Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Am Neuberg sollen mehr als 30 Bauplätze entstehen

Im Rockenhausener Westen schließt sich der Neuberg an die Straße „Am Pfingstborn“ (rechter Bildrand) an. Die dort verlaufende Kr
Im Rockenhausener Westen schließt sich der Neuberg an die Straße »Am Pfingstborn« (rechter Bildrand) an. Die dort verlaufende Kreisstraße führt zum Inkelthalerhof, Sitz des Evangelischen Diakoniewerks Zoar (linker Bildrand). Nicht zuletzt wegen dieser Anbindung wäre eine Erschließung als Baugebiet relativ leicht möglich.

Das Leben auf dem Land ist wieder attraktiv: Das ist – aus Sicht unserer Region – eine der wenigen positiven Corona-Folgen. Umso wichtiger ist es, dass die Kommunen über ausreichend Wohnraum im Allgemeinen, Bauplätze im Speziellen verfügen. Letztere sind in Rockenhausen seit einiger Zeit Mangelware. Jetzt soll es schnell gehen. Doch eine Hürde ist noch zu nehmen.

Und diese Hürde ist entscheidend: Wird sie überwunden, könnte das ins Auge gefasste Baugebiet im Westen der Stadt zügig in Angriff genommen werden. Notwendig dafür ist noch die Einigung mit einem von vier Grundstücksbesitzern am Neuberg – das an der Kreisstraße zum Inkelthalerhof in Verlängerung des Pfingstborns gelegene Areal hatte der zuständige Ausschuss im Sommer als neues Bauland favorisiert.

Drei Eigentümer – auf einen kirchlichen Träger entfallen 60 Prozent der Gesamtfläche – haben einem Verkauf zugestimmt. „Mit dem vierten haben wir noch keine Einigung erzielt, befinden uns aber in guten Verhandlungen“, sagte erster Stadtbeigeordneter Werner Dietz auf Anfrage der RHEINPFALZ. Er zeigte sich optimistisch, bis Ende 2021 Einvernehmen herstellen zu können. „Der nächste Schritt wäre die Erarbeitung eines Bebauungsplans. Dafür hätte der Stadtrat zunächst einen Aufstellungsbeschluss zu fassen“, erläuterte Dietz. Scheitern dagegen die Gespräche über den Kauf des Terrains, müssten die Bauplätze in einem der beiden weiteren von der Firma IGR auf ihre Eignung untersuchten Gebiete entstehen. Was erneute, mehr als ungelegen kommende Verzögerungen zur Folge hätte.

Römerhof ausverkauft

Vor allem zwei Ursachen gibt es, dass derzeit in Rockenhausen praktisch kein bebaubares Grundstück mehr vorhanden ist: Im 2005 erschlossenen, nahe des Neubergs gelegenen Baugebiet Römerhof hatte die Vermarktung der einst 55 Bauplätze nach schleppendem Beginn in den Jahren vor der Corona-Pandemie unverhofft Fahrt aufgenommen. Mit der Konsequenz, dass die Flächen nun früher als angenommen ausverkauft sind.

Zweitens hat die Frage, wo ein neues Baugebiet entstehen soll, zu politischen Kontroversen geführt. Knackpunkt waren die Kommunalwahlen 2019: Während zuvor unter SPD-Führung im Stadtrat Einigkeit bestanden hatte, dass der seit mehr als 20 Jahren im Flächennutzungsplan ausgewiesene Wallberg oberhalb von Friedhof/Donnersbergstraße als künftiges Bauland prädestiniert ist, hatte das aktuelle Mehrheitsbündnis aus FDP, CDU und FWG mit Stadtbürgermeister Michael Vettermann (FDP) an der Spitze aus verschiedenen Gründen Bedenken. Deshalb hatte die IGR den Auftrag erhalten, drei Gebiete zu begutachten: neben Wall- und Neuberg das Gelände in Verlängerung des Morbacherwegs. Ergebnis: Jedes der Areale hat spezielle Vorzüge, aber auch Nachteile.

Neuberg ist am schnellsten umzusetzen

Die vermutete schnelle Umsetzbarkeit hat am Ende den Ausschlag für den Neuberg gegeben. Eine Rolle spielen nicht nur die überschaubaren Eigentumsverhältnisse, sondern zudem die bereits vorhandene Anbindung über die K12. Darin war sich der Ausschuss für Umwelt, Planung und Bauen dann einig – auch die SPD, die ihre Zustimmung aber an eine Bedingung geknüpft hat: dass die Optionen Wallberg und Morbacherweg nicht ad acta gelegt, sondern umgehend weiterverfolgt werden. Da oberhalb des Pfingstborns nur gut 30 Bauplätze entstehen könnten, sei ein nahtloses Fortsetzen der Planung notwendig.

Der Bürgermeister und seine Beigeordneten hatten denn auch versprochen, diesbezüglich am Ball zu bleiben – der erste Schritt werde nun getan, betont Dietz: „Parallel zum Neuberg werden wir binnen des nächsten Vierteljahres die zugesagten Untersuchungen für die anderen Gebiete einleiten.“ Allen voran die langwierigen Schalluntersuchungen, die wegen der vorbeiführenden B48 hier (Morbacherweg), des nahe gelegenen Industriegebiets Kreuzwiese dort (Wallberg) notwendig sind. Auch gehe auf diese Weise keine Zeit verloren, falls der Gelände-Kauf am Neuberg doch nicht zustande kommt.

Bis 2023 wieder Bauplätze?

Dietz ist aber zuversichtlich, dass sich Stadt und Grundstücksbesitzer einig werden. Er betont, die noch laufenden Verhandlungen zögen keine Verzögerungen bei der Realisierung des Baugebiets nach sich: „Im Hintergrund können wir trotzdem schon die notwendigen Vorbereitungen für den Bebauungsplan treffen.“ Schwierig sei vorherzusagen, wann in Rockenhausen wieder Bauplätze verfügbar sind: Der Beigeordnete verwies unter anderem auf natur- und artenschutzrechtliche Belange, die im Verfahren zu untersuchen und gegebenenfalls zu berücksichtigen seien: „Hier kann es immer zu Unwägbarkeiten und Hindernissen kommen.“ Eine Prognose wagt er dann doch: „Wenn tatsächlich alles optimal läuft, könnten Anfang 2023 die ersten Grundstücke in den Verkauf gehen.“

Das wäre umso wichtiger, weil die Nachfrage groß ist: „Wir haben bereits eine Liste mit rund zehn Interessenten“, informiert Dietz. Er rechnet damit, dass bis zum Abschluss der Erschließungsarbeiten noch einige dazukommen. Die Vermutung liegt nahe, dass dabei der „Corona-Effekt“ zumindest eine Rolle spielt: So hat beispielsweise im Mai eine Studie des Ifo-Instituts ergeben, dass 13 Prozent der Großstädter binnen zwölf Monaten wegziehen wollen – fast die Hälfte der Teilnehmer nennt die Pandemie als wichtigsten Grund für diese Entscheidung. Vor allem jüngere Menschen und Familien mit Kindern denken darüber nach, ihren Wohnort zu wechseln. Zwar ist nicht gesagt, dass sie ihren Wunsch auch in die Tat umsetzen – und die Mehrheit von ihnen will nicht direkt aufs Land, sondern eher in den sogenannten Speckgürtel von Ballungszentren oder eine etwas kleinere Stadt. Aber immerhin jede(r) zehnte Befragte erwägt auch, in ländliche Regionen umzusiedeln.

Richtige Balance ist die Kunst

„Natürlich wollen wir uns diesen Trend zunutze machen“, sagt Dietz – und verweist darauf, dass in dem erst vor gut einem Jahr auf den Weg gebrachten zweiten Abschnitt des Baugebiets Schlüssel im Ortsteil Dörnbach alle bis auf zwei Grundstücke schon wieder verkauft sind. Weitere Parzellen stehen nach einer Bebauungsplanänderung „Am Köpfchen“ im Ortsteil Marienthal zur Verfügung. Nun setze man alles daran, auch in der Stadt so schnell wie möglich wieder Bauland anzubieten.

Andererseits sei es aber auch nicht ratsam, zu große Baugebiete auszuweisen. „Irgendwann ist der Boom vielleicht vorbei, und man bleibt auf seinen Grundstücken sitzen. Die Kunst ist daher, die richtige Balance zu finden“, sagt Dietz. Der Neuberg wäre aus seiner Sicht die ideale Übergangslösung. Sofern die letzte Hürde genommen wird ...

Daten und Fakten: Geplantes Baugebiet Neuberg

  • Lage: im Westen der Stadt
  • Bruttobauland: 2,6 ha
  • Nettobauland: 15.330 m²
  • Anzahl Grundstücke: 33
  • Durchschnittsgröße: 460 m²
  • Art der Bebauung: sechs Bauplätze für Reihenhäuser, sieben Bauplätze für Kettenhäuser
  • Grünflächen: 7000 m²
  • Verkehrsflächen: 3100 m²
  • Bauabschnitte: in einem Bauabschnitt realisierbar

Anmerkung: Die Angaben beruhen auf den Ergebnissen der von der Firma IGR im Auftrag der Stadt erstellten Wohnraumstudie. Vor einer Erschließung muss ein Bebauungsplan erstellt werden. Bei dessen Ausarbeitung kann es zu Abweichungen von den genannten Zahlen kommen.

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