Donnersbergkreis Als die fleißigen Bienen „die Fische gefüttert“ haben

Am 5. Januar 1964 hat Oberlandwirtschaftslehrerin Lena Braml von der Landwirtschafts- und Hauswirtschaftsschule Alsenz im Rahmen eines praktischen Vortrags im Lokal Saß den Landfrauenverein Finkenbach gegründet. Spontan hatten sich 35 Frauen gefunden, die dieses Vorhaben unterstützen wollten. Das Ziel war damals wie heute das Gleiche: „Alle auf dem Land lebenden Frauen zu einer großen Gemeinschaft zusammenzuführen und dazu beizutragen, eine gute Dorfgemeinschaft zu schaffen und zu pflegen.“ Es gab auch schwierige Jahre – doch nun haben die Mitglieder mit etwas Wehmut, aber auch viel Stolz und Freude ihr 50. Jubiläum gefeiert.

Ilse Wambsganß, Vorsitzende des Landfrauenverbandes der Pfalz, beglückwünschte den Jubelverein und zollte den Frauen Dank und Anerkennung für die in 50 Jahren geleistete Arbeit. Ein Höhepunkt der Feier, in der Sketche und Spiele für Auflockerung sorgten: die Ehrungen der einstigen Gründungsmitglieder Trude Hainke, Rosemarie Peukert, Lieselotte Rahm, Irmgard Ransweiler, Gudrun Rhein, Irmgard Sattler, Liesel Schlemmer und Johanna Wagner. Als Geschenk gab es eine Orchidee, zudem erhalten alle ein Fotobuch vom Fest. Von 1964 bis November 1980 lenkte Ilse Henrich vorbildlich die Geschicke des Vereins. Ihr folgten Sigrid Bayer, Rommi Keller-Hilgert, Brigitte Mierzwa und Regina Mattern. Nach dem Rücktritt der langjährigen Vorsitzenden Sigrid Bayer war es in den vergangenen Jahren mehrmals zu Wechseln an der Spitze des Vereins gekommen, sogar außerordentliche Sitzungen mussten einberufen werden und nicht zuletzt wegen dieser Turbulenzen schrumpfte die Mitgliederzahl um die Hälfte. Seit Mitte des vorigen Jahres ist wieder Ruhe eingekehrt: Ein siebenköpfiges Team mit Renate Nessel, Monika Schlemmer, Ingrid Berger, Helmi Krauß, Edith Linn, Melanie Gödel und Sprecherin Ines Bernhard leitet nun die Geschicke der 38 „Bienen“ aus Finkenbach-Gersweiler, Schiersfeld, Waldgrehweiler, Bayerfeld-Steckweiler und Teschenmoschel. Dank jüngeren, neuen Mitgliedern, die auch frische Ideen mit einbrächten, sei man optimistisch für die Zunft, so Landfrauensprecherin Ines Bernhard. Das Vereinslogo, die Biene auf silbernem Grund, steht nach wie vor für Fleiß und Emsigkeit. Edith Linn blickte auf eine abwechslungsreiche Vereinsgeschichte zurück – etwa auf die über viele Jahre organisierten und auf große Resonanz gestoßenen Prunksitzungen, die es in der Vereinskasse „klingeln“ ließen. Der Verein finanzierte eine Küche für die Turnhalle und beteiligte sich an der Einrichtung und Ausstattung des Dorfgemeinschaftshauses. Auch die neue Funkschaltuhr für das Glockengeläut wurde aus Festerlösen mitbezahlt. Die Landfrauen unterstützten die Sonderkindergärten in Steinbach und Rockenhausen, spendeten für die Kriegsgräberfürsorge und das SOS-Kinderdorf in Eisenberg. Bei den internationalen Volkswandertagen des Sportvereins, der Kerwe und anderen örtlichen Festen unterstützte man – unter anderem mit unzähligen Kuchen – die Bewirtung. Auch beteiligten sich die Landfrauen an den Kerweumzügen. Ein Höhepunkt war 1978 die Ausrichtung des Landfrauentages mit über 450 Gästen. Bei Modeschauen auf Kreisebene präsentierten sich die Frauen auf dem Laufsteg, spielten Theater und studierten Volkstänze ein. Zur Dorfverschönerung und Unterstützung der Aktion „Unser Dorf soll schöner werden“ wurden Blumentröge und -kästen bepflanzt, Bäume und Rosen gesetzt, Böschungen bepflanzt und die Dorfplätze sauber gehalten. So hat Finkenbach-Gersweiler dank der Unterstützung der Landfrauen 1984 sogar den Titel „schönstes Nordpfalzdorf“ errungen. Zur Entspannung bot man Gymnastik an. Auch viele Konzerte, Theater- und Museumsbesuche wurden organisiert. Das Winterprogramm bot unzählige Kurse und Vorträge – das Themenspektrum reichte von der Drogenberatung über Notariatsrecht und Seidenmalerei bis hin zur Verbraucherberatung. Daneben werden auch Seminare und Weiterbildungen der Dachverbände besucht. Aus anfänglichen Tagesausflügen in die weitere Umgebung wurden Mehrtagesreisen, etwa nach Venedig, Berlin, Südtirol, Kopenhagen oder auf Sylt. Dazu kamen Besichtigungen von Burgen und Schlössern, Besuchsreisen zum Bundestag und zum Europaparlament in Straßburg. Auch Weihnachtsmärkte wurden häufig besucht. Bis zu 99 Landfrauen wollten in der Anfangszeit dabei sein – es entstand ein regelrechter „Boom“. Und es gab zahlreiche Anekdoten, die bis heute in Erinnerung sind: So der Ausflug nach Hamburg mit Schiffsüberfahrt zur Hochseeinsel Helgoland. Fast alle Teilnehmer waren seekrank – und dann „haben wir die Fische gefüttert“, berichten die Frauen schmunzelnd. Ebenfalls gerne erzählt wird die Geschichte von der Dampferfahrt auf dem Bodensee, bei der die tanzenden Frauen das Boot zum Schwanken brachten und durch lautes Jodeln den Kapitän aufs Deck lockten. Dessen Kommentar: „Das können nur Pfälzer sein“ – wobei er sich als „Landsmann“ entpuppte. Und dann waren da noch die Erlebnisse im Kopenhagener Rotlichtviertel-Hotel – die lassen die Frauen jedoch heute nicht mehr erröten, sondern sorgen nur noch für Heiterkeit ... (tnt)

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