Donnersbergkreis Am Kreisel „en Kerchemer versenkt“
Für Musicals muss man für gewöhnlich weit fahren. Nach Stuttgart oder Köln zum Beispiel. Am vergangenen Samstag bekam Rockenhausen sein eigenes: „Rohau – Das Musical“ lautete das Motto der Prunksitzung der Rohau-Fasnachter. Mit viel Gesang, noch mehr Tanz und vier Büttenreden konnten sich die Darbietungen in der heiß begehrten Sitzung sehen lassen. Auch ein Ordnungsruf durch Sitzungspräsident Armin Kreis konnte die Stimmung in der Donnersberghalle nicht trüben.
Närrische zwei Mal elf Jahre stand Andrea Mohr in Rockenhausen in der Bütte. In der Prunksitzung des Rohau am Samstag verkündete sie ihren Ruhestand. Der Grund? Ihr Enkel. Mohr ist nämlich Oma geworden, und ihre Rolle nimmt sie ganz schön ernst: Für ihren Enkel hat sie sogar zusammen mit ihrem Mann „Rollerblades“ fahren gelernt. Ungünstigerweise auf dem Donnersberg. Während ihr Mann „wie en Strich Richtung Bastehaus schoss und am Kreisel „en Kerchemer versenkt“ hat, was laut Mohr ja eigentlich nicht so schlimm sei, schlug sie selbst im Rockenhausener Bahnhof ein und ließ einen Zug entgleisen. „Es Alter es eben nix fer Feiglinge“, hat sie gelernt: Von ihren Zähnen schläft sie mittlerweile getrennt. Früher sei sie die Sünde pur gewesen, in ihren Adern sei Lava geflossen. „Wenn heit was brennt, isses Sodbrenne“, resig-niert Mohr. Voll im Saft steht dagegen Jan Fellner, der noch kein so alter Hase im Büttenreden-Geschäft ist: Erst letztes Jahr hat er sein überaus gelungenes Debüt in Rockenhausen gefeiert. Dieses Jahr erzählte er auf seine unnachahmliche trockene Art von seiner ersten Erektion. Heiß her ging es auch bei Carmen Cherdron: Sie erzählte von ihrem Spanienurlaub mit Andrea Mohr und präsentierte die Schnäppchen, die sie in einem Laden „mit lauter so Gummizeug“ erstanden hat: Zum Beispiel ein Milchaufschäumer, der nach Cherdrons ersten Tests „ke schenner Schaum macht“ und eine rote Peitsche mit Fransen, mit der sie jede Mücke erwischt. Als „Phantom des Protokolls“ berichtete Joseph Blaum von seinen regelmäßigen Schweißausbrüchen, wenn er den Müllabfuhrplan nicht findet und es an die Mülltrennung geht: „Zeitung vun geschtern orrer älter kummen in de grüne Behälter, Joghurtbecher gehler Sack, Sondermüll die halb Dos Lack, dann gebts noch Elektroschrott fer alles was e Stecker hott, Plastikflasche nemm ich mit zu Aldi, Lidl orrer Hit, Teebeutel un Kaffesatz hun im Kompostierer Platz“ – Nur die graue Tonne bleibt leer. Aber auch politisch hatte er wieder einiges in Petto. Als die Sprache auf den Verbandsgemeinderat kam, intervenierte Sitzungspräsident Armin Kreis: „Joseph, ned schun widder“ – Ohne Erfolg: „Die Nordpfälzer heßen se jetzt, des hot mei Heimatgefühle verletzt“, protestierte Blaum gegen den neuen Namen der Freien Wähler. Nicht nur rednerisch, sondern auch tänzerisch hat der Rockenhausener Karnevalsverein Rohau von Jahr zu Jahr mehr Eigengewächse zu bieten: Seit 2017 gehören die „Rock-Funken“ zum Rohau und begeisterten natürlich auch bei der Prunksitzung mit Gardetanz und Akrobatik. Sie tanzten gemeinsam mit den ebenso vereinsangehörigen Funkenmariechen „Blaue Funken“, Amelie Becker und Paula Blaum als „Silberfunken“ sowie die beiden solo tanzenden Funkenmariechen Stella Maas und Lena Baumgärtner. Die Rohau-Showtanzgruppe „Dance Attack“ bereicherte die Sitzung als Ersatz für die frisch gebackenen SWR-Superfastnachter „Experience“, die ihren Tanzauftritt krankheitsbedingt absagen mussten. Fester Bestandteil und krönender Abschluss der Sitzung war auch dieses Jahr das Männerballett 4.0, das mit einem Musical-Medley auftrat. Das Muscial-Motto griffen auch die „Owwermiehler“ auf und präsentierten eine närrische Odyssee: „Ihr Roggeheiser, was treibt eich üwwer de Berg? - Eine Bildungreise!“ Denn in dem selbst geschriebenen Mini-Musical ging es um eine Schreibblockade, die mit Inspirationen aus fremden Welten wie Kirchheimbolanden oder Mainz gelöst werden sollte. Die Sitzung mit riesigem Bühnenbild, Deko, Musik, einem Film, Licht und zahlreichen Helfern forderte viel Engagement und Leidenschaft – außerhalb wie in der Bütte. Mit dem Abgang von Andrea Mohr hat der Rohau eine weitere gute Rednerin weniger. Bereits letztes Jahr hörte Steffi Müller auf, vor zwei Jahren das Gesangsduo „Hut und Hütchen“ – deshalb wirbt der Rohau dieses Jahr um neue Narren. „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“, heißt es im Programmheft. Dem Ansturm auf die Prunksitzung tat das aber keinen Abbruch: Wer einen Platz haben wollte, musste am 28. Januar früh wach sein – oder erst gar nicht schlafen gehen. Denn für den Kartenvorverkauf, der eigentlich morgens um 10 Uhr beginnt, standen die ersten Narren bereits nachts um 12 Uhr an. Alle 600 Karten waren binnen zwei Stunden restlos ausverkauft. Einige bekamen bereits keine Karte mehr, eine Abendkasse wurde am Samstag gar nicht erst aufgebaut.