Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel OPNV im Kreis (1): Kein Erfolg für Modellprojekt Stadtbusse

Zu wenige Fahrgäste: Die Stadtbusse – hier der Residenz-Renner – fahren künftg seltener.
Zu wenige Fahrgäste: Die Stadtbusse – hier der Residenz-Renner – fahren künftg seltener.

Vier Jahre lang hatte man sich Zeit gelassen, um das Modellprojekt „Stadtbusse“ anlaufen zu lassen und zu beobachten. Seit 2017 sind diese Busse in Rockenhausen, Kirchheimbolanden und Eisenberg unterwegs. Nicht selten nur mit dem Busfahrer besetzt. Vor kurzem wurde das Angebot abgespeckt.

So richtig schmecken wollte diese Entscheidung denjenigen, die es auf Kreisebene absegnen mussten, nicht: Aber letztlich stimmten alle dafür, dass die Buslinien in Rockenhausen, Kirchheimbolanden und Eisenberg künftig seltener unterwegs sein werden. „Das Angebot wird einfach viel zu wenig genutzt“, so Judith Schappert, im Kreis zusammen mit Georg Kranzdorf für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zuständig. Und bei allem guten Willen müsse man eben auch die Wirtschaftlichkeit im Auge behalten.

Wären alleine die Fahrgastzahlen Entscheidungsgrundlage, dann müssten die Stadtbusse im Kreis ganz eingestellt werden. Das wolle man unbedingt vermeiden, so Schappert und Kranzdorf. Um eine Reduzierung der Angebote komme man aber nicht mehr herum.

Busunternehmen zieht ernüchternde Bilanz

Seit 2017 gibt es das Stadtbus-Angebot im Kreis. Damals hatte Reisedienst Krauss&Wolff den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) hier – zunächst für die Dauer von zehn Jahren – übernommen. Als zusätzliches Angebot brachten sie die Stadtbusse ein, mit der Vorgabe, nach vier Jahren deren Nutzung zu bewerten. Jetzt kam die ernüchternde Bilanz. Dabei waren der „Eisenberger Flitzer“, der Rockenhausener „Rocki-Bus“ und der Kirchheimbolander „Residenz-Renner“, die mit jeweils drei Linien innerstädtische und engere Umland-Verbindungen herstellten, gar nicht so schlecht an den Start gegangen. „Zunächst sah es in Eisenberg und Kirchheimbolanden danach aus, als würde das Ganze gut angenommen, nur Rockenhausen blieb hinter den Erwartungen zurück“, so Schappert. Doch so recht in Schwung kam das Ganze dann letztlich nirgends.

Dabei habe man sich bemüht, den Menschen im Kreis das Busfahren schmackhaft zu machen. „Es gab früher auch Verbindungen zu Keiper in Rockenhausen, und auch Mobotix in Winnweiler hatten wir eine ganze Zeit angebunden“, so Kranzdorf. Dieses Angebot sei genau einmal genutzt worden, anschließend habe der Busfahrer hier immer nur vor der leere Haltstelle eine Schleife gedreht. Dabei habe sich auch die Firmenleitung für das Busangebot eingesetzt, konnte aber die Mitarbeiter dann offensichtlich nicht überzeugen.

Haltstelle an der Seniorenresidenz

Auch auf die Wünsche und Vorschläge aus der Bevölkerung sei man eingegangen. So hätten sich beispielsweise zwei ältere Damen vor einiger Zeit dafür stark gemacht, dass an der Seniorenresidenz eine Haltstelle entsteht. „Wir haben das eingerichtet, den Fahrplan entsprechend abgestimmt, und außer den beiden Damen ist nie jemand von dieser Haltstelle aus gefahren“, so Kranzdorf. Rund 2000 zusätzliche Bus-Kilometer seien dabei hinzugekommen. Ähnliches sei von der Haltestelle am Hallenbad zu berichten.

Dafür, dass es Busse im Donnersbergkreis offenbar nicht leicht haben, gibt es nach der Auffassung von Judith Schappert wohl mehrere Gründe. „Auf dem Land ist es nur schwer möglich, völlig auf ein Auto zu verzichten“, so Schappert. Und wenn es nun ohnehin vor der Haustür stehe, dann wähle man nun mal meist den bequemen Weg, bevor man sich über die Öffentlichen Verkehrsmittel schlau mache. Zumal auch selbst in den Städten im Kreis genug kostenloser Parkraum zur Verfügung stehe. Sie rege aber immer wieder an, zumindest über das Zweitauto nachzudenken. Denn das Angebot im Kreis könne sich wirklich sehen lassen, und wenn man die Gesamtkosten eines Autos betrachte, dann sei der ÖPNV fast immer die günstigere Alternative.

Verkehrsverbund bringt viele Vorteile

Der Fahrpreis für die Stadtbusse von 2,10 Euro werde immer wieder als zu hoch empfunden. Gerade wenn vielleicht nur eine oder zwei Haltestelle zurückgelegt werden. „Doch das zu ändern ist ganz schwierig“, so Schappert. „Wir sind Teil des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar und profitieren da von den Vorteilen, wie beispielsweise den verbundweiten Tageskarten oder dem Maxxticket. Andererseits können dann Kurzstrecken manchmal verhältnismäßig teurer sein“, so die Büroleiterin im Kreishaus.

In Kirchheimbolanden hat der Stadtrat indes diese Kritik aufgegriffen und will in einer einjährigen Versuchsphase die Kosten übernehmen und den Bus für die Fahrgäste kostenlos auf den Weg schicken. Ursprünglich sollte diese Probephase bereits im Dezember anlaufen, doch da hatte Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. In Pandemiezeiten könne man keine vernünftige Auswertung der Nutzungszahlen machen, so Stadtbürgermeister Marc Muchow. Jetzt soll der kostenlose Residenzrenner mit Fahrplanwechsel im Dezember an den Start gehen.

Info

Die Stadtbuslinie Rockenhausen umfasst die Linien 924, 925 und 926. Auf der Linie 924 und 925 bleiben je zwei Fahrten, auf der Linie 926 drei erhalten. In Kirchheimbolanden prüft die Stadt derzeit, den Stadtbusverkehr in eigener Regie zu übernehmen. Bis darüber entschieden ist, bleibt ein Grundangebot mit jeweils zwei Fahrten auf den Linien 927, 928 und 929 erhalten. In Eisenberg bleiben auf der Stadtbuslinie 917 zwei Fahrten erhalten, auf der Linie 918 sind es vier. Die Fahrten von und nach Eisenberg-Steinborn wird künftig die Linie 920 übernehmen. Alle Samstagsangebote der Stadtbusse entfallen komplett.

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