Donnersbergkreis
Alsenz: Frischer Wohlklang und etwas Wehmut beim Jubiläum des Musikvereins
Erstmals hatten die Nordpfalzmusikanten ihr Jahreskonzert auf einen späten Sonntagnachmittag gelegt, und die Veranstaltungszeit wurde honoriert: Die Nordpfalzhalle in Alsenz war nahezu voll besetzt. Es galt aber auch, ein Jubiläum zu würdigen: Der Musikverein Alsenz feierte 60. Geburtstag.
Etwas Wehmut klang mit: Nach vier Jahren verlässt Dirigent Steven Krüger wegen seines Studienortwechsels die Nordpfalzmusikanten – seit 2014 ein Zusammenschluss von Musikern der Musikvereine aus Alsenz und dem benachbarten Hochstätten. In dieser Zeit hat er bei seiner ersten Dirigentenstelle die Nordpfalzmusikanten „umgekrempelt“ und ihnen eine modernere Blasmusikstilrichtung „verpasst“. Deshalb stand das Konzert auch unter dem Motto „Eighties Flashback Concert – Rock, Pop, Soul & Funk“.
Eröffnet wurde das Konzert vom 23-köpfigen Orchester mit „Concerto d'Amore“ von Jacob de Haan. Es war wohl „Lampenfieber“ oder die gründlich daneben gegangene Generalprobe tags zuvor, dass das Ensemble Schwierigkeiten hatte, drei verschiedene Epochen und die Stilrichtungen von Pop und Jazz am Anfang musikalisch wiederzugeben. Diese Anspannung löste sich im weiteren Verlauf der Darbietungen aber, und ein applausfreudiges Publikum unterstützte das Geschehen auf der Bühne.
Anfangs gab’s auch ein Streichorchester
Vereinsvorsitzender Michael Hörner übernahm die Begrüßung und erinnerte an die Gründung des Musikvereins am 1. Dezember 1924. Dem damaligen Dirigenten Georg May sowie dem Eifer und Fleiß der Aktiven sei zu verdanken, dass in verhältnismäßig kurzer Zeit ein vorzüglicher Klangkörper entstand. Neben einem Blas- gab es auch ein Streichorchester. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde die Kapelle 1933 zur Standartenkapelle umfunktioniert. Darunter litt der Verein, stagnierte nach dem Wegzug des Ehrendirigenten Georg May und kam mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ganz zum Erliegen.
Nach fast 20-jähriger Pause wurde der Musikverein Alsenz wieder am 8. April 1959 ins Leben gerufen, so Hörner. Die Ausbildung der Jungmusiker lag in Händen von Wilhelm Becker und Alfred Jutzi. In der Gastwirtschaft Wendling (heutiges Gebäude der Sparkasse in Alsenz) wurden zunächst die Probestunden abgehalten, später nach dem Bau der Festhalle durch die Gemeinde dort. Seit 1979 ist der Musikverein Besitzer eines eigenen Vereinsheimes im Obergeschoss des Dorfgemeinschaftshauses (alte Schule), wie der Vereinsvorsitzende nicht ohne Stolz erwähnte. Vom 6. bis 8. August 1960 fand unter Leitung von Alfred Jutzi als erster Vorsitzender und zugleich Dirigent das erste große Musikfest in Alsenz statt, an dem 16 Gastvereine mitwirkten.
Vielen Menschen Freude bereitet
Heute könne der Verein auf 60 Jahre musikalische Tätigkeit in Alsenz zurückblicken und habe in dieser Zeit vielen Menschen viel Freude bereiten können. Dies solle auch in Zukunft als Nordpfalzmusikanten so bleiben, schloss Hörner und übergab das Wort an die Musikerkollegin Karin Wänke, die als Conferencier die Veranstaltung moderierte.
Das Orchester verstand es jetzt sehr gut, mit einem Medley das Lebensgefühl der Flower-Power-Bewegung musikalisch wiederzugeben. „You raise me up“, ein Popsong von Rolf Loveland aus dem Jahr 2001 und das Lied, mit dem auch Michael Hirte beim Supertalent gewonnen hatte, stellten die Musiker anschließend vor, bevor mit „Copacabana“ südamerikanische Klänge in Alsenz zu hören waren. „Eighties Flashback“, arrangiert von dem Amerikaner Paul Martha, war zugleich Namensgeber und Motto des Konzertabends und bot ein Medley der größten Hits der 80er.
Nach der Pause erklangen im zweiten Teil des Konzertes die „Queens Park Melody“, „Soul Train“, „Brassed up Funk'“ und „The Best of Phil Collins“. Dafür ernteten die Musiker am Ende stehenden Applaus, und als Zugabe gab’s einen richtigen musikalischen Spaß: Bei „Instand Concert“ wurden 30 Melodien in drei Minuten zusammengefasst und von den Nordpfalzmusikanten als Dank für ein gutes Publikum gerne vorgetragen.
Musikalisches „Urgestein“ geehrt
Michael Hörner ehrte das „musikalische Urgestein“ Herbert Nekes für 50 Jahre aktives Musizieren und übergab zusammen mit Karin Wänke den Ehrenbrief des Landesmusikverbandes mit Goldenem Ehrenabzeichen. Die 13-jährige Tanja Schneider erhielt für fünf Jahre aktives Musizieren ebenfalls eine Auszeichnung. Sie ist auch Mitglied des Landesjugendblasorchesters und hat dort gerade ihr erstes Konzert mit Bravour absolviert, so Karin Wänke, zugleich auch Vorsitzende der Landesmusikjugend.
Dirigent Steven Krüger bekam für seinen weiteren Lebensweg verschiedene Utensilien, die ihn an seine musikalische Tätigkeit in Alsenz erinnern sollen, sowie eine „Beziehungskiste“ überreicht. Hörner dankte ihm für die viele Arbeit, die er mit den Musikern auf sich genommen habe. Krüger gab den Dank und das Lob an die Musiker zurück: Die Nordpfalzmusikanten seien für ihn einmalig, und er komme in Zukunft gerne nach Alsenz und Hochstätten zurück. Schön auch, dass alle Musikerinnen und Musiker am Ende von Karin Wänke dem Publikum persönlich vorgestellt wurden.
Von dem ersten Konzert des Musikvereins aus dem Jahre 1960 gibt es noch einige DVDs beim Musikverein. Erich Kossow hatte damals alles mit der Kamera festgehalten. Interessenten können sich bei Michael Hörner melden.