münchweiler. Nutze man diese ausgewiesenen Wegen nicht, sei das eine Ordnungswidrigkeit. Das gelte auch für Rennradfahrer. Ein touristischer Radweg dagegen ist der Radweg Alsenztal. Er sollte, muss aber nicht genutzt werden.

Nebeneinander fahren auf der Straße dürfen Radfahrer übrigens nur, wenn sie den Straßenverkehr dabei nicht behindern. Ab 0,3 Promille ist das Radfahren eine Ordnungswidrigkeit, ab 1,6 Promille wird die „absolute Verkehrsuntüchtigkeit“ angenommen. Wird man damit erwischt, ist der Führerschein weg. Und: „Der Mindestabstand beim Überholen eines Radfahrers muss zum Fahrzeug 1,50 Meter betragen!“. Das müsse unbedingt beachtet werden. Dass bei jeder Fahrt ein Helm getragen werden sollte, dürfte mittlerweile selbstverständlich sein.

Aus der Statistik ergibt sich, dass sich Fahrradunfälle meist an Wochenenden ereignen, die häufigsten dabei zwischen Frühjahr und Herbst. Und einen Wunsch hat Völker auch noch: Er fände einen Radweg straßenbegleitend zur B48 gut, denn „dann könnten die Kinder sicherer mit dem Fahrrad in die Schule oder ins Schwimmbad fahren.“

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