Donnersbergkreis
ÖPNV im Kreis (2): Unterwegs mit dem Taxi
Zwischen 700 und 900 Fahrgäste nutzen monatlich die Taxi-Dienste des Kreises. „Das zeigt, dass dieses Angebot gut ankommt und mittlerweile auch recht bekannt ist“, sagt Georg Kranzdorf, zusammen mit Judith Schappert im Donnersbergkreis zuständig für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).
Ins Leben gerufen wurde das Ruftaxi bereits 1986, damit die Menschen in diesem ländlichen Gebiet auch mobil sein können, wenn keine Busse fahren. „Mit dem Ruftaxi sollen vorrangig die umliegenden Orte an ihre Verbandsgemeinde angebunden werden“, erläutert Kranzdorf. Da in jeder Verbandsgemeinde außer Göllheim auch ein Bahnhaltepunkt ist, sei man über das Ruftaxi auch gleichzeitig an den Bahnverkehr angeschlossen.
Jede Menge Querverbindungen
„Zusätzlich haben wir jede Menge Querverbindungen geschaffen“, so Schappert, wie beispielsweise zwischen Kibo und Winnweiler sowie zwischen Rockenhausen und Eisenberg. „Wir haben auch touristische Ziele angebunden, beispielsweise nach Rosenthal oder auf den Donnersberg, von dem aus gerne Wanderungen gemacht werden“, sagt sie . Alle Ortschaften im Kreis inklusive der Höfe werden bei den Fahrten angesteuert, die nach den Tarifbestimmungen des VRN abgerechnet werden.
Es funktioniert ganz einfach: Spätestens eine Stunde vor dem Wunschtermin muss die Fahrt reserviert werden. „Es wird oft für Wanderungen oder Arztbesuche gebucht, und die sind ja gut planbar“, so Schappert. Auch für private Besuche werde der Dienst gerne genutzt. Dabei muss nicht von einem Bahnhaltepunkt zum nächsten gefahren werden, Ein- und Ausstieg sind im Linienverlauf frei wählbar. „Wenn jemand in Einselthum wohnt und eine Bekannte im Seniorenheim in Albisheim besuchen möchte, dann ist das mit dem Ruftaxi eine sehr unkomplizierte und kostengünstige Angelegenheit“, so Schappert.
Auch bei Schülern seien Ruftaxi und Freizeittaxi beliebt. „Wer nachmittags den Freund im Nachbardorf besuchen möchte, der kann das mit dem Ruftaxi problemlos machen“, erklärt Schappert, als Maxxticket-Inhaber sogar kostenlos. „Wer dagegen am Wochenende beispielsweise nach einem Konzertbesuch mit dem Zug aus Mainz kommt, dem steht das Freizeittaxi zur Verfügung, das in den Abend- und Nachtstunden verkehrt“, so Schappert. Diese Freizeittaxi kann freitags und samstags bis 2 Uhr nachts und an allen anderen Tagen bis 24 Uhr gebucht werden, und es fährt gegen einen Zuschlag bis vor die Haustür.
Angebot noch bekannter machen
Obwohl die Beliebtheit für sich spricht, wollen Kranzdorf und Schappert sich damit nicht zufrieden geben. „Wir wollen, wenn Corona vorbei ist, einen neuen Anlauf nehmen, um den gesamten ÖPNV im Kreis bekannter zu machen“, so Schappert. Denn, darin sind sich beide einig, „das Angebot hier kann sich wirklich sehen lassen“.
Zudem gelte es, gerade bei älteren Menschen eine Hemmschwelle und bisweilen auch eine falsche Bescheidenheit abzubauen. „Da muss doch nicht extra wegen mir ein Taxi kommen“, sei da manchmal zu hören.
Seit auch Niederflurbusse im Einsatz sind, habe zwar die Nachfrage nach dem Behindertentaxi etwas nachgelassen, abschaffen werde man dieses Angebot aber auf keinen Fall. „Es ging darum, dass Menschen, die gehbehindert sind oder im Rollstuhl sitzen, gemeinsam mit einer Begleitperson mobil sein können“, so Schappert. „Eine ganze Zeit lang hatte sich beispielsweise eine Gruppe von MS-Kranken zum Erzählcafé getroffen, sie alle wurden mit dem Behindertentaxi abgeholt und nach Hause gebracht“, so Kranzdorf. Auch wer in einer Einrichtung lebt und etwa zum Wochenendbesuch nach Hause fahren möchte, kann den Dienst in Anspruch nehmen.
Mobilität hat viele Facetten
Das Thema ÖPNV, da sind Kranzdorf und Schappert sich einig, werde in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Dabei müsse man sich auch für völlig neue Wege öffnen. „Auf Initiative unserer Kreisgremien haben wir vor, gemeinsam mit der TU Kaiserslautern einen Workshop zu organisieren zu der Frage, wie sich Mobilität weiter entwickeln kann“, so Schappert. Denn klar sei: „Nicht alles funktioniert überall. Car-Sharing beispielsweise hat auf dem Land derzeit kaum Chancen“, sagt Schappert.
Ob Modelle wie „on demand“, also unmittelbar auf Nachfrage, oder völlig freie Angebote wie man sie in der Türkei oder Griechenland praktiziert, Chancen haben, da sind Schappert und Kranzdorf skeptisch. „Letztendlich ist die Beförderung von Fahrgästen ein Geschäft, man muss eine Ausbildung nachweisen, die Fahrzeuge müssen gewisse Standards erfüllen“, sagt Schappert. Und Kranzdorf fügt hinzu: „Schließlich geht es dabei auch um die Frage der Sicherheit, und darauf möchte wohl kein Fahrgast verzichten.“ Gerade bei der Einführung von neuen Modellen erfolgt dies in enger Zusammenarbeit mit dem VRN.
Info
Der erste Teil der Serie hatte den Busverkehr im Kreis zum Thema.
Ansprechpartner für Fragen rund um den ÖPNV im Kreishaus ist weiterhin Georg Kranzdorf (Telefon 06352 710-192.