Donnersbergkreis 72 Stunden für ein buntes Land
Die Zahnbürste, die Wasserflasche oder die Schuhe – was würdest Du als erstes weggeben, wenn Du auf der Flucht wärst und nicht alles mitnehmen könntest? Diese und andere nicht weniger knifflige Fragen stellten sich die Messdiener Kibo gemeinsam mit der Jungen Kirche (Juki) Winnweiler bei einem Themenabend zur bundesweiten Aktion „Zukunftszeit“.
„Die Teilnehmer sind aufgefordert, sich vorab zum Thema gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Flucht zu informieren“, erläutert Raphael Bohlender, der ein Freiwilliges Soziales Jahr bei Juki und in der Arbeitsgemeinschaft „Zukunftszeit“ macht und verschiedene Aktionen im Bistum Speyer betreut. „Im Anschluss können sie mit Aktivitäten Stunden sammeln, die auf den Zukunftszeit-Zähler aufsummiert werden“. Die Aktionen der Teilnehmer reichten von Fahrradtouren von Frankreich nach Deutschland als Zeichen für Frieden bis zu interkulturellen Nachmittagen mit Flüchtlingen oder Kochabenden. Begeistert sei er von der regen Teilnahme. „Nach nur zwei Monaten haben wir schon 25.000 Stunden gesammelt.“ Aufmerksam auf die Aktion wurde Pascal Garrecht, einer der Gruppenleiter der Messdiener Kibo, bei einer Schulung. Gemeinsam mit Tobias Hippel von der Juki Winnweiler entschloss er sich, eine gemeinsame Aktion zu veranstalten. Bei dem Themenabend, den die Gruppenleiter der Messdiener und der Juki Winnweiler gemeinsam organisierten, teilte sich die 18-köpfige Gruppe nach Alter, sortiert in zwei Kleingruppen, auf. Die jüngeren Teilnehmer beschäftigten sich mit interkulturellen Themen und Flüchtlingen. „Wir haben unter anderem ein internationales Begrüßungsspiel gespielt, bei dem wir uns gegenseitig vorgemacht haben, wie sich die Menschen beispielsweise in China begrüßen“, erklärt Katharina Hoffmann, eine der Gruppenleiterin von Juki Winnweiler. „Außerdem haben wir alltägliche, für uns selbstverständliche Gegenstände ausgedruckt wie Schuhe, Zahnbürsten oder eine Flasche Wasser. Die Kinder müssen während des Spiels entscheiden, was sie weggeben wollen, um annähernd die Lebensumstände der Menschen auf der Flucht nachzuvollziehen.“ Dagegen beschäftigten sich älteren Teilnehmer mit Demokratie und Vorurteilen. „Wir waren in der Stadt und haben die Leute gefragt, was sie als typisch Deutsch betrachten“, so Pascal Garrecht. „Jeder hat Vorurteile“, haben sie dabei gemerkt. Die müsse man sich bewusst machen und reflektieren. Beim Thema Demokratie habe sich die Gruppe zuerst mit demokratischen Systemen vertraut gemacht. „Danach haben erörtert, was überhaupt demokratisch ist. Eine Frage war zum Beispiel: Das Volk wählt per Direktwahl, dass alle, die ein Basecap tragen, ins Gefängnis kommen. Ist das dann demokratisch? Aus den verschiedenen Meinungen heraus musste die Gruppe eine Definition für Demokratie finden“. Abgerundet wurde die vierstündige Aktion mit einem internationalen Essen. Während die Vorspeise mit Baguette und Käse aus Frankreich und das Dessert mit Eis und Tiramisu aus Italien stammte, bereitete Kaplan Raveendra Mundlapati den Hauptgang, bestehend aus Gulasch und Curryreis, aus seiner Heimat Indien zu. An der Aktion nehme er sehr gerne teil, „besonders, weil ich kochen durfte“. Die Teilnehmer sammelten 72 Stunden.