Donnersbergkreis
Adventskalender: Finkenbach-Gersweiler ist ein Weihnachtsdorf
Einige Dörfer werden jedes Jahr in der Adventszeit richtig lebendig. Zum Beispiel Finkenbach-Gersweiler: Die Gemeinde gestaltet auch dieses Jahr wieder ihren zur Tradition gewordenen begehbaren Adventskalender. In vorweihnachtlicher Atmosphäre trifft man sich jeden Abend vor einem geschmückten Fenster zum Singen, Plaudern, Zuhören und Naschen.
In diesen Tagen ist es so früh dunkel wie in sonst keiner Jahreszeit. „Da geht abends normalerweise kaum jemand noch vor die Tür“, sagt Eva Schlemmer, Ortsbürgermeisterin von Finkenbach-Gersweiler. Wie in vielen anderen Dörfern im Donnersbergkreis treffen sich die Dorfbewohner in der Adventszeit fast jeden Abend nach Einbruch der Dunkelheit, um trotz der kurzen Tage auch im Dezember regelmäßig zueinander zu finden.
Eine Idee mit vielen Befürwortern
„Die Adventsfensteraktion in Finkenbach-Gersweiler gibt es seit 16 Jahren“, berichtet Karl Nessel im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Am Montag, 16. Dezember, ist er zusammen mit seiner Frau auf dem eigenen Anwesen in der Lindenstraße Pate des diesjährigen Fensters mit der Nummer 16. „Will jemand probieren? Die kommen gerade frisch aus dem Ofen“, sagt Renate Nessel, die ihre Blätterteigschnecken unter die Leute bringt und sich über den Besucherandrang freut.
Die Adventsfensteraktion beruhe auf einem Gedanken, der vor Jahren in der Gemeinde angestoßen worden sei und auf den sofort viele Leute aufgesprungen seien. „Und dann ging es eigentlich direkt in die Vollen“, erzählt Karl Nessel. In einem einzigen Jahr habe man anstatt des klassischen Adventskalenders ein vierteiliges Krippenspiel veranstaltet – auf die Adventssonntage verteilt und in pfälzischem Dialekt. „Auch das kam gut an“, sagt Nessel. Trotzdem ist die Gemeinde im Jahr darauf wieder zu ihren gewohnten Adventsfenstern zurückgekehrt.
Weihnachtslied und Igel-Geschichte
Jeden Abend geht es um 18.30 Uhr los. „Der Ansturm kommt auch meistens immer in den letzten fünf Minuten vor halb sieben“, erklärt Barbara Rhein. Sie ist nicht nur Dauerbesucherin der Fenster, sondern auch an der Gesamtorganisation beteiligt. Der Adventsfenster-Pate von heute unterstützt den Adventsfenster-Paten von morgen, erklärt sie. „Die Ausstattung, zu der zum Beispiel das Glöckchen, die Tische und die Tassen gehören, werden dann zu dem Fenster gebracht, das als Nächstes dran ist“, sagt Rhein. Sie stellt Jahr für Jahr eine Auswahl an Weihnachtsgeschichten zusammen, aus der sich die Gemeinde dann eine für den begehbaren Adventskalender aussucht. 2019 ist die Wahl auf eine Fortsetzungsgeschichte über einen Igel gefallen, der auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken ist und jedes Mal ein anderes Tier trifft. Karl Nessel kommt die Aufgabe zu, das Glöckchen zu läuten und dann die Episode vorzutragen, in welcher der Igel die Erdkröte kennenlernt und von ihr zu ein paar Gläsern Beerenpunsch eingeladen wird.
„Ich finde auch, dass eine solche weihnachtliche Geschichte zum Programm gehören sollte“, unterstreicht Nessel. Nach der Igel-Episode wird noch ein gemeinsames Lied gesungen, in der Lindenstraße ist es an diesem Tag „Kling Glöckchen“ – aus einer gemeinsamen Liedermappe kann gewählt werden. Schließlich geht vor versammelter Gruppe das Fenster auf, viele zücken ihre Kamera oder ihr Smartphone, um das kleine Kunstwerk aus Schmuck und Lichtern zu fotografieren.
Es geht nicht um schöner, größer, besser
Ein Konkurrenzkampf unter den Fensterschmückern ist in Finkenbach-Gersweiler nicht erwünscht: „Es geht hier ja schließlich um das Zusammenkommen und nicht darum, dass die Leute sich gegenseitig übertreffen“, sagt Barbara Rhein. Es bestehe grundsätzlich auch keine Pflicht, Glühwein anzubieten, erklärt Ortsbürgermeisterin Schlemmer, wobei es diesen natürlich so gut wie immer gebe. Was Süßes und was Herzhaftes zum Essen steht in der Regel auch bereit.
Zu den Fenstern kämen meist zwischen 40 und 60 Besucher, manchmal auch 70. Familie Nessel hat jedenfalls einen großen Hof, in dem alle Platz finden. Nebenan musste wegen seines hohen Alters im November der örtliche Zunftbaum gefällt werden, dort steht nun ein Weihnachtsbaum. In Gersweiler steht auch einer – und in Nessels Hof ganz in der Nähe des Adventsfensters. „An zwei Samstagen im Advent werden hier im Ort auch Weihnachtsbäume verkauft“, berichtet Eva Schlemmer.
Kein Fenster an Heiligabend und an Nikolaus
Die Adventsfensteraktion wurde nach der diesjährigen Gemeinde-Weihnachtsfeier am 1. Dezember eröffnet, am Nikolaustag wurde kein Adventsfenster geöffnet, es gab aber eine Nikolausfeier. An Heiligabend gibt es auch nur den gewohnten Gottesdienst in der evangelischen Kirche. Da auch sonst nicht alle Termine vergeben sind, wird an einem Abend auch eine Wanderung um den Ort unternommen samt kleinem Abendausklang. Die Dorfgemeinschaft hat in der Vorweihnachtszeit vieles, was sie zusammenführt – ein echtes Weihnachtsdorf eben.