Falkenstein
Alte Ostertradition neu belebt: Die „Klepperbuben“ lassen’s rattern
„Das ist der Engel des Herrn, Ave Maria“ – gut 20 Jahre lang war dieser Ruf der „Klepperbuben“ in Falkenstein verstummt. Doch seit 2017 wird diese alte Tradition im Burgdorf wieder gepflegt. Seitdem ziehen die „Falkesteener Klepperbuben“ mit knarrenden Ratschen am Karfreitag und -samstag durch die Straßen und verkünden das Ave Maria zum Morgen-, Mittag- und Abendläuten. Zum Dank gibt es Süßigkeiten, Ostereier und Geldspenden, die für einen guten Zweck im Ort bestimmt sind.
Auf einer Geburtstagsfeier war die Idee aufgekommen, die Tradition des Klepperns wieder aufleben zu lassen. Um die Initiatoren Berthold und Timo Demmerle aus Rockenhausen und der Falkensteiner Volker Demmerle gesellten sich schnell Mitstreiter aus Dorf, Freundes- und Familienkreis hinzu. Ehemalige „Klepperbuben“, die teils nicht mehr im Ort leben, sowie Kinder und Jugendliche komplettieren die Mannschaft. Dieses Jahr sind es 20 an der Zahl – der jüngste sieben, der älteste 74 Jahre alt.
Am Samstag Früh aufstehen und warm einpacken
Die Klepper-Schar trifft sich am Falkensteiner Hof. In zwei Reihen geht’s durchs Dorf, die Klepper-Laute sollen sich „gut und rhythmisch“ anhören – das sind die Vorgaben. Gestartet wird je eine Viertelstunde vor der Zeit, zu der die Glocke sonst schlägt: Um 7 Uhr, um 12 und 18 Uhr muss die Gruppe an der Katharinen-Kirche sein. Das heißt: früh aufstehen und warm einpacken unter weißen T-Shirts mit der roten Aufschrift „Klepperbube Falkenstein“.
Das Kleppern ist ein kirchlicher Brauch. Von Gründonnerstag nach dem Gloria bis in die Osternacht schweigen die Glocken in den katholischen Kirchengemeinden. „Die Glocken fliegen nach Rom zur Beichte oder zum ,Buddermillich trinke’“, erzählte man früher. So entwickelte sich der Brauch, das Morgen-, Mittag- und Abendgeläut durch lautstarkes Klappern und Ratschen zu ersetzen. Früher sei schon an Gründonnerstag gekleppert worden, erinnern sich Dorfbewohner.
Ratsche läuft Klapper glatt den Rang ab
Der Begriff Klepperbube rührt daher, dass nur Messdiener diesen Osterbrauch betrieben. Später machten auch Mädchen mit. Wann der Brauch in Falkenstein entstanden ist, lässt sich kaum noch herausfinden. Fest steht, dass bereits in den 1920er Jahren gekleppert wurde, wie ein Foto von 1925 beweist. Darauf erkennbar sind zwei Holzinstrumente: die Klapper und die Ratsche. Die Klapper, ein Holzbrett mit Griff und beweglichem Hammer, erzeugte durch Vor- und Rückwärtsbewegung das Kleppern-Geräusch. Heute ist nur noch die Ratsche im Einsatz, bei der durch eine rhythmische Kreisbewegung gespannte Holzbrettchen über einen Holzstern gedreht werden.
Nach dem Morgenkleppern an Karsamstag ziehen die Klepperbuben mit einem geschmückten Weidenkorb von Haus zu Haus und sammeln Geschenke wie Süßigkeiten, Ostereier und auch Geld ein. Dabei sagen sie einen Spruch auf: „Guten Morgen, Frau (oder Herr) Bas. Was legt uns der Has’? Wir haben gekleppert für das Heilige Grab. Nun bitten wir um eine Gabe. Nicht zu groß und nicht zu klein, damit wir können zufrieden sein.“ Die Klepperbuben danken mit einem Lied: „Die gute Frau (der gute Mann) hat uns was gegeben, nächstes Jahr um diese Zeit soll sie (er) auch noch leben.“
Kinder kriegen Süßes und ein bisschen Taschengeld
Die Falkensteiner freuen sich über die österliche Tradition und befüllen den Korb. Beim Abschluss im Falkensteiner Hof wird das Gesammelte aufgeteilt. Süßigkeiten und etwas Taschengeld gehen dabei an die Kinder und Jugendlichen. Deren Freude ist groß, „denn dadurch kommt der Osterhase einen Tag früher“, wie es einer lachend auf den Punkt bringt. Der Großteil des Geldes aber kommt der Gemeinde für einen guten Zweck zugute.