Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Absagenflut: Wie die Vereine auf 2G reagieren

Die Fußballschuhe blieben am Wochenende fast überall in der Sporttasche. Manche Vereine ärgert die neue Verlegungspraxis.
Die Fußballschuhe blieben am Wochenende fast überall in der Sporttasche. Manche Vereine ärgert die neue Verlegungspraxis.

Der Südwestdeutsche Fußballverband (SWFV) bietet seinen Vereinen die Möglichkeit, die wenigen noch ausstehenden Spiele ins nächste Jahr zu verlegen, um der kurzfristig eingeführten 2G-Regelung für Sport im Freien Herr zu werden. Die RHEINPFALZ hat Verantwortliche dazu und zu den Folgen der Spielverlegungen befragt.

Laut der 29. Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes Rheinland-Pfalz gilt seit 4. Dezember auch beim Sport im Freien die 2G-Regel. Personen über 18 Jahren können nur dann spielen, wenn sie geimpft oder genesen sind. Um die Vereine zu entlasten, bietet der SWFV ihnen an, die ausstehenden Spiele ins nächste Jahr zu verschieben. Bis zuletzt galt, dass Spiele nicht verlegt werden dürfen, solange ein Verein noch wenigstens 13 einsatzfähige Spieler stellen kann – nun die Kehrtwende.

Der SWFV möchte mit der neuen Regelung Spielern ohne vollständigem Impfschutz die Möglichkeit einräumen, „dies nachzuholen und somit kein Spiel ihrer Mannschaft zu verpassen. Der Verband hofft, auch auf diesem Weg die Impfkampagne des Landes Rheinland-Pfalz unterstützen zu können“.

Guter Ansatz, schlechter Zeitpunkt

Ein guter Ansatz, wenn auch zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, findet Steinbachs Sportlicher Leiter Markus Buhl-Bohlander: „Wir alle müssen versuchen, die Pandemie zu überwinden. Wenn sich durch diese Regelung mehr Spieler impfen lassen, ist das gut. Ich finde aber, dass man die Hauptrunde noch zu Ende hätte spielen können. In den meisten Staffeln steht höchstens noch ein Spiel aus. Es erschwert den anderen Vereinen auch die Planung, wenn die Spieltage nicht vollständig beendet sind, weil noch nicht abschließend geklärt ist, wer in die Auf- beziehungsweise Abstiegsrunde geht.“

In der Tat argumentierte der SWFV vor Beginn der Saison für die Einteilung in mehrere Staffeln damit, dass bis zur Winterpause die jeweiligen Hauptrunden beendet werden sollen, um eine Wertung der Saison im Falle eines Abbruchs zu gewährleisten. Nicht betroffen sind nun die C- bis A-Klassen mit Donnersberger Beteiligung. Dort waren bis auf das Entscheidungsspiel zwischen Albisheim und Dannenfels alle Spiele bis zum vergangenen Wochenende ausgetragen.

Unverständnis in Rockenhausen

Von einer Verlegung war dagegen auch die SG Rockenhausen/Dörnbach in der Bezirksliga betroffen. Thorsten Trost, Vorstand des FV Rockenhausen, erzählt: „In meinen Augen wurde vom Verband mit zweierlei Maß gemessen. Wir sind tierisch verärgert, wie mit dieser Sache umgegangen wurde. Innerhalb von ein paar Tagen haben sich die Aussagen und Regelungen ins komplette Gegenteil gekehrt.“ Tatsächlich musste die SG innerhalb kurzer Zeit mit zwei Entscheidungen des Verbandes klarkommen: Einerseits wurde verlangt, dass die Kombinierten alle Spiele der Hauptrunde bis Jahresende austragen – und das, obwohl 13 Coronafälle innerhalb der ersten Mannschaft den Betrieb für mehrere Wochen lahmgelegt hatten. „Seitdem spielen wir fast wöchentlich mittwochs und sonntags, um alle Spiele durchzubringen. Regelmäßig mussten wir Spieler aus der zweiten Mannschaft einsetzen, weil es uns nicht möglich war, Spiele nach hinten zu verlegen.“

Als dann die Meldung des SWFV kam, dass Spiele ab sofort ohne Absprache mit dem Gegnern verlegt werden dürfen, fiel Trost aus allen Wolken: „Die Regelung ist für uns unverständlich, wenn man sich die vorherigen Aussagen ins Gedächtnis ruft. Wir durften keine Spiele verlegen, obwohl wir nachweislich keine Spieler zur Verfügung hatten.“ Auch dass der Gastgeber von der Verlegung des Derbys gegen den ASV Winnweiler nur durch Zufall erfahren hat, fuchst den Vorstand des FVR: „Ich mache da Winnweiler keinen Vorwurf, sondern dem Verband. Es kann doch nicht sein, dass ein Gastverein ohne Abstimmung mit dem Gastgeber ein Spiel verlegen kann und darüber nicht mal informieren muss?“

Staffelleiter kann Absagegrund nicht prüfen

Auch der Staffelleiter der Bezirksliga, Uwe Kadel, zeigt sich kritisch im Hinblick auf die eingeführte Möglichkeit zur „manchmal bestimmt grundlosen“ Spielverlegung, wie er erzählt: „Keiner kann sagen, ob eine Mannschaft wegen ungeimpfter Spieler das Spiel verlegt, oder aus anderen Interessen. Wenn eine Mannschaft im Tabellenkeller steht und das letzte Spiel nicht austrägt, kann sie im Falle eines Abbruchs der Saison nicht absteigen.“

Im gesamten Verbandsgebiet hagelte es so Spielverlegungen. In der Landesliga Ost beispielsweise wurde am vergangenen Wochenende nur noch ein einziges Spiel ausgetragen. Auch viele Verbandsligisten haben sich bereits zwei Spieltage früher als geplant in die Winterpause verabschiedet.

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